Nein, ich kannte David Hockney nicht persönlich. Ich kann mir außerdem denken, dass sein Leben kein Ponyhof war. 1937 im englischen Bradford geboren, kann es zum Beispiel nicht leicht gewesen sein, als schwuler Mann im Leben anzukommen. Auch wenn er als „Kreativer“ wohl mehr Freiheiten hatte – und auch, wenn er nach Kalifornien gehen konnte, um in eine damals schon tolerantere Gesellschaft zu entkommen.
David Hockney war ein durch und durch gegenständlicher Maler. Für einen modernen und später zeitgenössischen Künstler eine große Entscheidung, denn er konnte nicht nur mit seiner Komposition scheitern, sondern auch mit dem, was er darstellte. Zumal er immer sehr nah am eigenen Leben blieb. Und hier genau wird er für mich „glücklich“. Denn er schein ein Mann gewesen zu sein, der nah an seinen eigenen Gefühlen lebte. Das heißt nicht, dass er eine Drama-Queen war, dass er sich in den Mittelpunkt stellte, dass er in allem omnipräsent war. Von seinen kalifornischen Bildern, die gleichzeitig sein Coming out, aber auch seinen Durchbruch als Künstler darstellen, hm – nicht abgesehen – denn sie sind auch eher still und leise – aber sie waren natürlich eindeutig aus seinem Leben – also neben ihnen malte er sein tägliches Leben, d.h. Menschen, die er kannte, Familie und Freunde, Leute die ihn dafür bezahlten, aber auch solche, die er bewunderte. Stets mit offenem Herzen und offenen Augen. Er setzte sie in tolle Umgebungen, und wenn nur, vor großartig gedeckte Tische, als Maler, der auch Sinn für Stil und Mode hatte. Und nein, er machte sie nicht schöner, als sie waren. Aber sie füllen seine Bilder aus, sie sind da, stets als Boten eines individuellen, ganz eigenen Lebens. Dazu zähle ich übrigens auch die Porträts seiner Dackel, die er alle sehr liebte.
Seine Bilder sind streng komponiert, auf eine Weise kühl, obwohl er mit Farben nie sparte. Alle sind die klassischen Fenster in die Welt, auch hier verließ er nie den Weg der traditionellen Malerei. Aber noch einmal. Er war ein Mann, der Zugang zu seinen Gefühlen hatte, und vor allem zu seinem Glück. Er liebte die Natur, die Landschaft, gutes Essen, ein feines Bier, sogar Bayern, wie ich gestern gelesen habe. Er liebte die Maler vor ihm, er schaute von ihnen ab, zuletzt, auch wenn es sich beim Teppich von Bayeux nicht um Gemaltes, sondern um textile Kunst handelt, von einem großen Kunstwerk des frühen Mittelalters. Er stand bei jedem Wetter in der Landschaft, malte, später entdeckte er das Tablet als Möglichkeit, ohne die mühsame Vor- und Nacharbeit des Farbenkaufens, Mischens und Pinselauswaschens am Schluss seine Bilder weiter auf Papier zu bringen.
Aufhören war für ihn keine Option. Er hatte im Frühjahr noch eine große Ausstellung in der hinreißenden Londoner Serpentine-Gallery, mitten in der Stadt, und gleichzeitig mitten im Park. Man sah ihn in einem viel zu großen Sakko bei der Eröffnung, sehr klein und schmal neben seiner 70 Meter langen Variation des mittelalterlichen Teppichs als großes Panorama der Jahreszeitenwechsel im endlosen Kreislauf irdischer Existenz.
Für mich sind seine Bilder stets Erinnerungen an die Schönheit der Welt. Sie machen mein Herz leicht, und ich vergesse alles Schwere, was mir durch den Kopf geht oder was mich gerade an Kopfschmerzen, Müdigkeit, schlechte Laune zwickt und plagt. Das wird natürlich so bleiben. Sein Tod macht mich traurig, weil er ein so lebensfroher Mann war, wie ich wenige kenne. Ich freue mich, dass er mit der Londoner Ausstellung so ein feines Finale als Künstler hatte. Er ist – wie es heißt – im Kreis seiner Freunde und Freundinnen „eingeschlafen“. Was soll ich sagen? Happy End auf der ganzen Linie!









