Repeat

Ein Leben hat, zumindest wenn man älter wird, sehr viel mit Wiederholungen zu tun. Die letzten Dezember- und die ersten Januartage bringen diese Erkenntnis – zumindest in den letzten Jahren – immer wieder auf den Schirm. Hm.

Wiederholungen haben Vorteile. Was ich das letzte Mal vermasselt habe, kann ich dieses Mal vielleicht auf einen besseren Weg bringen.

Sie erschlagen mich regelmäßig, wenn ich schon wieder den unerfreulichen Ausgang gewählt habe.

Manchmal drohen sie, mich zu langweilen (Achtung! nix ist zweimal wirklich dasselbe, da kann das Murmeltier noch so winken)

Heikel auch, wenn ich in der Wiederholung wieder den guten Ausgang wähle – ich halte mich für clever…

Besonders schön sind mir die Fast-Wiederholungen, die Variationen. Die machen mein Leben reich. Wie ein gut gelungenes Neujahrs-Brot zum Beispiel…

Der erste Tag im Neuen Jahr

war für mich so ein bisschen wie auf Zehenspitzen laufen. Hatte ich wirklich in den letzten Wochen vergessen, dass ich ja in Berlin lebe? In Berlin! Oder denke ich daran, dass das, was ich heute mache, … aber das ist doch nur Gerede… – Besser ein Brot backen.

Wissen, was man hat

Ich gehe pro Jahr meist nur ein bis zweimal ins Kino. Keine Ahnung – ich mache es gerne, und jedes Mal denke ich, „ab jetzt gehe ich öfter hin!“ Deshalb mag es komisch klingen, wenn ich sage: Ich vermisse die Kinos. Aber doch! Ich vermisse sie!!! Allein die Möglichkeit, abends nach dem Einkauf einfach aus dem eigenen Alltag abzuhauen, und sich in eine andere (größere) Welt zu träumen, statt zu kochen oder die Wäsche zu bügeln… und also ja: Hier fehlt mir was. Und großes Indianerehrenwort: Wenn sie wieder geöffnet haben, werde ich meine Besuche verdoppeln (mindestens!) – denn vor dem eigenen Bildschirm die großen (und wenn auch nur ausgedachten) Dramen zu schauen, ist viel zu öde!

Das neue Jahr

fest im Blick (mit immer noch steifen Rücken…).

Wie immer in den letzten Dezember-Tagen lasse ich auch dieses Mal das Jahr Revue passieren. Mir fällt ein und auf: Wahrscheinlich bin ich schon von klein an auf Zukunft geeicht. Egal, wie mies der Tag war, stets setzte ich auf eine neue Chance, eine neue Gelegenheit. Immer wieder denke ich: selbst festgesetzt am Schreibtisch bin ich wohl eher eine Abenteurerin: alles, was noch kommt, erscheint mir verheißungsvoll, egal, wie dunkel der Tunnel ist, in dem ich gerade stecke. Vielleicht mag ich deshalb die Jahreswende: Neujahr ist ein definierter Schritt in die Zukunft, und auch wenn das neue Jahr nur als knapp geänderter Zahlencode daherkommt, ist es eine – zumindest auf dem Papier – sichtbare Änderung.

Dennoch schaue ich vor dem Sprung in den Januar noch einmal zurück, und staune, wie gut es das Jahr 2020 es mit mir gemeint hat. Auch hier greift offensichtlich eine meiner inneren Vorstellungen, die besagt, dass selbst böse Überraschungen nicht die schlechtesten sein müssen. Oder anders formuliert: Jeder Neustart bringt zumindest das: etwas Neues. Und manchmal entpuppt sich dieses Neue sogar als Gewinn.

Schwerer – aber für Abenteurerinnen unabdingbar – fällt mir das Setzen neuer Ziele. Ich neige zur Tagträumerei, und ja, – …aber eben auch nein. Ohne Perspektive wird es irgendwann ein Getrödel (oder es fühlt sich zumindest so an). Also überlege ich, auf welchen Stern ich Kurs halten soll für die Nummer 2021. Dreieinhalb Tage bleiben mir noch. Auf das Ergebnis bin ich gespannt…

Da tanzen die Bäume

Ja, jetzt hat mich die Weihnachtsstimmung doch gepackt. Schon letzten Mittwoch wurde es in den Büros merklich stiller. Seit gestern kommen nur noch Grußkarten und beste Wünsche fürs Neue Jahr. Außer noch was zu Essen kaufen habe ich keine weiteren Termine. Puh.

Hoffnung kommt in die Welt – Licht in die Finsternis. So lautet die Frohe Botschaft. Nichts dringend nötiger als dieses Jahr – jedenfalls für uns hier im fetten Westen. Wo ist meine Hoffnung, mein Licht? Rechner an und ein bisschen rumzappen reicht wohl nicht, um meine Antwort zu finden. Hoffnung und Licht sind vermutlich nur andere Wörter für Liebe. Wen habe ich in letzter Zeit vergessen, links liegen lassen, vielleicht sogar schon abgeschrieben? Wer hat mich enttäuscht? Wo habe ich mich verletzt abgewendet? Wo geht noch was?

Wenn mir eins in diesem Jahr klar geworden ist: so bekloppt, dumm und egoistisch Menschen sein können – sie sind auch groß und wundervoll. Mal davon abgesehen, dass sie so sind, wie sie sind, und wir alle nicht gut aus unserer Haut können: Ich möchte meine Hoffnung über die nächsten Tage wieder ein bisschen zusammenflicken. Denn nur mit ihr komme ich vermutlich gut durch das kommende Jahr. Gesegnete Weihnachtszeit…

Luft holen und

Ich habe gut Reden. Während andere gerade ihre Weihnachtstage organisieren, lehne ich mich zurück – ich muss arbeiten, da sind keine Feiern drin, Punkt.

Doch, ja, es irritiert mich, welchen Stellenwert die Feiertage für viele haben. Wieso ausgerechnet ein christliches Fest? Aber dass es so eine Art Jahresausklang ist, ein gemütliches Beisammensein in der Familie, das im Alltag oft gar nicht stattfinden kann, ja, klar. Wer keine Familie hat, ist da vielleicht bloß nicht so affin.

Den Jahresausklang spüre ich schon. Und den Wunsch, dieses Jahr noch einmal Revue passieren zu lassen. Oder einfach mit einer Tasse Kaffee auf dem Sofa hängen zu bleiben, um – gar nichts zu tun. Doch das ist gar nicht so einfach, denn wie immer, wenn sich die Arbeit türmt, gerate ich in den Rennmaus-Modus. Sobald ich eine Sache erledigt habe, greife ich zur nächsten. Deshalb war es gestern richtig schwierig, mal auf dem Sofa sitzen zu bleiben, wo doch… – und als ich aus dem Fenster schaute, war unser Haushörnchen wieder da!