Wie gut ist das denn!?

Berlin hat Feiertag – Ha. Genugtuung steigt auf. Meine Familie wohnt in NRW, viele Freund/innen in Bayern. Was haben die immer Feiertage. Da kann die Berlinerin sich nur an den Kopf fassen. Die liegen in der Sonne, wir hocken am Schreibtisch. Dafür heute: Lach, Freu. Und dann klingelt um Neun das Telefon. Ein Kunde… Na gut. Die Sonne scheint. Gleich geht es mit Kuchen in den Hof. Und ja, was den Grund des Feiertags angeht: Nie wieder Krieg in Deutschland. Is‘ was, wo wir dran beteiligt sind. Ahoi!

Gewohnheiten ändern.

So wichtig Gewohnheiten sind – so unvermeidbar scheint es, sie gelegentlich zu ändern. Um frisch im Kopf zu bleiben. Um nicht einzurosten. Und so noch schneller alt zu werden, als Fitness und Workouts erlauben.

Wie sieht es aus? Hat jemand von Euch in den letzten Wochen Gewohnheiten aufgegeben? Neue entwickelt? Alte angepasst? Ich für meinen Teil habe den Mittagsschlaf eingeführt. Oder eher, ein halbstündiges Mittagsschläfchen. Ich kann nur sagen: es wirkt Wunder. Ich fühle mich 10 Jahre jünger. Und Ihr so? Ich bin gespannt, was sich tut.

Gesunkene Schiffe heben

Zwei oder drei aktuelle Zeitungsartikel, aber auch Gespräche mit Freund/innen, Kolleg/innen zeigen: Der augenblickliche Rückzug lässt bei vielen von uns Gedanken hochsteigen, die tief vergraben waren.

Aktuelle Alpträume sind sicher eine Reaktion auf die Unsicherheit, was kommen wird. Und auf die heikle berufliche Lage, in der die meisten von uns stecken. Doch ein Teil scheint auch dem veränderten und fast immer verlangsamten Rhythmus geschuldet, in dem wir uns gerade befinden. Ich zum Beispiel kann mich gar nicht mehr daran erinnern, wann ich das letzte Mal so oft mit einer Tasse Kaffee am offenen Fenster gesessen habe, um den Vögeln zuzuhören. Und das ganz ohne schlechtes Gewissen.

Dabei sind die Erinnerungen, die mir gerade in den Sinn kommen gar nicht neu. Aber sie sind intensiver. Es sind keine Bilder, wie sonst oft, sondern ich kann mich in der Erinnerung spüren, es ist, als ob ich die eine oder andere Situation wieder leibhaftig erlebe. Und das macht den Unterschied, denn ich durchlebe die Gefühle, die ich dabei hatte. Und plötzlich wird vieles sehr viel klarer, was ich mir oft gedacht hatte, was aber quasi unbewiesen blieb, weil es nur eine Idee war. Dabei sind diese – oft dunklen – Erinnerungen aber keineswegs quälend. Es fühlt sich vielmehr so an, als finde ich einen Schlüssel. Ein Mosaikstein zu einem Rätsel, das sich jetzt löst. Oder ein Schiffswrack, mit dem endlich die ganze Geschichte ans Licht kommt.

Zeit für Visionen

Nein. Der Arzt hat zu. Ich pflege meine Visionen ganz ungehemmt zur Zeit. Wenn schon alles anders ist als sonst, warum sollte nicht Platz für Unvorstellbares sein?

Immer wieder ertappe ich mich dabei, mir eigene Wünsche nicht zuzugestehen. Dabei geht es nicht unbedingt darum, etwas zu haben, als vielmehr darum, etwas zu machen. Viele Dinge mache ich in meiner Freizeit. Für mich. Für die Schublade. Aber irgendwie läuft die Schublade gerade über. Aufräumen bedeutet oft genug ja auch umschichten. Wie wäre es also, dieses oder jenes mal aus der Schublade ans Licht zu bringen? Was kostet schon die Welt?

Dieses tolle Foto habe ich heute beim Spaziergang um den Block gesehen. Ach ja, was ich gerade in meiner Nachbarschaft so finde! Und ich hatte gedacht, eigentlich immer aufmerksam zu sein (hahahihi…)

Zustände wie im sizilianischen Dorf

auf der Berliner Kreuzbergstraße dösen die Hunde in der Sonne…

Tatsächlich ist es für mich immer wieder überraschend, wie anregend für mich neue Szenarien im augenblicklichen Alltag sind. Ich habe fast schon ein Überangebot an alternativen Gefühlen (oder Befindlichkeiten) für mein tägliches Dasein, eigentlich wohl das, was man sich unter einem „Urlaub zu Hause“ vorstellt, auch wenn von Urlaub nicht ganz so viel zu spüren ist – mein Schreibtisch ist picke-packe-voll (eben auch mit viel unerledigtem Zeug von ewig her).

Auf persönlicher Ebene tut sich auch mehr als sonst. Ich habe einen alten Ferienfilm ausgegraben, und komme einer Begebenheit auf die Spur (mein Vater war damals betrunken in einem riesigen kanadischen See schwimmen gegangen, und blieb für Stunden verschwunden), die ich mit ihm vielleicht noch mal besprechen- und damit für mich auflösen – kann (was für eine Panik, wenn jemand verschwand, über Jahre noch…). Außerdem spornen mich gelegentliche Gitarrenkonzerte in unserem Hof dazu an, meine fast schon vergessene Gitarre wieder hervorzuholen.

Der Hase macht sich aus dem Staub

Und zwar wörtlich. Denn der Kreis, aus dem wir Hasi gerade herausspringen sehen, ist nichts anderes als ein sensationeller Staubkringel, der sich mal bei mir zu Hause rund um ein Stuhlbein gebildet hat, und für seine Schönheit erst auf den Kopierer musste und später sogar einen Auftritt in den Klunkern hatte.

Ich hatte einen endlosen Alptraum, episch, und tatsächlich in Spielfilmlänge (knapp zwei Stunden, ich habe kurz vorher und nachher auf die Uhr geschaut). Man könnte jede einzelne Szene verfilmen. So viel Aufwand hat sich mein Unbewusstes gegeben: meine Hochachtung für den/die dortige/n Setdesigner/in! Leider bin ich vor dem Ende aufgewacht. Ein Happy End muss ich mir also gerade selbst basteln.

Das allerdings passt zu meiner augenblicklichen Situation. Beruflich steht gerade einiges Kopf und ich muss mich zumindest für den Arbeitsmarkt neu er finden. Nein, das wird keine ganz neue Fassung meiner selbst. Ich ändere meine Tätigkeiten nur ein wenig, um in neue Formate zu passen. Neue Auftraggeber/innen zu finden. Ich mache das seit jetzt zwei Monaten mit viel Elan. Schließlich habe ich auch etwas davon. Aber ich merke, wie viel Angst ich doch habe. Ich alter Hase.