Bleib Du selbst…

Ich habe neulich einen Professor kontaktiert, den ich noch aus der Studienzeit kennen. Nein – er war damals noch nicht Professor, aber schon im „Mittelbau“, wenn ich mich richtig erinnere. Kein für mich „wichtiger“ Kontakt, ich mochte ihn ganz gerne, habe mich aber für andere Themen interessiert, kurz, ich verlor ihn schon im Studium aus den Augen. Nicht weiter der Rede wert, das passiert im Laufe des Lebens ja mit vielen Menschen so. Aber plötzlich steht genau das wieder vor einem: Der Lauf des Lebens. Ich versuche mich nämlich zu erinnern, wie ich damals war. Und ich kann mich kaum erinnern. Es gibt ein paar Fotos von mir aus der Zeit auf denen ich verblüffend jung aussehe. Und gut, wie ich finde. Was ich damals jedoch nicht sehen konnte. Ich hielt mich immer für eine Monster-Erscheinung. Wer war diese junge Frau? Ich kann mich an meine möblierte Wohnung in einem Schwestern-Wohnheim erinnern, an die langen Wege zur Uni mit dem Rad, an meine Einsamkeit. Ich hatte wenig Selbstvertrauen, ich blieb lieber zu Hause, und hätte ich damals nicht wenigstens einen Freund gehabt, der mich gelegentlich mit dem Auto abholte, um ins Grüne zu fahren, ich hätte in meinem Berliner Zimmer gesessen ohne zu wissen, wo ich überhaupt bin. Die Selbstzweifel sind mir heute noch greifbar. Aber mir scheint, sie lagen wie dicker Nebel über mir selbst, oder vor diesem Ich-Kern, den wir in uns vermuten und auch spüren, der aber, wie mir scheint, schnell durch solche Befürchtungen (meinetwegen auch Befindlichkeiten) getrübt wird. Klar, dass ich froh bin, dass heute „alles anders“ ist. Aber ich frage mich, ob es Zeichen gibt, an denen ich mein früheres Ich erkennen würde. Oder ob ich einfach an mir vorbei gehen würde.

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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