another monday…

Nein. Ich weiß nicht, wer das Rennen gewonnen hat, der Kinderwagen oder das Känguru. Ich weiß auch nicht, wo meine LED-Schiene vom Regal bis zur Kasse geblieben ist. Zu Hause fehlte sie, auf der Rechnung zum Glück auch. Ich weiß noch viel weniger, wo die Gummiherzen und Gummifrösche geblieben sind, die eigentlich ein Geschenk für eine Freundin sein sollten. Es ist Montag. Am Besten nur noch Spülen und dann schnell ins Bett…

Humans are foolish

Je nachdem, wie die Stimmung gerade ist, mag diese Aussage Erleichterung oder Angst auslösen. Dumm, närrisch, unklug, albern – stimmt alles mehr oder weniger. Und es kann einen erleichtern, dass man nicht die oder der Einzige ist mit dieser Macke. Wenn es schlimm kommt, wird es gefährlich. Es kommt – egal ob man Nachrichten schaut oder sich in die Weltgeschichte vertieft – häufig schlimm. Und? Was machen wir mit dieser Erkenntnis?

Der 1948 in Japan geborene und in New York lebende Künstler Kiyomitsu Saito nimmt sich seit Jahren schon der menschlichen Dummheit an. Er seziert sie geradezu in seinen minimalistischen Zeichnungen, nimmt sie auseinander und setzt sie zu Formeln, zu Mosaiken, zu Statements neu zusammen. Sein Stil zwischen Comic-Figuren, plakativen Design-Entwürfen und formelhaften Zeichenstakkatos ist ernst und witzig zugleich. Die Bilder wirken spontan erdacht wie Street-Art – tatsächlich bringt Kiyomitsu Saito viele Arbeiten passgenau in Straßen, Höfen und Industriegegenden unter -, gleichzeitig minutiös ausbalanciert, wenn auch mit leichter Hand.

Man möchte meinen, einem Ethnologen zu begegnen, der seine Erkenntnisse in immer neuen Schautafeln notiert. Für Analphabeten? Für Aliens? Zum schnellen Memorieren? Man könnte auch an Haikus denken, jene Kurzgedichte aus Japan, die flüchtige Momente und ewige Weisheiten leichthändig miteinander verbinden. Und warum sollen Zeichnungen eigentlich nicht Gedichte sein? Lehrgedichte meinetwegen, denn Künstler/innen, die als Ethnolog/innen unterwegs sind, gefallen mir.

Seine ersten Ausstellungen hat Kiyomitsu Saito Ende der 1970er, Anfang der 1980er Jahre in Japan. Mit den „Foolish Forms“ tritt er 1993 erstmals in New York an die Öffentlichkeit. Er konzentriert sich auf Zeichnungen, daneben entstehen animierte Kurzfilme und Videos. Ansonsten gibt er wenig von sich preis. Dass er von 1990-95 an der Art Student League studiert hat, steht in seiner Vita. Ansonsten bleibt es still. So neugierig ich bin, so sehr imponiert mir diese Zurückhaltung auch. Denn sie wirkt sich auf meinen Blick auf seine Zeichnungen aus: Sie bleiben anonym und geben damit keinen Anstoß zur Diskussion. Sie sind eher wie allgemeine Statements, die mich dazu anregen, mit mir selbst ins Gespräch zu kommen.

„Weil Menschen Wörter haben, sind ihre Wünsche grenzenlos.“ – So lautet ein kurzes Statement zu der Serie „Wordroach“, aus dem die oben gezeigte Abbildung stammt. Ist das so?, fragt die Ethnologin in mir. Die Kunsthistorikerin beißt sich beschämt auf die Lippen. Und schweigt nach dem ganzen Gerede jetzt lieber. Auf flickr sind weitere Arbeiten von Kiyomitsu Saito zu sehen.

 

 

Sommerloch?

