Nichtstun

Die meisten von uns freuen sich auf den Feierabend, das Wochenende und auf die Ferien. Endlich machen, wozu man Lust hat! Entspannen! Wohlfühlen! Aber, nichts tun? Kaum jemand, der oder die darin ein Vergnügen sieht – geschweige denn, es mehr als 10 Minuten hinbekommt.

Doch, ich konnte das schon immer. Und habe mich immer geschämt. Weil ich dachte, dass ich megakrass faul bin. Nichtstun. Und dann kommt auch schon der Nichtsnutz. Das Nichtstun weht durch meinen Alltag wie Nebelwände. Gerade bin ich noch voll konzentriert, da sacke ich in eine regelrechte Koma-Phase. Nicht, dass ich schlafe. Im Kopf stellt sich etwas auf Null. Und ich falle aus der Zeit. Oder zumindest aus dem Tagesplan. Das ist meistens nicht schlimm, weil schnell wieder vorbei. Wenn ich jedoch frei habe, tauche ich gelegentlich in diesen Null-Modus ab.

Doch. Das schlechte Gewissen packt mich immer wieder. Aber ich weiß, dass ich die Zeiten brauche. Um – nun, ich würde sagen, um mir sehr nah zu sein. Nein, es ist weder unterhaltsam, noch sonst irgendwas. Im Grunde ist es nicht viel mehr als atmen. Frag‘ mal einer eine Muschel, die in der Dünung am Felsen klebt. Nichtstun – wirklich?

Es gibt so Tage,

da guckt einen sogar der Gurkensalat an. Und: könnte sein, dass wir unsere Schlaflosigkeit oft nur träumen. Zumindest legen Forschungen nah, dass, wenn wir uns wach wähnen, wir gelegentlich oder möglicherweise längst eingeschlafen sind, und davon träumen und schlaflos im Bett zu wälzen. Macht natürlich auch keinen Spass. Ist am Ende aber vielleicht doch eine gute Nachricht…

Wasser trägt

Wie hatte ich das 30 Jahre lang vergessen können? Weil es etwas mit Vertrauen zu tun hat, das mir früh verloren gegangen war? Auch Selbstvertrauen. Jetzt warte ich auf die halben Stunden, in denen ich ins Wasser kann. Vielleicht träume ich, aber mir scheint, die Schmerzen überall im Körper würden weniger.

 

P.S. Vorsicht! Schwimmen in offenen Gewässern kann gefährlich sein. Es braucht immer Aufmerksamkeit (ja, doch, auch im Schwimmbad).

Auch nur eine Frage der Zeit: Kinder

oder anders formuliert: wir kommen halt alle zu verschiedenen Zeiten als Gäste auf die Welt. Nur weil jemand später dran ist, habe ich doch nicht das Recht, dem oder der was beizubiegen – ? Naja. So einfach ist es natürlich nicht. Wir Älteren übernehmen Verantwortung für die Jüngeren, manchmal müssen wir etwas verbieten oder wegnehmen, um Verletzungen aller Art zu vermeiden. Aber was ich schon an der Vorstellung von Didaktik falsch finde, ist, es gäbe einen Trick oder ein Verfahren, Wissen, Fakten oder was immer in die Köpfe der Kleinen zu pumpen. Kinder sind immer schon auf Augenhöhe, sogar als Neugeborene. Und wenn sie nicht selbst Windeln wechseln können, bitte daran denken, dass sie gerade anderen wichtigen Erkenntnissen auf der Spur sind: Raum-Zeit-Zusammenhänge, Sprache, Bilder, Träume, Identitäten. Noch einmal: Wir Älteren sind dazu da, den Kleinen die Welt zugänglich zu machen. Und auch wenn wir schon mehr wissen oder können, wir können ebensogut von den Kleinen lernen. So gesehen gestern, bei einem Capoeira-Training im Viktoriapark. Hier kämpfen Kinder ganz selbstverständlich mit den Erwachsenen und mit dem Meister. Und: keine Sorge, er markiert nicht. Er siegt am Ende. – Nicht nur Lehrer/innen oder Eltern sollten sich Gedanken über (ihre) Kinder machen. Ich denke, wir sind alle aufgefordert, Kinder in unseren Umgang zu integrieren. Und wenn es nur kurze Begegnungen auf der Straße oder in Supermärkten oder wo auch immer sind. Kinder an die Macht? Nicht unbedingt. Aber Kinder bitte wieder mehr in den Fokus. Würde uns Erwachsenen wirklich mehr als gut tun.

Wer hätte das gedacht?

Nicht nur Bademeister haben im Sommer einen Top-Job. Auch Museumswächter können gelegentlich ein exklusives Outdoor-Leben führen, zumindest, wenn sie in der Bundeskunsthalle in Bonn arbeiten.

Leben ohne zu Hause

Eben habe ich auf dem Berliner Hauptbahnhof einen Journalisten-Kollegen getroffen. An sich keine große Sache. Nur der Ort war – nun, erst mal auch nicht ungewöhnlich: Eines dieser Bahnhofscafés, wo man noch schnell etwas bestellt, um es mit in den Zug zu nehmen, oder vorher zu futtern oder zu trinken. Der Mann hatte keinen Koffer dabei, dafür eine große Aktentasche. Er suchte eine Steckdose, da nur an meinem Tisch eine für seine Kabellänge erreichbar war, fragte er, ob er sich dazusetzen könne. Wir kamen ins Gespräch. Er stellte sich als syrischer Journalist vor. Wir haben eine Weile miteinander geredet – mich interessierte natürlich, wie er sich hier in Deutschland fühle (dankbar, übrigens) – bis ich begriff, dass dieses Café sein Büro war. Er lebt in einer Flüchtlingsunterkunft, zum Arbeiten kommt er ins Café. Klar, würde ich wahrscheinlich sogar auch so machen. Aber was für ein anstrengendes Leben!