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Teamwork

Als Texterin bin ich oft Teil eines Teams. Während ich für meine eigenen Hörbücher arbeite, bin ich für ein paar Monate Kopf eines solchen Teams. Und da stellen sich Fragen. Wie kann ich ein Team für ein bestimmtes Projekt auf eine gemeinsame Linie bringen – oder muss ich das überhaupt? Wie kann ich eigene Vorstellungen beschreiben ohne schon zu viel vorzugeben? Wie viel Spielraum lasse ich den einzelnen Mitarbeiter/innen? Ist Ausdruck wichtiger oder Perfektion? Welche Fehler kann ich zulassen – oder muss es aus Geld- oder Zeitgründen sogar – welche muss ich unbedingt wieder rückgängig machen? Eine für mich wesentliche Erfahrung: Es gibt offensichtlich zwei Typen (also mindestens): Menschen, die eine feste Vorstellung haben und ihre Arbeit dann als gelungen ansehen, wenn sie so geworden ist, wie sie es sich ausgedacht haben. Und Menschen, die zwar auch eine feste Vorstellung von ihrer Arbeit haben, jedoch mehr Puffer und Räume für Überraschungen einplanen, so dass am Ende etwas steht, dass nicht so geplant war, aber eben genau deshalb richtig ist. Und daraus ergibt sich gleich noch eine Erfahrung: Es ist wichtig, aber nicht unbedingt einfach, Kunden und Auftraggeber von der zweiten Herangehensweise zu überzeugen…

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Fake

Fake ist keine Lüge. Sondern etwas jenseits der Wahrheit. Eine Aussage, die es mit der Realität nicht so genau nimmt. Sondern ein eigenes Universum schafft. So hat meine Freundin Sieglinde neulich im Deutschlandradio die Fake-News charakterisiert. Aber es gibt nicht nur gefälschte Nachrichten. Auch im ganzen übrigen Leben wird mit Fakes gearbeitet. Wie hier, in der Inneneinrichtung.

Mir stellen sich die Haare hoch. Zugegeben: Wer nicht Kunstgeschichte studiert hat, mag mit den Achseln zucken. Was soll hier falsch sein? Und vor allem: Ist das wirklich so schlimm?

Um es vorweg zu nehmen. Ja. Es ist so schlimm. Und: Nein. Es ist nicht überheblich. Nicht marginal. Nicht aus dem Elfenbeinturm heraus argumentiert. Es geht nicht. Für niemanden. Und wer das erst verstehen muss, ist keineswegs dumm. Auch so genannte Intellektuelle müssen jeden Tag Neues lernen. Und sich nicht zu fein dafür sein, Unwissen zuzugeben.

Worum es überhaupt geht. Um das ausladende Bild an der Wand. Es ist eine Kopie. Für mich kein Problem. Der eigentliche Skandal liegt in der stillschweigenden Veränderung des Originals. Denn das war keineswegs wandfüllend. Sondern höchstens – sagen wir mal – 80 auf 65 Zentimeter. Der Maler lebte in den Niederlanden des 17. Jahrhunderts. Damals wurden solche Blumenbilder noch auf Holztafeln gemalt. Eine komplexe Technik war dafür nötig, Blumenmaler galten, wie andere Künstler, als Spezialisten in ihrem Metier. Ein Stillleben wiederum, wie diese Bilder von arrangierten Gegenständen, Blumen oder Lebensmittel heißen, hatten eine versteckte Botschaft. So schön, appetitlich und kunstvoll die Dinge des Alltags und die Luxussachen auch drapiert und gemalt waren: In allem steckte Vergänglichkeit und letzten Endes der Tod. Keine große Erkenntnis. Eher eine Banalität. Aber eine beklemmende. Dass die Bilder nicht riesig waren, verstärkte ihren Appellcharakter. Hier wird nichts heraus geschrieen. Es wird eher so nebenbei erwähnt: Wisse Mensch, Staub bist Du und zu Staub wirst Du zurückkehren. Hier liegt der Kern dieser Bilder. Nicht im Motiv. Und deshalb lässt sich ein solches Bild nicht über seine originalen Maße hinaus aufblasen. Es tötet die Intension. Es macht ein Zombie aus einem Kunstwerk, indem es seine Seele tötet. Und noch einmal. Ich halte das nicht für ein Luxusproblem. Die Welt ist so, wie sie ist. Wir tun uns keinen Gefallen, sie nach unserem Gusto zu verändern.

Das Foto stammt aus dem Internet.