Ich habe neulich einen Professor kontaktiert, den ich noch aus der Studienzeit kennen. Nein – er war damals noch nicht Professor, aber schon im „Mittelbau“, wenn ich mich richtig erinnere. Kein für mich „wichtiger“ Kontakt, ich mochte ihn ganz gerne, habe mich aber für andere Themen interessiert, kurz, ich verlor ihn schon im Studium aus den Augen. Nicht weiter der Rede wert, das passiert im Laufe des Lebens ja mit vielen Menschen so. Aber plötzlich steht genau das wieder vor einem: Der Lauf des Lebens. Ich versuche mich nämlich zu erinnern, wie ich damals war. Und ich kann mich kaum erinnern. Es gibt ein paar Fotos von mir aus der Zeit auf denen ich verblüffend jung aussehe. Und gut, wie ich finde. Was ich damals jedoch nicht sehen konnte. Ich hielt mich immer für eine Monster-Erscheinung. Wer war diese junge Frau? Ich kann mich an meine möblierte Wohnung in einem Schwestern-Wohnheim erinnern, an die langen Wege zur Uni mit dem Rad, an meine Einsamkeit. Ich hatte wenig Selbstvertrauen, ich blieb lieber zu Hause, und hätte ich damals nicht wenigstens einen Freund gehabt, der mich gelegentlich mit dem Auto abholte, um ins Grüne zu fahren, ich hätte in meinem Berliner Zimmer gesessen ohne zu wissen, wo ich überhaupt bin. Die Selbstzweifel sind mir heute noch greifbar. Aber mir scheint, sie lagen wie dicker Nebel über mir selbst, oder vor diesem Ich-Kern, den wir in uns vermuten und auch spüren, der aber, wie mir scheint, schnell durch solche Befürchtungen (meinetwegen auch Befindlichkeiten) getrübt wird. Klar, dass ich froh bin, dass heute „alles anders“ ist. Aber ich frage mich, ob es Zeichen gibt, an denen ich mein früheres Ich erkennen würde. Oder ob ich einfach an mir vorbei gehen würde.
Dienstag, die Sonne scheint
Ich weiß nicht, wo Du bist. Ist auch egal, meistens bist Du weg, ich habe es mir so ausgesucht. Meistens ist es gut so. Ich habe Freundinnen, Freunde. Ich habe Kolleginnen und Kollegen. Die Entscheidung, mich nie wieder fest, und mit Haut und Haar an jemanden zu binden, ist alt. Älter schon als mein Erwachsensein dauert. Sie ist richtig. Zumindest für mich. Jetzt. Aber weh tun auch Dinge, die „richtig“ sind oder gewollt. Selten hat mich eine Aussage so befremdet wie die meiner Eltern, nachdem ich während oder für das Studium nach Berlin gezogen war und dort angekommen, erst mal fürchterliches Heimweh hatte: „Du hast es doch so gewollt.“ Wenn ich überlege, kommt mir – zumindest gerade – nichts herzloser vor. Als wenn sie nicht hätten wissen können, dass „wollen“ nicht immer und unbedingt „wünschen“ bedeutet, oder dass man ausgerechnet immer nur das tut, was Spass macht. Ich weiß nicht, wo Du bist. Ich werde meinen Arbeitstag beginnen, rausgehen, einkaufen, telefonieren, vielleicht noch schwimmen gehen, und in einem neuen Buch lesen. Wir werden vermutlich nicht einmal miteinander sprechen. Ich will das nicht so. Aber es ist o.k.
