Gottvertrauen

Wer unsicher ist, kennt das Gefühl: Panik bitzelt plötzlich auf angesichts neuer oder unangenehmer Aufgaben. Der Kopf vernebelt, die Knie werden weich, im Bauch fühlt sich alles flau an. Und alle Erinnerungen laufen zu Situationen, die einst ungut ausgegangen sind. Nix zu machen. Die Angst ist da.

So wird das natürlich nix. Und auch dieser Gedanke (mit Angst wird es schon gar nix) schlägt wie ein Knüppel auf einen ein. Und jetzt?

Gottvertrauen war etwas, was ich mir als Kind nicht vorstellen konnte. Ein Wort für Erwachsene. Mittlerweile weiß ich mehr. Und das gilt mit oder ohne Gott: der Ausgang einer Sache liegt nicht allein bei mir.

Natürlich ist das nichts Neues unter der Sonne. Aber es gibt mir meine Leichtigkeit zurück. Ich tue meinen Teil. Und der Rest ist der Rest. – Das Sahnehäubchen (eventuell nur für Gläubige): So, wie es ausgeht, wird es gut sein. Im Guten wie im Schlechten. Allen einen besten Start in die Woche!

Begabung zum Glück

Glückliche Menschen werden häufig als harmlose Zeitgenoss/innen wahrgenommen, die die Tiefe des Lebens nicht ergründen und wie Haustiere gerne in der Sonne liegen und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen.

Vorsicht.

Glückliche Menschen können durch die Hölle gegangen sein. Sie müssen auch nicht unbedingt Optimisten sein. Vielleicht haben sie eine Begabung dafür, von sich absehen zu können. Oder sie haben eine unermüdliche Neugier, die sie immer wieder aus dem Kummer reißt.

Simone de Beauvoir soll eine solche Begabung zum Glücklichsein besessen haben. Eine Gelegenheit, nochmal in ihre Bücher zu schauen.

Traurigkeit

Manchmal ist eine Verletzung schon richtig lange her, aber ich bekomme immer noch keine Luft, wenn ich versehentlich daran denke. Ein Sturz ins Bodenlose. Mit dem fatalen Gedanken, dass es dann doch egal wäre, auch ein fieses Arschloch zu sein.

Nein. Es ist nicht egal. Auch wenn ich gerade den Grund nicht finde. Aber nur so oder so sein, weil es andere sind – das ist, nö – das ist zu wenig. Die bessere Entscheidung ist es wahrscheinlich, sich nicht zu verbeissen. Vielleicht einfach mal spülen gehen…

Dunkle Wolken

Der Tag heute begann kurios. Ich wurde wach. Schlief sofort wieder ein. Wurde nochmal wach mit dem Gefühl eines kolossalen Dachschadens.

Keine Schmerzen. Aber auch gar keine Orientierung. Ich griff zu den bewährten Mitteln: Kaffee, Rechner, Terminkalender, To-Do-Liste, heiße Dusche, kalte Dusche. Nichts. Ich bin wie zu Gast im eigenen Leben. Nein. So schlimm ist es nicht. Ich habe den Verdacht, einen heftigen Traum zwischen erstem und zweitem Wachwerden nicht zu erinnern, aber gleichzeitig von ihm durchgeschüttelt zu werden. Kennt Ihr das?

Der Eichhörnchenreflex

Ich kann es nicht lassen. Aber sobald die Blüte vorbei ist, sammele ich Samenkapseln. Ich stecke sie in Tütchen, Döschen und Briefumschläge für das nächste Jahr, um sie dann zu vergessen.

Und sonst so? Ein dösiger Sommer. Sanft. Lautlos. Draußen steigt der Feierpegel enorm an (ich wohne in Kreuzberg), im Hinterhof jedoch steht die Zeit. Seit Mai arbeite ich wieder Vollzeit. Aber auch hier ist fast alles stiller. Es fühlt sich an, als lebte ich auf einer Insel.

Verpflichtet auf Schönheit?

Es gibt die Regel, einen Ort so zu verlassen, wie man ihn vorgefunden hat. Nicht, dass sich alle daran halten. Aber die Idee ist nachvollziehbar.

