Halb voll, halb leer. Je älter ich werde, desto mehr scheint mir diese Einschätzung mein Leben, ja die gesamte Existenz zu beschreiben. Ständig habe ich mit Ideen, Vorstellungen und ganz einfach auch mit vielen vor mir liegenden Stunden zu tun, in denen große – oder auch nur erfreuliche – Möglichkeiten liegen. Ständig scheitern Dinge, es gehen Sachen kaputt, Türen zu und Menschen verloren. Es scheint mir, als hätte ich das Hamsterrad meines Midlife-Daseins verlassen. Der immer gleiche Alltag zerbricht, einmal, weil ich nicht mehr kann, zum anderen auch, weil ich nicht mehr will. Meine Perspektive weitet sich, während ich gleichzeitig auf einem immer schmaleren Grat zu stehen scheine.
Noch wertvoller, noch zerbrechlicher. Und dann auch wieder „scheißegal“. Zwischen diesen Polen bewege ich mich zur Zeit. Ein Auf und Ab, das allerdings weniger dramatisch ist als in der Pubertät, wo für mich stets gleich alles auf dem Spiel zu stehen schien. Dennoch passt die Welt mal wieder nicht in meinen Kopf. Alles, was ich mir zwischenzeitlich zugeschnitten hatte, um durch die Tage, Wochen und Monate zu kommen, sprießt und lässt sich nicht mehr bändigen. Die ganze Unordnung der Welt fliegt mir jetzt wieder um die Ohren. Und ich verstehe, dass jede Form des Zuschneidens nichts mehr bringen wird.
Das ist vermutlich auch ein Grund, weshalb ich hier in den letzten Monaten wenig gepostet habe. Mir scheint. als könne ich vieles nicht mehr „auf den Punkt bringen“ oder anderweitig einfangen. Vielleicht braucht es eine andere Form des Schreibens, um mit diesem wackeligen Zustand besser klarzukommen. Ich will das auf jeden Fall weiter probieren. Und die Klunker bleiben natürlich auch. Denn wenn ich etwas gelernt habe: So schlimm es auch kommt, kleinste Momente der Schönheit gibt immer wieder. Die möchte ich weiterhin teilen.









