50 Jahre lang waren keine Skulpturen von Constantin Brancusi in Deutschland zu sehen. Eine lange Geschichte, die damit begann, dass der junge Brancusi früh Kontakte zu amerikanischen Sammlern hatte, und damit viele seiner Werke nach Übersee gingen. Zudem hasste er Ausstellungen. Deshalb zeigte er am liebsten alles bei sich zu Hause, im Pariser Atelier, wo er auch wohnte.
Um sein Gesamtwerk dem französischen Staat zu übermachen, wurde er 1952 sogar französischer Staatsbürger. 1977 gab es dann eine einzige Würdigung seines Gesamtwerks in Stuttgart. Ansonsten blieb sein Nachlass in Paris. Dass er jetzt in der Neuen Nationalgalerie zu sehen ist, ist ein Coup besonderer Art. Denn das Centre Pompidou hat für Renovierungsarbeiten geschlossen. Damit tat sich ein schmales Zeitfenster auf, um Brancusi auszuleihen. Und dann auch noch das: Brancusi und Mies van der Rohe: Was für eine Offenbarung! Als wäre das Museum für Brancusi gemacht. So viel Platz, so viel Luft zwischen den einzelnen Exponaten. Von denen viele auf extra von Brancusi gefertigten Sockeln liegen, oder gleich – ganz ohne Sockel – auf den Schauflächen, ganz so als witterten sie hier schon ewig, in Raum und Zeit.
Schade, so finde ich, dass die Vorhänge weitgehend zugezogen sind. Brancusi selbst war vom Licht begeistert. Er fotografierte, später filmte er auch, und aus dem Material, das wir heute noch haben, geht klar hervor, dass er seine Arbeiten im Tageslicht sah. Er verstand sie nicht als abgeschirmte Kabinettstücke, sondern als Dinge im Leben. Und gerade, wenn das Licht Konturen verschwimmen oder die blank geputzten Bronzen aufflammen ließ, holte er die Kamera hervor. Licht war für ihn der Zufall, den er unbedingt als Mitspieler für seine Arbeiten akzeptierte. Leider ist das durch die Vorhänge nicht zu sehen. Aber!
Eine kleine Lichtecke wurde dann doch geöffnet, hin zur Matthäuskirche und dem Neubau von Berlin Modern. Und hier, an der Glaswand des Museums, bilden sich amorphe Formen aus Kondenswasser. Blasse, scharf konturierte Gebilde, die den weich geschwungenen Skulpturen Brancusis mehr als ähneln. Wer weiß. Vielleicht ist der Geist Constantin Brancusis gleich mit nach Berlin gereist und vertreibt sich die Zeit mit Glas-Graffitis… Was übrigens gleich ein Grund mehr ist, die fantastische Ausstellung zu besuchen.