Unerwartet
Würde ich Redensarten ernst nehmen (und vor allem: jeweils passend im Kopf haben), hätte ich mich nicht wundern müssen: „Unverhofft kommt oft“ heißt es, und dieses Blüte kam tatsächlich so unverhofft, dass ich zwei Tage vorher nur knapp davon absah, deren Unterbau von meiner Fensterbank zu entfernen. Ich mag diese knalllila Härchen auf den Blättern, kleine bunte Pelze, die leider unschön braun vertrocknen, an meiner Pflanze allzu häufig, so dass sie unten aus langen, nicht besonders stabilen und daher gewundenen Stielen besteht, an deren oberen Enden die schönen Blättchen wachsen und jetzt also auch diese Blüte (sieht wirklich merkwürdig aus, bleibt jetzt aber erst mal so). Ich könnte endlos davor hocken, die weißen fedrigen Blätterspitzen sehen aus wie ein Auge, mit dem die Pflanze sich vorsichtig in meiner Küche umschaut. Vielleicht klappt sie sich über Nacht auf, und ich sehe eines Morgens nur noch das Ergebnis. Vielleicht aber geht es auch ganz langsam und leise, so dass ich beim allmählichen Auffalten zuschauen kann.
Ansonsten frage ich mich gerade, ob es ein gutes Zeichen ist, wenn man wenig aus seinem Leben zu erzählen hat, weil es wie ein ruhiger Fluss durch den Alltag mäandert, oder ob ich mich fragen sollte, warum so wenig passiert (und daran also etwas ändern). Eine typische Sonntagsfrage. Wird Zeit, dass ich an den See fahre…
To whom it may concern
Keine Ahnung. Ich habe heute eine Büchersendung ohne Absender bekommen. Auch im Umschlag und im Buch war kein Hinweis zu finden, wer mir das Buch geschenkt hat. Sorry, aber anonyme Post landet im Müll. Und sorry, dass ich das hier poste – aber vielleicht erreiche ich die gemeinte Person hier.
Brief an das frühere Ich
Nein. Damit konnte ich lange gar nichts anfangen. Warum sollte ich mir einen Brief in eine Zeit schreiben, aus der ich mit Ach und Krach entkommen war? Ich hatte es geschafft, was würde es bringen, nachträglich gute Ratschläge zu erteilen? Kokolores. Oder noch schlimmer. Jedenfalls nix für mich.
Aber dann wird man noch älter und denkt auf einmal wieder anders über das, was gewesen ist. Zu erkennen, was mir als Mädchen und junge Frau gefehlt hat, oder was ich damals nicht wusste oder mir falsch zusammenreimte, kann ja durchaus noch in meiner Zukunft wirksam werden. Indem ich mich nämlich in mein früheres Ich hineinversetze, erkenne ich die Leerstellen, die ich heute – viele Erfahrungen später – füllen kann. Und ich begreife, warum ich falsche Schlüsse zog oder mich ratlos und in schlimmen Fällen sogar verloren gefühlt habe.
Etwas, was ich gerne früher gewusst hätte, ist zum Beispiel dies: Der Schmerz sitzt nicht unbedingt da, wo es weh tut. Und das gilt für körperliche Schmerzen genauso wie für seelische. Anders formuliert: Vorsicht bei zu schnellen Erklärungen oder Deutungen. Viele Dinge liegen komplexer, als man denkt. Dazu gehört auch: man kann Schmerzen durchaus eine Weile aushalten. Die Welt geht nicht unter, wenn nach zwei Stunden noch keine Linderung eintritt oder eine Lösung gefunden wird. Ich möchte keineswegs für unnützes Leid plädieren, und auch ich nehme schnell Schmerzmittel, wenn ich welche zur Hand habe. Aber manchmal ist aushalten die bessere Alternative als eine schnelle und möglicherweise übereilte Lösung.
Hilfe annehmen, wäre der wichtigste Rat, den ich meinem jüngeren Ich geben würde (und damit vor allem meinem älter werdenden Ich). Oder mehr noch: Um Hilfe fragen! Wie lange habe ich mich mit Problemen herumgeschlagen, die ich alleine nicht lösen konnte. Und wie überwältigend ist es, wenn man Hilfe bekommt und etwas schafft, das außerhalb der eigenen Reichweite liegt! Schaue ich mich um, sehe ich: Wer Lösungen zusammen mit anderen findet, kommt weiter. Immer. Warum tun sich viele Menschen – und ich gehöre immer noch dazu – so schwer damit? Weil wir denken, wir scheitern, weil wir es nicht alleine schaffen? Ist das nicht viel mehr Größenwahn? Oder einfach dumm? Mich beschleicht tatsächlich die Vermutung, dass wir uns bei großen Themen der Zukunft genau hier auf den eigenen Füßen stehen: Dass wir einander nicht um Hilfe fragen. Sondern alle lieber alleine auf die Lösung kommen und sie dann durchdrücken. Ich hoffe, ich sehe an der Stelle gerade nur schwarz. Und dass jede/r von uns in entscheidenden Momenten dafür offen ist, Hilfe anzunehmen. Denn mir scheint, auch wenn das paradox klingt, dass nur so die Gräben zwischen uns überbrückt werden können.
