Tödlicher Respekt

Jede oder jeder, so scheint es, hat im Leben die eigenen Tragödien abzuarbeiten. Diejenigen, die einem immer wieder passieren, die sich wie ein sehr schlechter Running Gag durchs Leben ziehen.

Beim mir sind es Begegnungen mit Menschen, die auf der Kippe stehen, die mit sich und dem Leben hadern, um dann irgendwann den Tod zu wählen.

Bei jeder und jedem einzelnen habe ich mich schuldig gefühlt. Weil ich es hätte wissen können. Weil ich mehr für diese Menschen hätte da sein können. Dagegen steht die Wahrheit, dass man niemanden retten kann. Und dass es auch ein Zeichen von Respekt ist, die tödliche Verzweiflung eines Menschen anzuerkennen. Und entsprechend Abstand zu halten. Ich weiß, dass das stimmt. Aber ich kann nicht anders, als mich mutlos zu fühlen, angesichts dieser Hilflosigkeit.

Überraschung!

Ein Jahr lang habe ich „unser Haushörnchen“ jetzt nicht gesehen, und was habe ich mich gefreut! Dabei, das Hörnchen ahnt natürlich nix von mir und meiner Freude, wahrscheinlich sieht es mich hinter den Fensterscheiben gar nicht. Und ich freue mich. Wäre gut, denke ich, wenn ich auch für manche ein Hörnchen sein könnte. Soll ich mir jetzt so lustige Zipfel über den Ohren wachsen lassen?

Gas geben

Stellen wir uns eine kleine, von der Arbeit auf dem Land noch kleiner gebeugte alte Frau vor. Sie bringt das Heu ein, als ein weißer Luxuswagen auf ihren Hof fährt: der Fahrer, ein Kurier aus dem Haus Chanel bringt Stoffproben und Aufträge für die kurz bevorstehende Präsentation. Wir wissen, wie eilig das ist. Die alte Frau ist schlecht gelaunt. 10% Nachzahlung für das Finanzamt, dabei war die Steuer nur einen Tag (wenn ich das richtig verstanden habe) überfällig. Sie hat nur acht Tage Zeit für die kniffelige Arbeit, die Borten für die neuen Kleider zu fertigen. Nein, und nochmal nein. Die Heuernte hat Vorrang. Natürlich werden die Borten fertig. Mme Pouzieux ist schließlich Profi. Sie schläft die folgenden Nächte einfach weniger (zwei Stunden). Gefragt, ob sie Stress habe: „Ach nein. Ich glaube, dass man sich seine Grenzen selbst setzt. Man kann immer, immer weiter machen.“ Und dabei ist sie entspannt bis in die Knochen. Keine Hektik, kein Theater. Eine stille Nacht auf dem Land mit dem Wetterbericht aus dem Radio und einer Hauskatze als Zuschauerin.

Die Schönheit einer Zwiebel

Ich muss an Cézanne denken, der nicht Äpfel mit Birnen verglich, sondern Äpfel mit seinen Bildern. Ein Bild so schön wie ein Apfel. Und warum nicht auch mal: ein Text, so schön wie eine Zwiebel?