Autor: Stephanie Jaeckel

Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Musikgeschmack

Es ist kein Zufall – und wahrscheinlich auch viel weniger individuell – was wir hören oder genauer, welche Musik uns gefällt. Schon in den 1980er und 1990er Jahren erforschte Pierre Bourdieu unsere Musikvorlieben darauf, wie wir uns über sie definieren oder andersherum, wie Musikgeschmack im sozialen Miteinander Grenzen definiert, beziehungsweise Gemeinsamkeiten herstellt. Wenn ich zurückdenke, […]

Überm Tellerrand

Aus gegebenem Anlass habe ich eben eine alte arte-Dokumentation über die Arbeit im Haus Chanel angesehen. Alt heißt, von 2004. Gezeigt wird die Entstehung einer neuen Karl Lagerfeld-Kollektion, vom ersten Entwurf bis hin zur Präsentation auf dem Laufsteg. Während ich den Film sehe, begreife ich zum ersten Mal im meinem Leben, was es heißt, etwas […]

In die Luft gucken

Es gibt so Tage, da halte ich inne und schaue und schaue und schaue. Keine Uhr tickt, keine Abgabe rückt näher, kein Termin sitzt mir im Nacken oder hat mich schon wieder auf die Piste geschickt. Ich sitze und gucke. Ich könnte jetzt, aber nein. Nein. Sitzenbleiben. Gucken. Nichts denken. Am Besten auch gleich nichts […]

Da hat man den Salat

Wer den Sachen auf den Grund schaut, verliert den Überblick. Und umgekehrt. Da hilft nicht mal eine Gleitsichtbrille. Aber vielleicht genug Geduld, eins nach dem anderen anzusehen.

Sehnsuchtsort Bahndamm

Das ist tatsächlich ein Relikt aus meiner Kindheit. Die Fremdheit und das Fernweh, das mich erwischt, wenn ich neben Eisenbahngleisen hergehe. Als Kind waren Gleise geheimnisvoll. Sie führten weg, waren gesäumt von merkwürdigen Zeichen und Lichtsignalen, doch natürlich trog die Stille, denn früher oder später kam ein Zug, ein leises Simmern im Eisen kündigte ihn […]

Eine Stimme aus der Dunkelheit

Es gab Zeiten in und auch nach meinem Studium, in denen ich sehr verzweifelt war. Ich wusste keinen Platz für mich in der Welt. Eine Stimme, die mich auf meinen Weg brachte – und sogar direkt zu meiner späteren Arbeit – war die von Bruno Ganz. Ich weiß nicht, wie viele Nächte ich ihn als […]