Arising – a call (Yoko Ono)
Wie ich gestern schon schrieb, war ich letzte Woche in der Retrospektive von Yoko Ono, die noch bis zum 07.07. im Leipziger Museum der bildenden Künste gezeigt wird. Wer durch die riesigen Räume geht, sieht vor der Hand eine luftige Hängung – nichts wirkt gequetscht oder zu voll, es ist angenehm übersichtlich (nicht leer), fast so, wie eine schöne Landschaft auf einem Landspaziergang. Dabei sind die Themen ernst, Leben und Tod, Krieg und Frieden – die großen Rätsel und Widersprüche der Menschheit stehen im Zentrum eigentlich aller Arbeiten. Wie auch schon geschrieben, ermuntert Yoko Ono ihr Publikum, teilzuhaben an ihrer Kunst, die gezeigten Werke fortzuführen. Ein Raum ist dabei Frauen gewidmet, hier bittet die Künstlerin Frauen, ihre Gewalterfahrungen zu dokumentieren. Ihre Handlungsanweisung lautet:
Women of all ages, from all countries of the world: you are invited to send a testament of harm done to you for being a woman. Write your testament in your own language, in your own words, and write however openly you wish. … Send a photograph only of your eyes…
Wer über 50 ist, hat diesbezüglich einen langen Text zu schreiben. Einmal wegen des Alters, zum anderen, weil die Zeit, in der ich ein Mädchen und eine junge Frau war, frauenfeindlich war, wenn auch sicher oft ohne „böse“ Absicht, vielleicht sogar auch ganz ohne Absicht, die Abwertung von Frauen saß sogar in den hippiesken 70er Jahren enorm tief. Ich werde kurz den Alptraum von vorletzter Nacht notieren, denn er scheint mir tatsächlich ein direktes Echo auf Yoko Onos Arbeit zu sein, und er ist insofern selbst „harm“, also Leid, das mich viele Nächte begleitet.
Im Traum bin ich eine junge Frau im Ausland. Ich habe ein Stipendium angetreten oder einen längeren Arbeitsaufenthalt, ich richte mich gerade in einer hellen Wohnung ein, kaum, dass ich mein Glück fassen kann. Welches Land ich bereise, wird in dem Traum nicht klar. Es gibt fantastische Landschaften mit hohen Felsformationen, in die eine futuristische Megastadt eingebaut wurde. Das Wetter ist gut, fast wie in einer Wüste, manchmal denke ich an Nord- manchmal an Südamerika. Nur eins ist sicher: Ich bin sehr weit weg von zu Hause. Der Hausherr kommt, ein dunkler Mann ohne erkennbares Gesicht. Er bedrängt mich, mir wird klar, dass ich in diesem Haus keineswegs frei sein werde, sondern eine Gefangene ohne eigene Rechte. Ich versuche zu argumentieren, immerhin habe ich ein Stipendium, aber ohne Erfolg, das einzige Entgegenkommen seinerseits: er gibt mir drei Briefe und verlangt, dass ich sie in einen Briefkasten in der Stadt bringe. Auf diese Weise kann ich mich für die ersten Tage „freikaufen“. Allerdings sagt er auch, dass es kaum noch Briefkästen gebe, und ich wahrscheinlich keinen finden werde. Ich nehme die Briefe, laufe raus, gehe durch riesiges Straßen und verliere schon bald die Orientierung. Im Grunde ist klar, dass ich nicht zurückfinden werde. Dass es voraussichtlich keine Briefkästen gibt, obwohl ich mich durchfrage, und es eine Weile so aussieht, dass ich vielleicht doch einen finde. Ich habe kein Geld, nicht mal einen Ausweis dabei. Wenn kein Wunder geschieht, bin ich in der fremden Welt verloren.
