Migräne (IV)

Ich hatte immer Schmerzen, und es war selbstverständlich, dass ich sie vor den anderen verberge. Es ist immer noch selbstverständlich. Wie kann man so selbstbewusst leben? Und warum sind Schmerzen in unserer Gesellschaft tabu?

 

Bald ist Advent!

Ich habe mir für die langen Adventssonntagsabende schon mal eine Menge Spass besorgt. Als Kind habe ich gerne Puzzles gemacht – und es dann ewig lange vergessen. Diesen Dezember werde ich mir ein paar gemütliche Abende leisten. – Ob man davon auch jünger wird?

Hurra, es geht wieder los!

Wenn auch fürs Erste – und dann noch eine sehr lange Weile –  im Kopf. Immerhin, der Flug ist gebucht und jetzt habe ich es schon mal ausgedruckt: Nächstes Jahr im Oktober geht es nach Amerika, und – was entscheidend ist – nach Los Angeles. Leider nicht die ganze Zeit. Die Reise startet in New York, die nächste Station wird Pittsburgh sein – mein Begleiter möchte zu gerne den Ruhrpott Amerikas sehen, ich eher die Geburtsstadt von Andy Warhol. Danach sind wir noch nicht ganz klar, auf Nashville, Tennessee haben wir uns geeinigt, was davor und danach kommt, ist noch nicht entschieden. Wir wollen mindestens eine Woche in New Mexico und Arizona verbringen – wir wollen nach Santa Fe, ich habe Sedona vorgeschlagen, wo Max Ernst eine Weile gelebt hat, und Roden Crater, da gibt es vor allem Landschaft und eine Installation von James Turrell. Und dann, jippieee! Los Angeles. Diesmal mit Übernachtung am Meer in Santa Monica oder Venice. Urlaub ist doch eine tolle Erfindung. Und am Ende ist es auch schön, sich lange auf den Urlaub zu freuen. Heute hatte ich zum Beispiel schon einen richtig aufregenden Abend.

Was ist ein schönes Buch?

So einfach die Frage, so variabel die Antworten. Schönheit ist nach wie vor ein heikler Begriff in unserer Zeit. Moderne und ihre Schwester Avantgarde haben sie in Misskredit gebracht: zu einfach, zu naiv, zu weit von jeglicher Realität entfernt. Über hundert Jahre später reiben wir uns manchmal die Augen: Wirklich? Schönheit kann mehr, als nur gute Laune machen. Sie lässt uns staunen. Und vielleicht hier und da die Nerven behalten, wo sie längst blank liegen.

Friends with Books ist eine Messe, die sich in den kurzen vier Jahren ihres Bestehens bestens etabliert hat. Dieses Jahr fand sie Mitte Oktober statt, 160 Aussteller/innen zeigten ihre Produktion ein Wochenende lang im Hamburger Bahnhof: knallvoll war es und beste Stimmung, soweit ich das beurteilen kann.

Was mich umgehauen hat: Wie inspirierend es ist, die Bücher zu sehen, die mit Sorgfalt und künstlerischem Anspruch gemacht werden. Kosten sind hier gerne Realitäten, die entweder in den Wind geschossen (also grandios ignoriert) oder mit einfachen und schlagkräftigen Improvisationen unterwandert werden. Übrigens fand ich das Publikum fast ebenso inspirierend wie die gezeigten Bücher…

Für mich eines der Highlights der Messe: „67-P“ von Claudio Pogo & Magdalena Wysocka. auf der hausinternen Webseite des Verlags (Pogo-Books) heißt es:

>A VISUAL JOURNEY THROUGH A TRUE DEEP SPACE ODYSSEY.
67-P IS AN ABSTRACT AND SUBJECTIVE VISION ON EUROPEAN SPACE AGENCY´S PHOTOGRAPHIC ARCHIVE OF THE WORLD FAMOUS ROSETTA MISSION.<

