Als Audioguide-Texterin besteht meine Aufgabe darin, Exponate zu beschreiben. Dabei galt früher, als ich anfing meistens: Je mehr Information, desto besser. Heute geht es eher um Spass. Oder um Dialog. Der dann darin besteht, die Hörenden mit Fragen zum eigenen Denken anzuregen. Was ich entsetzlich finde. Aber das ist eher ein persönliches Ding.
Ich denke oft über diese komische Arbeit nach. Es gibt nicht so viele Menschen, die regelmäßig solche Texte schreiben. Deshalb bin ich mit meinen Überlegungen dazu meist allein. Naja, seit es die K.I. gibt, kann ich mich mit ihr darüber „unterhalten“.
Und K.I. ist hier ja auch das große Thema. Weil es scheint, als könnten Texter*innen jetzt ersetzt werden. Und ja. Natürlich! Wir waren immer ersetzbar. Jemand im Museum hätte immer unsere Texte schreiben können. Nur ist Schreiben bekanntlich viel Arbeit, die (das habe ich oft genug zu hören bekommen) jede*r kann, aber hmmmm, keine Lust oder wichtigere Sachen zu tun oder dies oder das.
Tatsächlich gab es – aus meiner Sicht – fast immer eine Schieflage. Interessanterweise wird sie für mich erst jetzt sichtbar, wo die K.I. antritt: Jedes Artefakt, also jedes menschgemachte Ding, sei es Kunst oder Alltagsgegenstand, ist mehr, als alle Information darüber. Es ist ein Bild, für jeden Menschen eine andere Erinnerung. Es ist ein Prototyp, eine Idee. Es ist schön, abgeblättert oder kaputt. Es ist ein Meisterwerk oder ein drittklassiger Versuch. Es erschreckt uns oder macht uns glücklich. Es ist eine Stimme aus der Vergangenheit. Menschen haben es gemacht. Menschen bewahren und versorgen es in den Museen oder Archiven. Menschen schauen es an.
Es gelingt selten, diesen ganzen Zusammenhang beim Schreiben mitzudenken, also denken, nicht erklären. Die ganzen Aspekte als eine Art Folie für das Sprechen über die Exponate zu nutzen. Immer wieder höre ich die Frage: Wie können wir Museen attraktiver machen? Wie schaffen wir es, ein junges Publikum zu erreichen. Mir scheint, der Weg, uns immer mehr an die erklärten Zielgruppen ranzuwanzen, ist falsch, d.h. die Besucher*innen mit dem zu füttern, was sie erwarten. Oder mit dem, von dem wir denken, dass sie es erwarten. Ein Weg wäre, das Museum als Ort lebendig zu machen. Als eine Institution von Menschen für Menschen. Die tief in unsere Geschichte greift. Die bewahrt, was den Menschen vor uns wichtig war. Die Geschichten erzählt aus unserem Dasein auf der Erde. Übrigens auch von unserem Irrtümern. Nicht (nur) als Information, obwohl die natürlich wichtig ist. Sondern als verdinglichte Fragen für die Gegenwart oder die Zukunft. Als Anregung für die Besucher*innen. Nicht als abzuhakende Facts.
Wie das aussehen könnte? Ich denke weiter darüber nach. Vielleicht hat ja auch die K.I. noch ein paar Ideen im Speicher. Was denkt Ihr? Was fehlt in Museen? Was würdet Ihr Euch wünschen (egal, wie machbar es von heute aus scheint)?