Der Text ist auf Anregung eines fortlaufenden Projekts (Arising – a call, 2013/2019) der Künstlerin Yoko Ono entstanden. Ich danke ihr für die Gelegenheit, mich mit meiner Geschichte auseinanderzusetzen.
Ein glücklicher Tag
Wer morgens in einem sterilen Hotelzimmer mit ersten Zeichen von Migräne aufwacht, hat sicher keinen glücklichen Tag auf dem Schirm. Durchkommen, mag das Beste sein, was man sich ausmalt, wenn man zur Dusche schleicht, mir ging das nicht anders, im Spiegel sah ich ein Gespenst, das mir nur entfernt ähnelte, draußen war es drückend schwül, Prost Mahlzeit!
Immerhin hatte ich beim Blick aus dem Fenster eine Apotheke gesichtet, über Nacht war die Blase an meinem linken Fuß noch gewachsen, natürlich hatte ich für zwei Tage nur ein Paar Schuhe mit, keine Pflaster, aber das schien zumindest schon mal zu klappen. Danach brauchte ich erst mal ein Frühstück, ich entschied mich für eine billige Bäckerei, ich wollte nicht weit laufen (s. Pflaster) und die Bäckerei lag in Sichtweite zum Museum der bildenden Künste, das ich danach besuchen wollte (also, eigentlich nicht besuchen wollte, aber weil ich eh keinen Plan hatte und es draußen schon so heiß war, …). Der Kaffee war erstaunlich gut, das aufgebackene Croissant immerhin gut aufgebacken, der Wind draußen unter dem Sonnenschirm angenehm und auch das Glas Wasser für die Tablette bekam ich ohne Murren und randvoll.
Davon mal abgesehen, dass ich die Museumstür einmal mehr nicht aufbekam (das war auch schon beim letzten Mal so) – und ich erst bei der nächsten Tür, die ins Museums-Café führt, reinkam, war der Besuch das reinste Wow-Erlebnis: Yoko Onos künstlerische Arbeiten (und einige für das Leipziger Museum neu konzipierte Installationen) waren zu sehen, ich gebe zu, dass ich nicht viel erwartet habe, aber das, was dann kam, hat mich geradezu in den Himmel gehoben. Besonders schön ist ihre Idee, die Besucher/innen an ihren Arbeiten teil haben zu lassen. Weil sie sich viele Fragen stellt, die uns alle angehen, und die sie uns anstiftet, selbst zu beantworten. Auf diese Weise fehlen ihren gesellschaftskritischen und politischen Arbeiten die erhobenen Zeigefinger oder die didaktischen Absichten, was kaum je gelingt und so ungeheuer erfrischend ist. Kaum jemals habe ich ernste Themen so freundlich behandelt gesehen, ohne dass sie dadurch banalisiert oder verkitscht werden. Der Tod als gemeinsame Erfahrung, das Leben als gemeinsame Erfahrung, die Solidarität, die uns Frauen hilf, bei sexuellen Übergriffen, die gemeinsame Erfahrung, die wir mit unseren Müttern haben, mit den Kriegen dieser Welt, der Umweltzerstörung.
Das größte Vergnügen hatte ich in dem Raum, in dem Besucher/innen vorher zerschlagene Porzellantassen wieder nach eigenem Gusto zusammenkleben konnten. Yoko Onos Handlungsanweisung lautete:
Parallel Mend Piece: Think of a place in your heart/that needs mending./Think of a place in the world/that needs mending/Think and mend./Mend.
Ich hatte die letzte an dem Tag verfügbare zerschlagene Tasse erwischt, „langweilig“ zerschlagen, nämlich nur in zwei Teile, aber dann doch eine Herausforderung und hübsch im schlichten Ergebnis, das ich in eine Art Setzkasten an der Wand stellen konnte: jetzt war sogar mal ein „Werk“ von mir für ein oder zwei Tage in einem „richtigen“ Museum (kicher).