Klar. Wer ein Faible für Raumfahrt hat, ist mit dem Buch gut bedient. Auf 192 Seiten sind 143 Abbildungen zu sehen, alles Aufnahmen, die die europäische Raumsonde Rosetta nach ihrer verwackelten Landung auf dem Kometen 67-P gemacht hat. Schwarz-Weiß, konkret und abstrakt zugleich. Karge Landschaften ohne Luft, Wasser, Leben. Das Spannende liegt für mich genau in dem Widerspruch zwischen real und abstrakt – oder, um es anders zu formulieren: Hier habe ich zum ersten Mal begriffen, was mich an Fotografie und auch Malerei fasziniert: dieses Changieren zwischen da und und nicht da, zwischen belebt und fantasiert, zwischen Ort und einem Stück Papier (wahlweise Leinwand).

Die dem Buch zugrunde liegenden Fotos sind online einzusehen auf dem ESA image Archive. Eine Verwandlung „from science to art“ war laut eigener Aussage die Absicht der beiden Künstler Claudio Pogo und Magdalena Wysocka.

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Claudio Pogo und Magdalena Wysocka auf der Messe Friends with Books, Oktober 2018

Aus den gut 200.000 Aufnahmen suchten sie 143 aus und ließen sie auf Steinpapier drucken, was dem Buch eine eigene, „griffige“ Präsenz verleiht. Ein Ergebnis davon – Fotoaufnahmen unkommentiert hintereinander zu zeigen – ist (zumindest bei mir) die Wahrnehmung als „Bildgeschichte“, die ich mir mangels erklärender Texte selbst (und bei jedem Blättern etwas anders) erzähle. Wer mich fragt, ein perfektes Buch, mit auf eine einsame Insel zu nehmen.

P.S. Wenn ich das in meinem kurzen Gespräch mit den beiden richtig verstanden habe, ist 67-P für die nächste Runde der Schönsten Bücher der Stiftung Buchkunst nominiert. Ich drücke fest die Daumen!

Kleine Gesten

Ich könnte mir mal wieder ein Ohr abbeißen (haha, aber da muss die Evolution noch ein gutes Stück weiter…) – oder mir die Haare einzeln ausreißen (autsch, autsch, autsch, autsch…) – einmal mehr bin ich am Schluss eines langen Arbeitsmarathons übers Ziel geschossen, und habe mich auf den letzten Metern so verausgabt, dass ich jetzt erst mal mit einer fetten Erkältung im Bett liege.

Gut + wahr: Erkältungen zu bekommen, ist in dieser Jahreszeit kein Kunststück. Dennoch merke ich, dass ich immer wieder am Schluss langwieriger Anstrengungen über meine Grenzen gehe. Und mich dann für zwei, drei Wochen komplett schreddere. Wie doof ist das denn? Andererseits: gestern, in einem Gespräch mit einer Freundin, ist mir noch mal klar geworden, dass so ein „über die eigenen Grenzen gehen“ mir offensichtlich in den Knochen steckt. Einen „Schongang einlegen“ kommt für mich nicht in Frage. Auch gut. Aber in Zeiten zunehmenden Alters vielleicht nicht mehr die beste Lösung. Ich darf also einmal mehr zurück auf Los – und meine Strategien überdenken. Zeit genug habe ich ja…

