Himmel und Hölle

Und die Einsicht – je älter ich werde – dass (zumindest zu Lebzeiten) beides gleichzeitig ist, sich also keineswegs die Frage von „entweder/oder“ stellt.

Daraus ergibt sich einiges. Früher war es klar: sobald etwas schief ging, oder auch nur eine Unpässlichkeit meinen Alltag trübte, ging es nicht gut oder gleich schon schlecht. Die Einstellung dahinter: Wenn es gut gehen soll, muss alles stimmen. Heute lächele ich müde darüber.

Warum sich das geändert hat – und ob das bloß Ernüchterungen des Altwerdens sind? Vielleicht (und das wäre so etwas wie eine Hoffnung) hat es auch damit zu tun, nicht immer vom Leben etwas zu erwarten. Roger Willemsen fragt einmal über Rückblicke ins eigene Werden: „Wann wurde man nicht, der man hätte sein können?“ Eine erschreckende Frage, die, oft (oder auch früh) genug gestellt aber auch dazu beitragen kann, Himmel und Hölle nicht überzubewerten. Vielleicht.

Überraschung!

Und dazu noch eine richtig gute. Denn dass ich echte Papier-Post auf einen Blog-Beitrag übers Briefschreiben bekomme, damit hätte (und habe ich auch) nicht gerechnet! Statt Verträgen, Rechnungen oder Werbung tatsächlich mal handgeschriebene Post auf dem Büro-Schreibtisch: Wow! Das hat mir einen tollen Arbeitstag beschert und also: herzlichen Dank!

Tatsächlich überlege ich seit dem Blog-Beitrag wieder, mehr Briefe zu schreiben. Sicher nicht per Hand, denn meine Schrift ist gar nicht mehr zu lesen – selbst für mich nicht. Es geht ja auch (mir jedenfalls) um das eigene Denken, dass sich beim Schreiben unweigerlich einstellt. Und das durch den oder die jeweilige/n Adressat/in vorkonturiert ist. Weil ich nicht jedem oder jeder eine Begebenheit oder Gedanken gleich erzählen würde.

Also ein weites Feld, das sich da auftut. Und ja, was mir eben auch noch aufgefallen ist, wie sehr Papier-Post eben doch noch andere Möglichkeiten bietet, als nur zu schreiben. Es ist so schön, hier und da noch ein optische Extra zu finden. Also alles in Allem: Ein großer Gewinn! Bald ist ja Wochenende – vielleicht eine gute Gelegenheit, mal wieder zum Stift zu greifen. Ich schwöre: Die Angeschriebenen freuen sich wie Bolle!

Stabil und fließend

Als Kind schon hatte ich die Idee, später vielleicht nicht – also, jedenfalls nicht so in der üblichen Reihenfolge: Studium, Hund, Mann, Haus, Kinder, Segeljacht. Mit 30 fühlte ich mich als Looser, mittlerweile verstehe ich, dass ich tatsächlich nicht das Talent dazu hatte. Aber dafür vielleicht ein anderes.

Nämlich mehrere Stimmen zu haben (nein, nicht zu hören), und nicht dazu bereit zu sein, sich auf eine einzige Stimme samt Person (oder gar Persönlichkeit) zurechtzustutzen. Sicher bin ich mir nicht. Wer sich keine klare Identität zulegt, nicht mal zur Schauseite hin, kann natürlich auch eine Ruine sein. Und die Vielfältigkeit wäre da nur eine Unentschlossenheit. Aber vielleicht habe ich schon als Kind beschlossen, mich nie mit mir in Deckung bringen zu lassen.

Willst du mein/e Briefpartner/in sein?

Vielleicht gibt es am Ende keine innigere Liebeserklärung, als diese – vorab nicht besonders sexy klingende – Anfrage. Denn im Schreiben dessen, was ich sehe und erlebe, wie ich meine Zeit verbringe, um dann alles in einzelne Texte zu packen, die wie Überraschungen Absatz auf Absatz folgen, entspinnt sich vielleicht die intimste Art aller uns Menschen möglicher Kontakte. Ja, klar. Erzählen geht natürlich auch, und wer nicht lesen kann und schreiben, findet andere Formen, Singen vielleicht, Tanzen, von Berührungen ganz abgesehen.

Doch wer schreibt heute noch Briefe? Oder wo fände sich in einem dicht gepackten Alltag Zeit dafür? Ich habe gerade in Briefen gelesen, die Diderot an seine Freundin Sophie Volland schrieb. Über 500 sollen es gewesen sein, lediglich 170 oder 180 sind überliefert. Meisterwerke der Beobachtung, der Schreibkunst und der Liebe. Was mich besonders berührt: Von dieser Liebe getragen, werden alle Beobachtungen, jede noch so kleine alltägliche Begebenheit zu Wundern des Daseins. Das Herz öffnet Augen und Verstand. Und macht uns zu besseren Menschen. Also los, worauf warten wir noch?

Zwei sind nicht einfach nur mehr als eins…

Ich bin daran gewöhnt, vor allem berufliche Treffen alleine zu absolvieren. Da ich kürzlich unglücklich gestürzt bin, habe ich mir für zwei Events diese Woche eine Begleitung auserbeten: Wer fällt schon gerne bei einem Treffen mit weitgehend Fremden ins Buffet oder schlimmer…?

Und was für ein Unterschied!

Wer nämlich schon mit jemandem im Gespräch ist – und sei es nur die eigene Begleitung – wirkt offener und wird viel schneller von anderen angesprochen, als wer, noch so freundlich, alleine rumsteht. Es war für mich so eine angenehme Überraschung! Ganz davon abgesehen, dass ich mir so auch Redepausen genehmigen konnte, denn alles lief sehr angeregt ohne mich weiter, und ich stand nicht nur einfach schweigend herum.

Umgekehrt ist mir aber auch aufgefallen, dass mir im Doppelpack die Leute, die alleine gekommen sind, eher souverän vorkamen. Also viel cooler, als ich es mir selbst in so einer Situation vorgestellt habe. Werde ich mir merken, für das nächste Mal, wenn ich wieder alleine irgendwo stehe.

Es gibt so Tage,

tatsächlich oft Montage, an denen ich mit Realitäten konfrontiert werde, die ich gar nicht unbedingt kennen lernen wollte. Aber da fragt ja keine*r. Dann sind mir Menschen so was von fremd, ja sogar über. – Zum Glück gab es heute noch gute Überraschungen. Und ab Morgen hoffentlich wieder mehr hier auf den Klunkern…

Also gut, Pflaumen

Sie sind ziemlich klein und haben diese traumschönen roten Mäntelchen… Sie schmecken süß, zart, fruchtig, sie riechen so gut, dass ich sie eigentlich gar nicht essen mag (weil sie dann ja nicht mehr weiter duften können). Der Geschmack ist sehr fein, deshalb denke ich fast, es müsste eine Kreuzung mit einem anderen Obst sein, mit Mirabellen vielleicht? Kennt von Euch jemand diese Früchtchen? Ich wüsste einfach zu gerne, wie sie heißen!

Im Bienenschwarm

Meinen Vater zu sehen ist das Eine. Aber wenn ich zu Hause im Rheinland bin, übernachte ich bei meiner Freundin, deren Mann neben seinem Hauptberuf Imker ist. Vor dem Gästezimmer stehen viele der Bienenkästen und beim Aufwachen schwebe ich – zumindest akustisch – in einer Wolke fliegender Bienen. Und während ich mir viele Sorgen um den immer älter werdenden Vater machen, ist der Bienenschwarm das Andere: pures Glück.