Auch so ein Thema, das mich immer wieder beschäftigt. Warten kann so fürchterlich sein! Es erscheint geradezu als der natürliche Feind des Alltags… Und das können ungeplante Wartezeiten sein, weil man selbst zu früh, zu spät, am falschen Ort ist. Oder, noch schlimmer, weil jemand einen warten lässt. Um zu zeigen, wer in diesem Moment gerade am längeren Hebel sitzt.
Warten widerspricht unserem Selbstwert. Wer auf sich hält, tut etwas: „Ich warte doch nicht, bis….“ höre auch ich mich sagen. Aber, ja, doch, wenn ich ehrlich bin, warte ich immer öfter.
Auch hier schleicht sich die Frage an: Ist es am Ende einfach nur mangelnde Energie? Nein. Es ist eher eine Erfahrung. Ich warte jetzt lieber mal, bis…, weil es sich manchmal zeigt, dass ich falsch mit meinen Prognosen liege, und es anders kommt, als gedacht. Oder weil es meist noch andere Dinge zu tun gibt, die vor dem „…, bis…“ zu erledigen sind. Ich möchte mich, je älter ich werde, vor allem nicht verzetteln.
Dingen Zeit geben, ihnen Raum lassen, Entscheidungen liegen lassen. Davor habe ich natürlich auch Angst. Was, wenn sich alles zum Schlechteren entwickelt? Sollte ich nicht besser was sagen, oder noch besser: etwas tun? Denn es gibt Dinge, die nicht aufzuschieben sind. Warten und Aussitzen sind verschiedene Haltungen. Letztere möchte ich nicht für mich entwickeln.
Simon Weil schreibt: „Warten ist handelnde Passivität des Denkens.“ Ein Satz, der mir gefällt, weil er einen Punkt trifft, den ich im Warten sehr genau spüre: Die Wachheit, die Aufmerksamkeit des Wartens. Denn auch im Nichtstun liegt – bestenfalls – eine Spannung, eine Konzentration, die, wenn ich mich da richtig erinnere, Gilles Deleuze mit dem Begriff „auf der Lauer liegen“ beschrieb. Auf der Lauer liegen, ja, das ist zum Beispiel genau der Zustand, aus dem heraus die Klunker entstehen –überhaupt erst auftauchen. Denn natürlich finde ich sie nicht zufällig. Ich schaue mich um.
Erst im Warten haben wir Zeit zu schauen. Und schauen kann einen retten. Ich denke immer öfter, dass ich Kunstgeschichte nicht studiert habe, um einen bestimmten Beruf zu ergreifen. Ich wurde Kunsthistorikerin, um meinem Blick eine Richtung zu geben. Und natürlich, um ihn zu schärfen. Heute würde ich sagen: beste Entscheidung. Übrigens eine Einschätzung, auf die ich ziemlich lange warten musste…









