Überforderung

Dieser Beitrag ist eine Art Wiederholung. Aber so ist das bei mir häufig. Ich erlebe etwas, bin platt, weil ich das so gar nicht erwartet habe. Schreibe etwas darüber in den Klunkern. Und ja. Vergesse es wieder.

Und dann erlebe ich es in so etwa noch einmal. Was, im Übrigen ein Glück ist. Selbst bei unangenehmen Sachen. Die Redundanz des Lebens. Nix Neues unter der Sonne. Schon wieder! Aber Hallo: Das braucht es offensichtlich, damit wir Primaten (darf ich auch Primatinnen sagen??? – haha, und was bietet mir HIER der Rechner an: Primadonnen, ich fasse es nicht!) elastisch bleiben. Aber das ist etwas anderes.

Überforderung ist, was ich meide. Wahrscheinlich bin ich da nicht allein. Überforderung steht vor mir wie ein Mammut. Oder wie ein Kreuzberger Säbelzahntiger. (Soll es hier wirklich mal gegeben haben. Stellt Euch vor: In der Bergmannstraße.) Ich bekomme Panik und möchte wegrennen. Kalter Schweiß in der Nacht. Wenn ich überhaupt schlafe. Nein, Halt: Wenn es gut geht, schlafe ich sogar. Der Trick ist: Ich lasse mich mit Haut und Haar auf die Überforderung ein. Ich sage, o.k. meine „liebe“ Überforderung. Wir zwei jetzt für die nächsten Tage/Wochen.

Dann habe ich Angst und lebe damit. Ich versuche keine Sekunde, sie zu verscheuchen, ich sage: o.k. Und dann mache ich mich an die Arbeit. Und wenn sie getan ist. Mein lieber Scholli: Das ist so ein gutes Gefühl. Als wenn ich fünf Zentimeter gewachsen wäre. Kein Stolz. Einfach mehr Platz. Und noch einmal, weil es so verdammt stimmt: Hilfe holen. Freund/innen fragen. Fachleute fragen. Meist ist man mit seiner Überforderung ja gar nicht allein. Und danach: Es ist kein Plagiat. Es ist Kooperation. Die ich im besten Fall ja auch wieder zurückgebe. Meine Freundin Sieglinde sagt dazu: Oft geben wir mit unseren Fragen unseren Gegenübern ja erst die Gelegenheit, über eine Sache nachzudenken.

Und weil ich endlich auch mal was über meinen neuen Rechner zum Jubeln geben möchte, den ich mittlerweile schon seit August habe und mit Freuden nutze. Was macht der, wenn ich das Wort Liebe schreibe? Er bietet mir folgendes an: ❤️ 💕 💗 Soll noch mal einer sagen, Maschinen hätten kein Herz! ❤️ 💜 💙 (= was er mir bei Herz anbietet).

 

Ein Ei legen

Keine Panik! Bis Ostern ist es noch ein Weilchen. Aber ich dachte heute, als ich am Schreibtisch saß, dass jeder Text irgendwie auch ein Ei ist, das gelegt werden will. Und da liegt es jetzt vor mir, knallweiß und noch stumm. Morgen nimmt es seinen vorbestimmten Weg und entpuppt sich als Flop oder als gute Arbeit. Ob Hennen auch stolz sind auf ihre Eier?

Ganz oft ist es tatsächlich so, dass ich einen geschriebenen Text gar nicht mir zuordnen oder kaum rekapitulieren kann, wie ich zu den Sätzen kam. Das Schreiben selbst ist fast wie eine Black-Box in die man geht und aus der man – fast wie unberührt – wieder herauskommt. Oder gibt es da andere Zustände, die ich nur nicht kenne?

Oft sind meine Texte klüger als ich. Zum Glück. Wahrscheinlich ermöglicht das Hin- und Herschieben von Wörtern eine Verdichtung von Inhalt, die ich so – sagen wir freihändig – im Kopf nicht hinbekomme. Wie oft weiß ich vorher nicht, was ich schreiben werde! Übrigens ein ziemlich unangenehmer Zustand – vorher. Aber eine gute Möglichkeit, sich selbst zu überraschen. Denn nichts ist schöner, als einen eigenen Text zu lesen, ohne die Pointe schon zu kennen… Und was macht Frau, wenn sie ein Ei gelegt hat? Glücklich gackern, im Sand scharren und dann schnell auf die Hühnerstange – schlafen gehen…

 

Der Drachen in der Orchideenblüte

Nein. Das wird jetzt keine Geschichte. Auch kein exotisches Märchen. Das ist bloß ein Urlaubsfoto. Mit Souvenir drauf. Der kleine Drachen ist aus Gummi. Er glitzert. Und wenn man auf seinen Höcker drückt, springt er einem davon. Das macht der bis heute. Aber natürlich nehme ich mir nicht mehr so viel Zeit, auf seinen Höcker zu drücken. Der Urlaub ist ja vorbei.

