Autor: Stephanie Jaeckel

Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Morgendlicher Besuch

Stelle mir vor, dass das eine winzige Raumkapsel ist, in der jemand sitzt, todesmutig. – Denke weiter, wie wenig ich die Natur kenne. Selbst große Hitze oder Kälte ist in der Großstadt fast nur eine Kulisse (wenn man ein Dach über dem Kopf hat).

Meine Gretchenfrage:

Sag, wie hältst Du’s mit dem Hund? Soll ich oder soll ich nicht? Meine Wohnung ist klein, andererseits habe ich ein hundefreundliches Büro (in Laufnähe), viele Parks rundherum (mit ausgewiesenen Hundespielplätzen) und ja, ich mag die Tiere nun mal seit ich Kind bin. Meine Mutter hatte eine Allergie, aber wahrscheinlich vor allem keine Lust – […]

Ich durch andere

An der eigenen Person – Persönlichkeit zu basteln, ist ein Lebensthema. Früh fangen wir damit an, so zu sein, wie Mama uns mag, und doch anders als die Geschwister oder Papa oder wer noch alles. Im Kindergarten schauen wir uns schon Gesten ab, Sprüche, später Klamotten, Styles, Frisuren, Lektüren, Filme und, und, und. Langsam wächst […]

Nachtleben

Vielleicht die größte Überraschung nach dem Kauf meiner Kamera: Ich fotografierte jetzt auch nachts. Nein. Nicht im Dunkeln. In meinen Träumen. Tagsüber ist die Kamera mein Gedächtnis. Weil ich kein Tagebuch schreibe, fotografiere ich. Atmosphäre. Denn auch wenn sich Katze oder Maus, Kind und Kegel, Haus, Baum, Strauch auf den Fotos zeigen, sind es Farben, […]

„Schönheit des Abstands“

lese ich heute in einem Artikel von Friedrich Ani, der damit Simone Weil zitiert und sein Gefühl, mit den aktuellen Lockerungen der Pandemie-Einschränkungen gar nicht so recht glücklich zu werden. Mir geht es gerade ähnlich. Ich vermisse angesichts der nächtlichen johlenden Horden im Park gerade die Stille der Stadt, die so unvermittelt kam, dass es […]

Ein Brett verändert alles

Ich liebe es, im Sommer am offenen Fenster zu arbeiten. Heute zum Beispiel weht zarter Blütenduft (so etwas wie Flieder) in meine Wohnung, und die Vögel zwitschern, dass ich den lauten Mehringdamm fast gar nicht höre. Draußen arbeiten dagegen geht gar nicht. Nicht einmal Lesen gelingt mir, sobald sich mein ganzer Körper unter freiem Himmel […]

Ganz tiefe Verneigung

vor der Tennisspielerin Naomi Osaka, die die French Open verlassen hat, weil sie nicht für Pressegespräche nach den jeweiligen Matches zur Verfügung stehen will. Sie schreibt, dass sie zur Zeit wegen Depressionen diese Verpflichtung nicht einhalten kann, und wurde von den Veranstaltern mit einem hohen Bussgeld belegt, weil sie den ersten Termin nach einem gewonnenen […]