Ich lese gerade das schmale Bändchen, in dem das Vermächtnis des mit 104 Jahren gestorbenen brasilianischen Architekten Oscar Niemeyer zusammengefasst ist. Als Architekt hatte er die Vision, die Welt zu verändern. Und zwar unbedingt zum Besseren hin. Was für ihn hieß, zu mehr Balance zwischen armen und reichen Menschen. Er war Kommunist. Für ihn stand der Kapitalismus ganz oben auf der Agenda von Dingen, die schlecht für die Welt sind.

Geld ist kein Maßstab. Das war seine Maxime (natürlich wusste er zu gut, dass Geld auf dieser Welt für vieles dringend nötig ist – Niemeyer war nicht naiv). Und da war er ein sehr unkonventioneller Kommunist. Denn er mochte Unterschiede. Die Idee, dass alle das Gleiche haben sollten, erschütterte seinen Schönheitssinn. Abwechslung ist notwendig. Schönheit ist kein Massenartikel (wobei wir wieder beim Kapitalismus wären).

Ich bin Kunsthistorikerin. Schönheit ist eine Qualität, deren Veränderung ich durch die Jahrhunderte beobachte. Liebe und Schönheit gehen stets Hand in Hand. Auch Hoffnung und Schönheit. Kunst wird immer wieder (auch Corona macht da keine Ausnahme) als „nicht systemrelevant“ eingeschätzt. Daran mag einiges sein. Denn Schönheit ist viel mehr, die Menschen – so auch Niemeyer – brauchen sie. Wie ist es, sich dem bewusst zu werden? Und wie ein Umwelt-Bewusstsein auch ein Schönheits-Bewusstsein zu entwickeln?

Nichtstun

Manchmal habe ich Meer-Menschen im Verdacht. Ich meine, wer einen Berg vor der Nase hat, will sicher raufkrabbeln. Aber ein Meer – da ist von vornherein klar: kannste knicken. (Oder man hat wirklich was Großes vor).

Also, gar nichts tun. Nur da liegen, sitzen, stehen. Wer tagträumen kann, ist natürlich auch im Vorteil. Wie ist es bei Euch? Könnt Ihr Nichtstun auch im Alltag? Fällt es Euch schwer? Braucht Ihr es regelmäßig? Wünscht Ihr, es zu können? Oder gruselt es Euch davor?

Tagträumen

Neulich habe ich gelesen, dass eine Neigung zum Tagträumen Intelligenz anzeigt. Das hat mir gefallen. Wie oft wurde ich als Kind angemeckert, nicht Löcher in die Luft zu gucken, sondern voran zu machen. Diese merkwürdigen Zustände sind mir geblieben. Wo ich gehe und stehe. Plötzlich fange ich an zu träumen. Wobei das dann nicht so ist, dass ich mich in einer anderen Szene sehe: Mit tollen Klamotten zum Beispiel, einem neuen Auto oder dem Richtigen Mann… – Es ist eher so, dass sich die Welt um mich in etwas anderes verwandelt. Eine Art Traum. Ein kleines Detail kann schon reichen, und ich verschwinde aus meinem Alltag. Meist ganz kurz. Aber wie neulich, kann es anhalten, und mich mitten am Tag auf einen durch Regen in ein Zauberland verwandelten Friedhof spazieren lassen.

Schwups

Im Regen gehen ist verpönt. Selbst im Sommer. Dabei – … Ich hatte Glück heute, und lief über die alten Friedhöfe an der Bergmannstraße als sich so ein leichter Dauerregen einstellte. Ich habe mich wie in einem Wunderland gefühlt. Von ferne waren zwar noch Autos zu hören, aber die Bäume sind längst so hoch gewachsen, dass von der Stadt (fast) nichts mehr zu sehen war. Grün in allen Schattierungen. Regen auf den Blättern, den Grabsteinen, in den Brunnen, auf der Wiese. Aufflatternde Vögel. Kein Fuxi. Danach einen starken Kaffee. Ein glücklicher Tag.