In der Thomaskirche – ein starker guter Kaffee später – übte jemand an der Orgel, Bach, was sonst. Ich war in einer heiligen Stimmung, die ganzen Selfiesticks waren zwar merkwürdig bis störend, ich kann mir gar nicht vorstellen, was das eigene Gesicht vor dem Bachgrab soll, aber gut, anders sind solche Orte heute nicht mehr zu haben – und eben: wer weiß, was es für diese Leute bedeutet, sich später auf den Fotos zu sehen. Als echte Shopping-Queen habe ich mir später noch ein paar sensationelle gelbe Sommerschuhe mit silbernem Absatz gekauft, und bin dann schnell zum Bahnhof gelaufen, der Himmel war tiefgrau, der Wind schon beeindruckend und ich ohne Regenklamotten. Das war knapp, aber schon wieder wartete ein bester Kaffee und ein Stück Zitronenkuchen auf mich, ein Buch, das ich mitgebracht hatte – davon schreibe ich später noch – und zwei Stunden zum entspannten Schmökern.
Die Kopfschmerzen konnte ich halbwegs in Schach halten und was den Tag so besonders machte, waren neben Yoko und Bach vor allem die vielen netten Menschen, die mir über den Tag hinweg begegneten. Jede und jeder war zu einem kleinen Plausch aufgelegt, es gab – wie man das so schön schlicht nennt – „echte“ Begegnungen und viel befreites Lachen. Das hielt bis zur Rückreise in der Bahn, wo ich eine reizende Theologiestudentin als Sitznachbarin hatte und wo ich meinen Sprecherliebling Frank Arnold getroffen habe, der mich trotz Erkältung fast eine Stunde lang mit seiner schönen Stimme unterhielt (und natürlich mit den Inhalten…), und durch den die wegen Bauarbeiten fast zweistündige Fahrt von Leipzig nach Berlin einen Windhauch nur dauerte. Was soll ich sagen? Ich bin mit einem sehr breiten Lächeln eingeschlafen. Dass ich heute Nacht mit einem harten Alptraum verbrachte, mag sogar die Rückseite dieser schönen Erfahrung sein. Aber möglicherweise eine, die für mehr Einsicht sorgt. Schauen wir mal.
Echt jetzt?
Wer in Touristenhochburgen lebt, braucht sich nicht wundern. Wir haben den vegetarischen Metzger auf der Straße, eine analoge Schnittstelle (Friseur) und einen Laden für Männergeschenke. Meist laufe ich einfach dran vorbei. Offensichtlich sind Männergeschenke schon mal deutlich zu teuer für mich. Aber heute kam ich dann doch ins Grübeln. Was bitte sind überhaupt Männergeschenke? Der Blick ins Schaufenster hilft nicht viel weiter. Da sehe ich meist nur Dinge, die es auch in meinem Haushalt gibt. Und was war an dem kleinen Stoffhuhn, das ich neulich zu Ostern dort für eine Freundin gekauft habe, jetzt männergeschenkartig?
Die Frage ist natürlich eine andere: Überlege ich, wenn ich Freunden etwas schenke, dass sie Männer sind? Oder überlege ich, was diese Person gerne hätte? Und wenn letzteres, sind Wünsche von Männern anders als die von Frauen? Hmmmm. Fast alle meine Freunde lieben Törtchen. Das kann es nicht sein? Nein, im Ernst. Und von Rasierwasser mal abgesehen: gibt es heute noch eindeutige Frauen- oder Männergeschenke? Oder hat sich an dieser Stelle doch etwas im Geschlechterverständnis geändert? Was meint Ihr?
Alltag at its worst
Und hier gleich und zuerst die Blogadresse von Ulli, die uns das Nachdenken über den Alltag jeden Monat neu ans Herz legt:
https://cafeweltenall.wordpress.com/2019/06/01/alltag-8/
Wenn ich ehrlich bin, liegt der schlimmste Alltag bereits hinter mir. Na gut, vielleicht ist das ein gewisser Selbstbetrug, eine Hoffnung, über den höchsten Berg zu sein, obwohl ich längst weiß, wie mühsam im hohen Alter allein das Aufstehen, duschen und anziehen sein kann.
