Vorurteile

Ich war heute in Dresden. Und habe dort eine Lektion gelernt. Gleich auf dem dicken Einkaufsboulevard ging es los. Überall AfD Plakate. Eins nach dem anderem. Alle hirnrissig und dann noch irgendwas mit trau‘ dich Deutschland oder so, dass ich diese Ofenhocker gut und gerne sofort in der Hölle wüsste. Zugegeben, auch Plakate von den Kommunisten. Und hier und da die Linke. Jaja, dachte ich, Dresden. Am Mittag ging es zum Eisessen ins Café. Dort dann gleich diese „typische“ Ost-Bedienung. Kommt nicht, wenn sie kommt, sagt sie, sie müsse jetzt erst noch mal weg und kommt dann wieder nicht. Und dann kommt sie und sagt, nein, das macht jetzt mein Kollege und dann kommt sie irgendwann doch, ach doch nicht mein Kollege (15 von 30 freien Minuten sind da schon um), dann kommt erst mal Besteck, dann zwei Getränke und ein Essen. Und natürlich müssen wir am Ende nach der Bedienung suchen, damit wir bezahlen können und warten und wieder warten. Pffff. Gleichzeitig sehe ich viele Gäste aus dem Ausland durch die Stadt laufen. Alles soweit schön. Wie in Berlin. Und plötzlich bleibt mir dann doch die Spucke weg. Bin ich nicht diejenige, die hier nach Vorurteilen Ausschau hält?

Kurz vor der Rückfahrt war ich in einem Supermarkt. Vor mir stand ein Junge, höchstens 12 und sagte zu seiner Mutter, dass es hier in Dresden ja so viele Fremde gebe. Da sei es zu Hause doch besser. Autsch. Dem Kind hätte ich gerne sofort feste in die Hacken getreten. Denn auch, wenn ich mich selbst gerade beim vorverurteilen ertappt hatte, diese Engstirnigkeit ist leider eben doch da (und woanders). Wir haben echt eine Menge zu tun. Alle miteinander.

Enge

An manchen Tagen hat man wenig Spielraum. Oder das Gefühl, von allen Seiten bedrängt zu werden. Wer frei sein will, muss mit Widerstand rechnen. Und Enge aushalten. Es wird schon wieder einen Ausgang geben. Denke ich und dann sehe ich so ein kleines Unkraut an der Hauswand mit leuchtend gelben Köpfchen (wo ich meinen doch gerade hängen lassen will). Alles klar?

Über Ausstellungen nachdenken

Oft genug fühle ich mich eingesperrt, kaum dass ich drin bin. Am schlimmsten ist es, wenn gepflegte Dunkelheit herrscht. Ich weiß. Viele Exponate hassen Licht. Aber dieses geheimnisvolle Aufleuchten der Exponate. Nö. Muss nicht. Vor allem nicht in Kombination mit Geräuschen, Musiken und was sonst noch seit Neustem akustisch in die Ausstellungsarena geschickt wird. Ich fühle mich gegängelt. Gut. Jajaja. Wir wollen nicht gegen den Strom schwimmen, weil viele andere auch unterwegs sind. Und die Kurator/innen haben sich oft was gedacht. Aber ich möchte hier und da auch was denken. Warum bleibt mir oft so wenig Platz? Schließlich bezahle ich (oft eine Menge) Eintritt. Ich schätze Helligkeit, Übersicht und Stille. Ich bin doch nicht in einer Achterbahn! O.K. Ich bin eine alte Schachtel. Vielleicht wollen andere was anderes. Aber gäbe es nicht Möglichkeiten, für alle möglichen Wünsche mehr Platz zu lassen? Ist es wirklich nötig, gerade Sonderausstellungen in immer engere Parcours zu zwängen. Ich denke nicht. Ideen?

Stroh im Kopf

Seit ein paar Monaten versuche ich, großen Arbeitsstress zu akzeptieren. Mir bleibt nicht viel anderes übrig, die Amerika-Reise war teuer und Schreiben ist nicht gerade eine Tätigkeit, mit der man reich wird. Also nehme ich mehr Aufträge an als sonst. Die Idee: Den Stress, der dabei „normalerweise“ entsteht, konsequent zu ignorieren. Also Überlastung als Normal-Null zu begreifen. Es ist ein Experiment. Und es ist eine Notwendigkeit. Ich merke: Es geht. Aber mich nicht stressen zu lassen, ist ganz schön schwierig. Und hoffentlich ein Anfangsphänomen. Es macht mich auch etwas ratlos. Denn so viel mehr Geld kommt bei alledem nicht raus und ich habe das Gefühl, einen großen Teil der letzten Wochen gar nicht mitbekommen zu haben. Was mir richtig dabei erscheint: Stress als weitgehend selbstgemacht zu begreifen. Oder auch: Das Chaos, das dadurch entsteht, auszuhalten. Wenn ich nicht dauernd frage, wer was schon wieder verdaddelt hat oder wie ich das jetzt bitte schaffen soll, ist schon viel gewonnen. Es scheint auch so zu sein, dass ich weniger darüber nachdenke, ob ich etwas kann oder nicht, oder nicht so gut oder vielleicht doch ganz sensationell. Was immerhin den Vorteil hat, weniger angreifbar zu sein. Im Kopf ist zudem ein Strohstrudel. Komischerweise nicht mal das schlechteste Gefühl.

Enjoy

Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen. Vielleicht ist es wegen meiner Kalifornienreise. Vielleicht ist es nur, weil ich älter werde. Aber der Sommer erscheint mir so hinreißend, so strahlend, als wäre es der erste meines Lebens. Und das, obwohl im Wetterbericht dauernd von Unwettern die Rede ist. Ich bin auch unendlich unter Termindruck. Vielleicht auch mehr denn je. Wer weiß. Am Ende ist es einfach diese Mischung? Aber ich sage es mir jeden Tag und will es zur Sicherheit noch mal klunkern: Genießt es! Der Sommer ist jetzt. Und in zwei, drei Wochen schon wieder vorbei.