Autor: Stephanie Jaeckel

Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Randale

Wenn ich es richtig verstanden habe, waren es Jugendliche, die vor ein paar Wochen eine dreihundert Jahre alte Linde im Brühler Schlosspark aus dem Boden gerissen haben. Ich war traurig wie lange nicht. Und ein Teil in mir echauffierte sich. Ein anderer Teil fand die Aufregung lächerlich. Natürlich ist es Mist, einen so alten Baum […]

Langzeitfolgen

Ich habe neulich den Soziologen Stephan Marks über Scham sprechen gehört. Mir ist regelrecht das Gesicht entgleist, als er sagte, unsere auf Beschämung gerichtete Kultur der Erziehung reiche bis in den Dreißigjährigen Krieg zurück. Echt jetzt!? Der Dreißigjährige Krieg tobte im Europa des 17. Jahrhunderts. Es ging um die Rechtmäßigkeit des Katholischen bzw. des Neuen […]

So viel mehr als Information

Als Audioguide-Texterin besteht meine Aufgabe darin, Exponate zu beschreiben. Dabei galt früher, als ich anfing meistens: Je mehr Information, desto besser. Heute geht es eher um Spass. Oder um Dialog. Der dann darin besteht, die Hörenden mit Fragen zum eigenen Denken anzuregen. Was ich entsetzlich finde. Aber das ist eher ein persönliches Ding. Ich denke […]

„Die Würde

des Menschen ist unantastbar.“ So lautet der 1. Artikel im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland. Diese Forderung ist ein Kernpunkt unserer Gesellschaft. Aber wie sieht es im Alltag aus? Würde, so scheint mir, wird immer öfter über Bord geworfen. Von Seiten der Institutionen, der so genannten Dienstleister, aber auch von vielen selbst. Denn Würde wird nicht […]

Brancusi klopft an

50 Jahre lang waren keine Skulpturen von Constantin Brancusi in Deutschland zu sehen. Eine lange Geschichte, die damit begann, dass der junge Brancusi früh Kontakte zu amerikanischen Sammlern hatte, und damit viele seiner Werke nach Übersee gingen. Zudem hasste er Ausstellungen. Deshalb zeigte er am liebsten alles bei sich zu Hause, im Pariser Atelier, wo […]

Es klingt so banal

Aber Frieden fängt in jedem einzelnen Kopf an. Oder in jedem menschlichen Körper mit ruhigem Puls und klarem Blick. Angst ist ein großer Verführer. Er flüstert, sich zu wehren und zuerst loszuschlagen. Angst ist natürlich berechtigt. Die Grausamkeiten schreien aus fast allen Nachrichten, die uns erreichen. Sie sind real. Aber unser inner Frieden auch.

Wie lange wir brauchen,

unsere Kultur nicht als Gegensatz zu Natur zu sehen. Wie lange werden wir brauchen, KI nicht als neuen Gegner zu begreifen? Ohne zu übersehen, dass uns beide gefährlich werden können.