Es passierte ohne Vorwarnung. Von einem Moment auf dem anderen stand ich wie außer mir und betrachtete mich so beim Samstagabend-in-der-Wohnung-sein. Wäsche ist aufgehängt, Blumen sind gegossen, Arbeit für heute erledigt, gut erledigt, ich könnte zufrieden sein, den Feierabend einläuten, aber jetzt stehe ich neben mir, und frage mich, was ich da eigentlich mache. Nein. Ich habe nicht mal große Einwände. Es ist bloß, als ob der Boden plötzlich nur noch papierdünn ist. Alles was ich bin und was ich tue, ist in mir verankert. Nirgends sonst. Und: Die Ankerpunkte können jederzeit gekappt werden. Nein, Alkohol war nicht im Spiel. Vielleicht ein bisschen zu viel Kaffee. Es war auch nicht wirklich schlimm. Nur sehr befremdlich. Vielleicht bin ich einfach ins Sommerloch gefallen. Mir geht es gut. Vielleicht ist es eine Ahnung davon, wie durchlässig ein Ich ist. Vielleicht ist es einen Versuch Wert, noch durchlässiger zu werden.

Schwalbe, die Sommer macht

Es ist soweit: Sommer, wohin man schaut. Ferien. Laue Lüftchen. Eis satt. Wein und Kerzenschein. Küken auf den Seen und Ameisenautobahnen im Hof. Was soll ich sagen? ENJOY!

Gleichzeitig lieben

Mehrere Menschen im Herzen haben, hier begehren und dennoch dort treu bleiben – doch ja, ich glaube das geht. Zumindest kenne ich das. Ich habe es allerdings auch schon erlebt, wie eine große Verliebtheit von dem einen auf den anderen Tag erlosch und nicht nur nicht wieder zu beleben war, sondern sich in blankes Entsetzen wandelte. Gut, dass ich nicht geheiratet habe: das Einmal-Paar-Und-Für-Immer-Modell scheint nicht meins zu sein. Trotzdem habe ich Zweifel an der Gleichzeitigkeit. Weniger in guten als in schlechten Zeiten. Denn was passiert, wenn es eng wird? Wenn ich mich streite und unzufrieden bin. Wechsele ich dann vielleicht nur das Terrain, um wieder gute Laune zu haben? Oder kann ich überhaupt hier eine Krise haben und dort Schmetterlinge im Bauch? Ein Freund ist schließlich kein Projekt, sondern ein Gegenüber. Und muss man das Gefühl der Liebe immer gleich in eine Form gießen? Kann ich nicht auch ohne Konturen lieben. Einfach so. Ohne Absicht, Ziel und Sorge nach Antwort? Ein Thema, das  – so scheint es zumindest – gerade wieder ganz aktuell ist. Im Grunde auch eine zentrale Frage à la Gretchen. Aber ich weiß gar nicht so genau, wo ich darauf eine Antwort finden soll.

Sommerblumen

Jedes Jahr sehe ich andere. Das wird mir erst langsam klar, eigentlich erst, seit ich wieder mehr fotografiere. Wahrscheinlich stehen sie nicht jedes Jahr im gleichen Zyklus auf dem Feld. Mal ist das Wetter trockener oder feuchter, mal sind die Blumensamen anders geflogen oder Vögel haben hier oder da mehr weg gepickt. Wind wird eine Rolle spielen und viele Dinge, die ich mir gar nicht vorstellen kann. Auf den ersten Blick sieht alles aus wie letztes Jahr, aber dann ist doch einiges anders. So habe ich noch nie so weite Flächen Rosa auf dem Tempelhofer Feld gesehen wie gerade heute. Vielleicht auch, weil mir Rosa die letzten Jahre egal war und ich erst seit meinem Urlaub in Kalifornien wieder angefixt bin von dieser Farbe. Das ist schön zu sehen. Denn es zeigt einmal mehr, dass Jahreszeitenzyklen viel mehr sind als bloße Wiederholungen.