Aber da gibt es noch was. Die grüne Wasserflasche zum Beispiel. Die habe ich am Freitag von einem wildfremden Mann bekommen, der gerade in sein Auto steigen wollte. Ich fuhr ihm auf dem Radweg entgegen. Beziehungsweise ich stieg gut zehn Meter vor ihm völlig erschöpft vom Rad. Ich war morgens nach Zehlendorf gefahren und jetzt, auf dem Rückweg, machte ich kurz vor dem Schöneberger Rathaus schlapp. Mir war heiß, schwindelig, und als ich Boden unter den Füßen hatte, dachte ich, dass der auch noch schwanke. Ich hatte den Mann gesehen, aber nicht weiter zur Kenntnis genommen. Wozu auch. Aber er sprach mich an, ob er helfen könne. Ehrlich, ich war völlig verdattert. Bei was wollte er mir helfen? Als ich gerade antworten wollte, „danke, alles Bestens“ knickten fast meine Knie ein. Hoppla. Muss ich eigentlich erst auf dem Boden liegen, bevor ich merke, dass was nicht stimmt? Er ist dann zurück in seine Wohnung gegangen und brachte die grüne Wasserflasche und ein Glas mit. Jaja, und dann die immer wieder neue Erkenntnis: Wasser hilft tatsächlich. Die Flasche ist mittlerweile leer, aber eine gute Erinnerung an das, was wir Menschen einander im Alltag sein können, wenn wir hinschauen. Und eine Erinnerung daran, dass ich immer wieder Glück habe, auch in vor der Hand unscheinbaren Momenten.

Die große Schlagzeile lautet:

Hartz IV soll weg. Das ist längst überfällig und insofern mehr als gut so. Für mich war das debattencamp der SPD vom vergangenen Wochenende mindestens drei Nummern kleiner, da ich keine Zeit hatte, an Diskussionen, Vorträgen oder Workshops teilzunehmen. Ich hatte mich als freiwillige Helferin gemeldet, und stand meist am Eingang, um Gäste in Empfang zu nehmen. Oder ich war in dem großen Funkhaus (ehemals Ost Berlin) unterwegs, um dort Leuten mit Orientierungsschwierigkeiten weiterzuhelfen. Was gar nicht mal häufig vorkam, eher war das Lesen des Programms ein Problem, denn sowohl Buchstaben, als auch Lageplan waren gefährlich klein gedruckt.

Für mich war die Erkenntnis des Tages (sorry, leider enorm provinziell): Berlin ist nicht Deutschland. Wir haben hier unsere Probleme – und natürlich ist es richtig, dass wir uns vor Ort darum kümmern. Aber es ist gleichzeitig sooooo wichtig, mit den Leuten aus anderen Bundesländern in Kontakt zu sein. Wir brauchen neue Horizonte nicht nur einmal im Jahr.

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Da staunt das Berliner Bärchen!

Es wird zur Zeit so viel von Heimat geredet – aber ehrlich: unsere Heimat ist eben auch Bayern (jajaja, liebe Berliner/innen), oder Thüringen oder Rheinland-Pfalz. A apropos Rheinland-Pfalz: Malu Dreyer ist eine der coolsten Personen, denen ich auf dem Camp begegnet bin.

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Malu Dreyer beim Imbiss in der Cafeteria

Die sauste mit ihrem Behindertenmobil derart souverän durch das Gewühl, setzte sich auch in die Cafeteria und war damit ansprechbar, das hat mir sehr imponiert und noch mehr gefallen. Ach ja, das (auf eine gewisse Art auch leidige) Thema Frauen – wenn ich das richtig erspüre, ist es kaum noch eins in der (zumindest jungen) SPD. Und zum allerletzten noch das: In der Vorbereitung bekamen wir auf den Weg: Keine Sonderbehandlung für niemanden! Und eins kann ich sagen: Geht doch. Indem wir alle mit der gleichen Freundlichkeit behandeln. Ist auch (um einen Slogan der – ich glaube, evangelischen – Kirche zu zitieren:) für die (eigene) Seele gut. Und damit einen guten Start in die neue Woche!

 

Eigentlich

wollte ich heute vom Debattencamp der SPD berichten. Ich war sechs Stunden dort als Gästebetreuerin, konnte also nicht bei den Debatten, Diskussionen und Workshops mitmachen, habe dafür aber eine Menge am Rand mitbekommen. Aber jetzt bin ich einfach nur platt. Zur Feier des Tages deshalb nur diese reizenden Jungs – und hoch die Tassen!