Glück

Auf Reisen jemanden treffen zu können, der oder die am Reiseort wohnt, das ist wirklich eine große Portion Glück. Und wenn der Zufall seine Hände im Spiel hat, erst recht. Denn wäre nicht meine Freundin Antje sehr spontan übers Wochenende nach Berlin gekommen und hätten wir nicht bei Pizza und Wein über meine bevorstehende Reise gesprochen, hätte ich nie und nimmer erfahren, dass Antje als Schülerin schon in den USA war und von damals noch eine Freundin über die Jahre gerettet hat, Dana, die jetzt in San Francisco lebt.

Und so bin ich mit Dana nicht nur prima essen gegangen. Wir sind auch Achterbahn gefahren. Etwas anderes kann man zum Autofahren in der Stadt nicht sagen. Fantastisch. Ein voller Mond am Himmel und mit Karacho (sie gab Gas und meinte nur „Autobahn Autobahn“) durch die Straßen. Die Brücke (natürlich) und Twin Peaks (Wow! Sie wohnt auch noch dort!) Heute geht’s ins Museum. Was soll ich sagen? Ich bin mehr als gespannt!

Was bleibt.

Oder: bleibt was? Wer eine Reise tut, kann hinterher was erzählen. Was war das Überraschendste, was ich erlebt habe? Was das Schönste? Was das Unangenehmste? Was ist unterschwellig passiert? Habe ich mich verändert? Neu kennengelernt? – Eine Überraschung: Meine kleine Wohnung kam mir größer vor bei der Rückkehr. Dafür habe ich keine Erklärung. Ich habe die Schwalben gehört und war froh, denn der Rest ist gerade nur Fernweh. Ich war viel mutiger im Urlaub als hier im Berliner Alltag. Das ist eine große Überraschung. Ich bin eine ältere (oder wie nennt man das?) Frau. Das kalifornische Licht ist einfach unerbittlich. Auch die Reaktionen der Unbekannten. Das ist vielleicht der größte Schreck. Das größte Geschenk: Es war wirklich eine Traumreise. Und jetzt bin ich wieder zu Hause und zumindest gerade eine Andere. Nicht nur angenehm. Aber zumindest so gar kein Alltag. Zum Glück ist Wochenende. Jetzt wird erst mal ausgepackt im guten alten Berlin.

Dornröschen

wohnte nicht hier. Dafür hat Marilyn Monroe ihre letzte Zeit hier verbracht, ein friedlicher Ort, heute zumindest. Auch hier duftet es. Auch hier scheint man mitten im Wald, wo doch nur ein paar Straßenecken weiter der Verkehr tobt. Ihr Villa steht gerade zum Verkauf. 6 Millionen – falls jemand Interesse hat… Das war gestern meine letzte Station. Heute ist es bewölkt. Eigentlich bestes Wetter, um abzufahren. Der Weg zum Flughafen hatte noch einige Tücken, aber jetzt ist alles gut. Ich sitze an Gate 150 (ich will gar nicht wissen, wie viele es insgesamt gibt) – und warte darauf, dass es los geht. 4 Bücher habe ich in den letzten zweieinhalb Wochen gekauft. Insofern bin ich gut bedient. Leider finden sich langsam immer mehr deutsche Reisende hier ein. Leider auch wahnsinnig gut gelaunt und laut. Wenn ich eins vor allem anderen nicht vermisst habe, dann das Gequatsche von lauten Deutschen. Na, willkommen zu Hause…

Das Beste zum Schluss

Der letzte Tag ist wie der erste: ein Museumstag. War ich in San Francisco vom De Young Museum hingerissen, bin ich es heute vom Getty Center. Das Haus ist eine Mischung aus Klagemauer und Filmkulisse, der Ausblick fantastisch und dazu angetan, Los Angeles zumindest ein wenig zu begreifen, bzw. zu begreifen, warum man als Europäerin so verdattert darin rumfährt. Ich habe hier einen wundervollen Klunkerring gekauft, den ich im Berliner Sommer tragen werde. Doch, es fällt mir irre schwer, von Kalifornien Abschied zu nehmen. Das Land hat mich glücklich gemacht. Ich hatte selten so sehr den Wunsch wieder zu kommen, wenn ich noch an einem Reiseort war. Hier zerrt schon heute die Sehnsucht an mir. Nein. Es wird kein schönes letztes Abendessen geben. Ein Ringen mit dem Koffer ist angesagt. Damit auch jede Muschel, jedes Stöckchen einen Platz für die Rückreise bekommen. So, jetzt genieße ich noch ein bisschen die Kunst und vor allem den wundervollen Duft. Und dann, pffff.