Wäre der Urlaub was anderes, wenn ich ihn fortan Ralubu nennen würde? „In den Ralubu fahren“ klingt jedenfalls auch nicht schlecht. – Merkt Ihr was? Ich bin müde. Ich steige jetzt besser schnell in einen Mutra mit Ralubu. Nix wie weg und gute Nacht!

 

Umformung

Ebendiese ordert man heute, wo man früher eine Dauerwelle bestellt hat. Ich war gestern beim Friseur. Und habe nicht schlecht gestaunt. Auch, als ich hörte, dass Lockenfrisuren schwierig abzubilden sind. Wenn Kund/innen mit Fotos kommen, ist oft nicht wirklich klar, was das werden soll.

Auch ich träume von Locken. Tatsächlich habe ich zwei. Eine links und eine rechts vom Gesicht. Leider benehmen sich beide umkalkulierbar. Meistens machen sie das Gegenteil oder stehen einfach nur vom Kopf ab. Was wirklich jeden Haarschnitt killt.

Während ich also die Haare geschnitten bekam, träumte ich von Umformungen. Gold wäre auch nicht schlecht. Am Ende hatte ich glatt geföhnte Haare. Wie immer. Weiterträumen oder abhaken?

Treiben lassen

Wenn mich eine Aufgabe zu überrollen droht, hilft manchmal nur noch, die Bremse zu ziehen. Indem ich jeglichen Fleiß über Bord werfe. Schaue, wo ich Abkürzungen finde. Denn bei Zeitdruck heißt es oft: weniger Arbeiten ist mehr, weil genug Platz für Einfälle bleiben muss. Und dann gibt es ein ganz wichtiges Detail: Auf andere setzen! Nicht alles alleine machen wollen. Das heißt konkret: früh genug überlegen, wer mir helfen kann. Bzw. wer Antworten auf Fragen hat, dich ich mir stelle. Und es ist kaum zu beschreiben, wie beglückend es sein kann, jemanden mit Antworten zu finden. Nicht, dass meine Arbeit damit schon getan ist. Aber ich weiß jetzt, wie es weitergeht. Und – doch, ist nicht übertrieben – ich freue mich schon, morgen früh wieder am Schreibtisch zu sitzen.

Lastenträger

Wahrscheinlich befrachten wir alles, was wir sehen, mit Erinnerungen. Diesen Stein habe ich aus Kalifornien mitgebracht. Komischerweise „trägt“ er vor allem den Sound der pazifischen Brandung, Licht und Wind. Dazu ist er mit einer weiteren Erinnerung beschwert: Ich besaß als Kind eine in einen Glaswürfel gegossene Muschel mit einer Perle. Ich war vielleicht fünf. Und mir war diese Muschel ein riesiger Schatz. Es war so etwas Magisches, dass eine Perle im Maul einer Muschel wuchs. Es war kaum zu glauben, aber ich hatte den Beweis bei mir im Regal stehen. Die Muschel war auch eine Verheißung: Irgendwo anders auf der Welt würde es aufregender sein, als bei uns im Reihenhaus in der Kleinstadtneubausiedlung. Keine Frage, der kalifornische Stein sieht aus wie eine abstrakt geformte Muschel. Die „Perle“ ist weiter am Rand als in meiner Kindheitsmuschel, aber genauso augenfällig. Und auch der Stein erinnert mich daran, dass es nicht nur Berliner Hinterhöfe gibt.

Wir sind, was wir nicht verstehen.

Die meiste Zeit des heutigen Tages habe ich über das Fremde nachgedacht. Dass wir Menschen offenbar Welt immer in „wir“ und „die“ unterteilen. Dass „die“ unberechenbar sind. Dass „wir“ aber gerne oft aus unserer Haut rauskämen. Bedeutet verstehen vereinnahmen? Gibt es etwas anderes als verstehen im Hinblick auf Erkenntnis des Fremden? Könnten wir jemals aufhören, Menschen in „wir“ und „die“ zu unterteilen? Können wir zumindest über „die“ mehr über uns lernen? Nicht-Verstehen ist eine Herausforderung. Ein Kontrollverlust. Dennoch. Was ich nicht verstehe, kann mich trotzdem glücklich machen. Als Überschuss. Weil es mehr gibt, als ich erwartet habe.