Zurückgerudert

immerhin das. Aber das Entsetzen über die Wahl in Thüringen bleibt. Denn da wird versucht, wie weit es schon geht. Diesmal vielleicht noch nicht, ich wette, der nächste Versuch kommt sicher bald. Nächstes Jahr – wohl spätestens. Warum, frage ich mich, gibt es keinen Konsens mehr darüber, die Demokratie gemeinsam zu schützen. Es ist – scheint mir – fast so etwas wie ein Sensationshunger: Wie weit können wir uns sehenden Auges in die Katastrophe werfen. Als ginge es um eine Mutprobe. Das Dumme nur. Nach der Mutprobe ist nicht fertig. Nach der Mutprobe sitzen wir im Schlamassel.

Denk ich an Deutschland

Und das, was mich nicht schlafen lässt, hätte sich Heinrich Heine nicht mal träumen lassen. Atemraubend, wie schnell die AfD zur Normalität wird. Und ich sitze da als „deutsche Michaela“ mit verrutschter Nachtmütze und reibe mir die Augen.

Global!

Für alle die, die meinen, Deutschland könne – egal in welcher Hinsicht – sein eigenes Süppchen kochen, hier der Auszug eines Artikels, den ich gerade bei Spiegel-online gelesen habe. Es wird höchste Zeit, wieder klar zu denken! Auch ein Virus kann helfen…

Deutschland hängt am Tropf von Schwellenländern wie China, wenn es um die Versorgung mit lebenswichtigen Arzneimitteln geht. Einst nannte sich die Bundesrepublik „Apotheke der Welt“ – heute steht ein Großteil der Fabriken, in denen die Grundsubstanzen für Medikamente hergestellt werden, in China oder Indien. Die meisten Wirkstoffe – so genannte kleine Moleküle – sind nicht besonders schwer zu produzieren. Sie machen einen Großteil aller Arzneimittel aus, darunter fallen Blutdrucksenker, Schmerzmittel, Antibiotika oder Herzmedikamente genauso wie Antidepressiva, Chemotherapien und Betäubungsmittel. Sie werden fast ausschließlich außerhalb der Europäischen Union produziert.“

Holz schaut Dich an

Oder was sind eigentlich Party-Tomaten? Kurz: ein ungemütlicher verregneter Nachmittagseinkauf mit einigen Überraschungen – und einer tollen Second-Hand-Lederjacke für den Frühling…

Sammelsurium

Eigentlich mag ich klare Formen und leere Räume. Ich wohne in einer kleinen Wohnung und versuche, nicht allzuviel Kram anzuschleppen. Dennoch bin ich immer wieder überrascht, wie viel Mitbringsel sich überall ansammeln. Nicht, dass ich dauernd auf Reisen bin. Mitbringsel stecken auch schon mal nach einem Spaziergang im Park in der Manteltasche. Oder nach einem Besuch beim Flohmarkt. Ich verkneife mir das Meiste. Ich gehe im Grund auch gar nicht erst groß zum Trödel (manchmal lande ich eben versehentlich da). Ich bin auch keine „richtige“ Sammlerin. Ich bringe Zeug nach keinerlei sichtbaren Kriterien mit nach Hause. Klar, die Sachen müssen mir gefallen. Aber ich bin auf nichts spezialisiert, weder Gegenstände noch Farben noch Materialien. Die Idee, alles wegzuräumen, hatte ich noch nie, obwohl Staubwischen auf bestimmten Regalen eher die Hölle ist. Ungeahnte Schützenhilfe habe ich von Le Corbusier bekommen. Der als Architekt für eine sparsame Moderne, Stichwort „Wohnmaschine“ bekannt geworden ist. Le Corbusier nämlich sammelte wie wild. Die Objekte dienten ihm als Vorlagen für Zeichnungen und Skizzen, er stellte sie in immer wieder neue Zusammenhänge auf seine Fensterbänke und Regale von wo aus sie die Stimmung seiner Arbeit- und Wohnzimmer prägten. Die Freude an der schönen Form, das Staunen über das, was es gibt, in der Natur wie in dem Vom-Menschen-Gemachten spricht daraus. Wo er als Architekt die Leere propagiert, stattet er als Bewohner seine kargen Räume mit unendlich vielen Dingen aus. Ein Widerspruch? Erstens, warum nicht? Zweitens, vielleicht erst ergibt sich aus dem Zusammenspiel von zurückgenommener Architektur und überbordender Sammlung eine gute Balance, zumindest für Menschen, die stets auf der Suche nach neuen Ideen sind?

Die unsichtbare Grenze

Nichts neues unter der Sonne, aber es erschreckt mich immer wieder: Männer und Frauen atmen dieselbe Luft, bewegen sich in denselben Zimmern und leben doch in verschiedenen Welten. Ich habe gerade Jessie Gender bei YouTube gesehen. Sie erklärt dort die neue Star-Trek-Picard-Serie. Sie ist, wie man bei dem Namen vermuten kann, eine Trans-Frau und erzählt in einem anderen Video über ihre Geschlechtsumwandlung. Auf die Frage, ob sie diese Wandlung bereue, sagt sie unmissverständlich Nein, allerdings sei sie überrascht gewesen, wieviel weniger Respekt sie als Frau in der Öffentlichkeit bekomme. Das ist mir sofort eingeleuchtet, dass es für sie wahrscheinlich ein Schock war, wo ich möglicherweise schon Verbesserungen sehe, weil ich als Mädchen in eine Zeit geboren wurde, die für Frauen noch härter war. Und sofort fallen mir mehrere Begegnungen aus der letzten Woche ein, wo eindeutig Frauenfeindlichkeit oder zumindest Respektlosigkeit gegenüber Frauen im Spiel war. Ich staune, wie sehr ich es gewohnt bin, und dass ich solche Situationen schon gar nicht mehr richtig zur Kenntnis nehme. Nein. Das geht nicht nur an die Männer. Das geht an uns alle. Und vielleicht so: Respekt ist nicht das, was ich für mich erwarte, sondern das, was ich anderen erweise. Soviel Worte zum Sonntag…

Selbstverständlichkeiten

Um über die Arbeit von Künstlerinnen und Künstlern zu schreiben, oder besser: um nicht nur zu schreiben, sondern auch etwas Neues oder zumindest Wesentliches ihrer Kunst zu erfassen, braucht es festen Boden. Ich werde im Februar einen Artikel über die US-amerikanische Malerin Agnes Pelton schreiben. Heute Nachmittag habe ich begonnen, mir ihre Bilder in einem Katalog anzuschauen. Die einfache Frage, die ich mir dazu stellte (und keine Ahnung, warum ausgerechnet die) war: Was ist eigentlich Malerei? Natürlich gibt es eine Menge Antworten. Ein paar davon habe ich notiert. Zum Beispiel: Dass das Betrachten von Bildern immer in einem Wiedererkennen endet (und wenn nicht, ist es entweder frustrierend oder erst recht spannend). Ob mir von da aus etwas Interessantes zu Agnes Pelton einfällt. Mal sehen…

Das Foto zeigt keine Kunst. Es ist ein Platzhalter, weil ich auf die Schnelle kein rechtsfreies Bild von Pelton gefunden habe…