Historische Momente

Heute war der Los Angeles Pilgertag. Ich habe Mister Spock an seinem Grab besucht und dort Sternenstaub verstreut, dann ging es zur Thomas Mann Villa, in die ich mehr durch Zufall auch hinein gekommen bin (es wurde dort gearbeitet, deshalb stand das Haus auf). Ein schöner Ort übrigens, und wie es dort duftet! Überhaupt. Die Stadt ist durchzogen von Highways und breiten Boulevards und Avenues. Aber es riecht wie an der Küste Portugals. Und eigentlich noch süßer. Völlig begeistert bin ich von dem Haus, das sich Ray und Charles Eames in den 1040er Jahren gebaut haben. Was für eine gute Laune hier immer noch herrscht. Die beiden müssen viel Spass gehabt haben im Leben. Am liebsten wäre ich gleich ein paar Stunden dort geblieben, um die Stimmung dort aufzunehmen. Aber dann ging es doch an den Strand von Santa Monica (riesig) und am Ende noch einmal zu Mr. Spock, diesmal zu den Desilu-Studios, wo TOS gedreht wurde. Gracie, der Buckelwal aus dem vierten Star Trek Film ist auf die Studio-Wand gemalt. Sie blieb leider auch der einzige Wal, den ich an der kalifornischen Küste gesehen habe. Was mich berührt hat: Vom Eingang zu den Studios sieht man auf den Hollywood-Schriftzug hoch oben über der Stadt. Schön, dass ich das jetzt weiß.

Verloren gehen,

um dem Unbekannten auf die Spur zu kommen. So könne man es zumindest versuchen, habe ich heute gelesen. Ob ich das wirklich schaffe. Dauernd suche ich meine Sachen im Rucksack, im Koffer, im Badezimmer, auf dem Nachttisch. Was mir das ungute Gefühl gibt, immer noch zu nervös und auf eine Art zu sehr mit mir beschäftigt zu sein. Andererseits fühle ich mich immer noch wohl. Auch wenn Los Angeles noch einmal so ganz anders ist als alles, was ich in den Kalifornien bislang gesehen und erlebt habe. So eine ulkige Stadt. Ich fliege tatsächlich alle paar Minuten aus der Kurve. Vielleicht doch ein gutes Zeichen. Jeden Tag schlimmer wird nur das näher rückende Abflugdatum. Und eins weiß ich mit Sicherheit: Mir wird dieses enorme Licht fehlen. Denn auch wenn Berlin durchaus klaren Himmel und strahlende Sonne kann, dieses gleissende Licht von der Küste, die wirklich jede noch so banale Ansicht in surreale oder geradezu metaphysische Stimmung taucht, gibt es wohl nur hier. Na, morgen ist ja noch ein Tag…

Ich schaue Dich an

Was passiert, wenn wir uns anschauen? Nichts weiter als atmen, mag man manchmal denken, ich schaue Dich an, wenn ich mit Dir rede. Erst wenn ein Mensch, oder das Porträt eines Menschen durch die Jahrhunderte mich anschaut, wird mir wieder bewusst, dass wir uns anblicken. Oder dass die Augen als Fenster unserer Seele gelten. Wer verliebt ist, hat das sehr gegenwärtig. Wie lebendig, berührend oder aufwühlend das Augenspiel ist. Heute hat mich der Blick dieser jungen Frau erwischt. Und nicht mehr losgelassen. Wie schön es ist, uns in die Augen schauen zu können.

Reiseblues

Ich bin jetzt an der letzten Station meiner Reise angekommen. Irgendwo in diesem riesigen Los Angeles. Nein. Der Blues kommt nicht vom Himmelblau. Sondern von zwei unangenehmen Gefühlen. Dem ersten, hier doch sehr verloren zu sein und dem zweiten, bald wieder abreisen zu müssen. Das ist weiß Gott keine Stadt für fünf Nächte. Aber jetzt bin ich hier. Also schauen wir mal. Vielleicht sieht nach dem Abendessen alles wieder ganz anders aus.