Wenn ich mir die aktuellen Wahlplakate anschaue, fällt mir auf, dass es fast nur noch darum geht, Menschen ins jeweilige Wir (bzw. „Wir-sind-die-Richtigen“) zu ziehen. Es geht kaum noch um Ideen, um Pläne, ja, sagen wir doch ruhig „Utopien“. Wahltaktiken werden herausgegeben, es geht darum, Schlimmes oder gleich Allerschlimmstes zu verhindern. Es wird gewählt, als wären wir in einem Bruder-und Schwesternkrieg aller gegen alle.
Die aktuellen Aufgaben auch unseres Landes (Staat wagt man sich ja kaum noch zu schreiben) sind aberwitzig groß. Es geht um nichts weniger, als ums Überleben. Wir haben mit unseren Technologien so viel auf diesem Planeten vermasselt. Und wir kapieren noch immer nicht, wie heikel unsere Existenz geworden ist. Um das klar zu sagen: Ich habe keine Angst. Ich. weiß, dass wir alle miteinander klüger sein können, besonnen, optimistisch und vorausschauend. Nur gerade scheint es mir so, dass wir uns in Grabenkämpfe verheddern, statt uns auf unsere gemeinsame Existenzsicherung für die kommenden Jahre zu konzentrieren. (Klar, auch hier ist natürlich Ablenkung angenehmer, als der Blick auf das, was wirklich ansteht). Ich denke öfters an die mittelalterlichen Bilder von Narrenschiffen, in denen alle im selben Boot sitzen, sich aber nicht auf Kurs oder Sitzordnung einigen können, und so dem Spiel der Wellen ausgesetzt sind und im schlimmsten Fall das Schiff zum Kentern bringen.
Was bringt es denn, meine Benachteiligungen aufzuzählen, dazu alles, was mir vermeintlich zusteht, und den Splitter im Vorschlag der Anderen groß herausarbeite, während mir nicht auffällt, wie egoistisch meine Weltsicht ist, und wie groß der Balken in der Eigenen Wohlfühlblase auf andere lastet. Wir kommen auf eine Erde, auf der uns schon mal gar nichts zusteht. Natürlich gelten Menschenrechte und Gesetze, die weitgehend dafür sorgen, dass uns kein Schaden entsteht. Das ist, wenn wir historisch zurückschauen, unendlich mehr, als hunderte von Generationen vor uns hatten.
Wir als Menschheit haben im 20. Jahrhundert eine Menge falscher Entscheidungen getroffen. Das sage ich nicht aus Überheblichkeit. Menschen machen Fehler. Das wird sich auch nicht ändern. Aber wir haben uns damit in große Gefahr gebracht. Das gilt für das grundsätzliche Überleben. Aber auch für unsere kurzsichtige Vorstellung, nur die Richtigen hätten recht und eine Gemeinschaft Verschiedener sei unzumutbar.
Manchmal denke ich, ist es ganz einfach. Hinsetzen, tief Luft holen. Und den ganzen Groll geben alle Idiot*innen der Welt ausatmen. Daran denken, wie kurz ein Menschenleben dauert. Und daran, was hilft, die Welt einen besseren Ort zu machen.