Würde ich eine Liste mit den schlimmsten Alltagsgegenständen machen, stünde der Wecker an erster Stelle. Die gesamte Gymnasialzeit (in der Grundschule bin ich morgens noch mühelos wie ein Flummi aus dem Bett gesprungen) und auch die Studienzeit war durchzogen von dem quälenden Geratter (später Gesummse oder Gepiepse) dieser (für mich) miesen Foltergeräte. Ich habe dieses geräuschvolle Aufwachen stets wie eine Art Steinschlag im Kopf erlebt, das mit Schmerzen, Schwindel, manchmal auch so etwas wie mentaler Übelkeit verbunden war. Dabei kann ich bis heute nicht entscheiden, was schlimmer war: Der Krach, meine steinerne Müdigkeit oder die Aussicht, in die Schule gehen zu müssen. Ich bin mir nicht sicher, aber einer der Gründe, niemals angestellt sein zu wollen, hat möglicherweise mit dieser Erfahrung zu tun: Niemals ein Nine-to-Five-Job war der unausgesprochene Plan. Daran habe ich mich gehalten.
Ein paar weitere morgendliche Alltagsmonster waren der Waschlappen, fensterlose Badezimmer, die Zahnbürste, Regen. Natürlich hat es nicht immer geregnet. Aber dieses Wetter garantierte mir als Fahrradfahrerin die miesesten Aussichten: nass in der Schule oder an der Uni aufzukreuzen, war ein worst case. Nur Schnee und Eis können dieses Szenario bis heute noch toppen (Regen habe ich im Laufe der Zeit – wenn auch mühsam – akzeptieren gelernt).
Ein regelmäßig aufkreuzendes Alltagsmonster war der Schreck, die Fahrkarte bzw. das Portemonnaie zu Hause vergessen zu haben (als Studentin musste ich mit der Bahn fahren, später in Berlin mit der BVG). Der Hunger nach 13:00 und die Müdigkeit am Nachmittag. Die vollgequalmten Aufenthaltsräume an der Uni. Die Hausaufgaben. Die meist schlechte Luft in den Arbeitsräumen. Die in meiner Studienzeit noch zwischen 18:00 und 19:00 schließenden Lebensmittelgeschäfte. Grammatik.
Erwachsenwerden hat vielleicht auch damit zu tun, sich diesen Gegebenheiten nach Jahren des Widerstandes möglichst nahtlos anzupassen, oder wenigstens die Gegebenheiten zu akzeptieren. Dennoch vermeide ich die meisten (eine elektrische Zahnbürste ist immerhin lustiger, die vollgequalmten Räume sind Vergangenheit, wie die – zumindest in Berlin – früh am Abend schließenden Geschäfte). Als Erwachsene habe ich auch eher das Gefühl, mein Leben zu leben, als Kind und Jugendliche überwog doch das Gefühl, dieses Leben aufgedrückt zu bekommen.
Nein, ich werde jetzt nicht alle Alltagsmonster aufzählen, der Artikel würde wahrscheinlich lang und immer deprimierender. Obwohl mich die Sache schon interessiert. Leere weiße Blätter gehörten lange dazu, der Spülberg am Abend (naja, den gibt es immer noch), der unvermeidliche Fleck auf der Lieblingsklamotte, die auf dem Weg zum Müllcontainer platzende Mülltüte. Aber es gab und gibt einen Gegenzauber. Der von mir meist geliebte Alltagsgegenstand ever (er hat sogar in meinen Urlaubszeiten einen ersten Platz in der Liste der besten Freizeitgegenstände): die Kaffeetasse. Bzw. die mit heißem, frischen, starken Kaffee gefüllte Kaffeetasse…
Summer is coming…
oder: Wer jetzt seine Badesachen nicht findet, ist selber schuld… Allen ein schönes sonniges Wochenende!






