Vielleicht ist es nur ein Symptom,

aber ein deutliches: In den ersten Stunden der Auszählung der Europa-Wahlergebnisse gab es – zumindest schien es mir so – nur deutsche Ergebnisse und Analysen aus deutscher Sicht. Erst eben, und auch da erst nach einigem Stöbern, fand ich gesamteuropäische Daten und Kommentare. Ich denke, hier zeigt sich die neue Herausforderung: nicht nur Europa zu sagen, sondern auch zu denken. Und damit meine ich einen scharfen Blick auf gemeinsame Aufgaben, Chancen und Pflichten. Gefragt sind wir alle, aber besonders „die Medien“, die nach der Wahl das neue Europaparlament für uns sichtbar machen sollten indem sie die Arbeit dort kommentieren, analysieren und zur Diskussion stellen, nicht nur hin und wieder, sondern laufend. Damit wir nicht weiterhin ratlos und vereinzelt herumstehen, wie die Leute auf dem Foto. Es wäre schön, über Europa endlich ins Gespräch zu kommen, wie gestern schon bei der Wahl, als ich etliche meiner Nachbarinnen und Nachbarn im Wahllokal getroffen habe, was – wie wir alle fanden – viel zu selten geschieht.

Was ist denn

mein Herz für ein Tier? Eine große Frage, die ich meinem Freund Dirk aus einem seiner Gedichte geklaut habe. Und? Ein Sonntag ist auf jeden Fall eine gute Zeit, darüber nachzudenken…

Glück pflanzen

Als wenn das so einfach ginge… – doch, doch, doch, doch. Das Wort „Glück“ bedeutete in seiner ursprünglichen Form in etwa „glücklicher Ausgang“, und war insofern eigentlich „das Ende vom Lied“. Aber alltägliches Glück scheint mir eher etwas, was man aussät, und was dann sein Potential entfaltet.

Ein Beispiel? Nun, ich habe zwei neue Kollegen im Büro. Und auch wenn das übertrieben klingt, aber seit sie da sind, ist mehr Licht im Raum. Die lächeln, sind offen, freundlich, zugewandt und ansonsten rücksichtsvoll – wir arbeiten in einem Großraumbüro. Gerade in letzter Zeit gab es dort einige Fluktuation, und auch, wenn es viele nette Leute gab, die bei uns reingeschaut haben, die Neuen scheinen etwas besonderes zu haben. Meinetwegen sind sie besonders charismatisch. Dennoch habe ich den Verdacht, dass ich mir an ihnen einiges abschauen kann. Zumindest wird mir klar, wie sehr man durch seine Anwesenheit die Atmosphäre in einem Büro verändern kann. Und als ich neulich auf die Frage einer Freundin, wie es mir gehe, „richtig gut“ antwortete, eben weil ich mich gerade im Büro sehr wohl fühle, wurde mir klar, was für ein Glück (und wie weitreichend) das für mich ist.

 

Eine Spur aufnehmen

Das sind eigentlich die besten Momente, wenn eine Idee kommt, eine Gelegenheit oder ein Zufall sich auftut. Man mit einem Mal Witterung aufnimmt und mit wachsender Vorfreude der Spur folgt. Als würde man in die Welt hinein gezogen. Schön, wenn das immer und immer wieder passiert: Leben von seiner besten Seite.

Fehler

„Aus Fehlern lernt man“, heißt es. Das kann ich nur unterstreichen – und würde sogar noch weitergehen: „nur aus Fehlern lernt man“. Ja, isso.

Aber dann. Beruflich ist das schnell einzusehen. Als Texterin bekomme ich – wenn auch immer seltener – Rückmeldung von Lektor/innen. Die sind immer (!) aufschlussreich, selbst wenn ich merke, dass jemand meine Absichten so überhaupt nicht geschnappt hat.  Denn auf diese Weise begreife ich, wie meine Sätze auch ganz anders gelesen werden können, sehe Dimensionen, die ich gar nicht kannte, als ich schrieb. Dennoch sind mir natürlich Korrekturen von Menschen am liebsten, die mich verstehen. Das ist rar. In meinem gesamten Berufsleben gab es bisher nur zwei.

Auch in der beruflichen Kommunikation gibt es dauernd Fehlermeldungen. Und ich tue gut daran, mir die Situationen im Nachhinein vor Augen zu führen und Alternativen zu entwickeln. Der Reflex, sich selbst zu bestätigen, zu denken, „aber es war doch richtig, was ich gesagt/getan habe“, ist dabei zu überspringen: Wie könnte es für den/die andere/n gewesen sein? Gab es möglicherweise ein Missverständnis? Wer Texte schreibt, weiß wahrscheinlich eher als andere, wie schnell es genau zu diesen subtilen Missverständnissen kommt.

Doch wenn es zu einem persönlichen Debakel kommt, bin ich ratlos. Da ist also offensichtlich etwas schief gelaufen. Die Stimmung war mies und wurde immer mieser. In solchen Situationen bin ich irgendwann immer so verwirrt, dass ich nur noch daran interessiert bin, die Sache ordentlich zu Ende zu bringen. Alle Aufmerksamkeit ist blockiert, ich will nur noch mit Anstand durch, durch, durch.

Und dann: Pure Ratlosigkeit. Weil solche Momente verletzend sind, ist natürlich der Reflex: „Aber ich hatte doch Recht“ oder „aber ICH wollte doch, dass es gut wird“ überdimensional. Gleichzeitig aber auch meine Bereitschaft, alle Fehler nur bei mir zu sehen: Weil ich mein Gegenüber entlasten will. Ich bin so: Ein Kratzer an geliebten Menschen irritiert mich. Aber an der Stelle gibt es ein Patt: Ich habe alles richtig gemacht und ich bin schuld. Tja. Und jetzt? Keine Ahnung. Geduld, das zumindest habe ich schon begriffen. Und Humor. Ich gehe jetzt erst mal mit einer Freundin essen. Und Prosecco trinken. Es ist schließlich Wochenende. Und die Sonne scheint.