Freiheit

ist in jedem noch so eng gepackten All-Tag. Warum tun wir immer so, als wenn es nicht so wäre. Oder als wenn gerade wir so gestresst seien, diesen Moment nicht zu finden? Zumindest eine berühmte Zigarettenlänge. Eine Freiheit, die ich mir nehme (auch ohne Glimmstängel).

Transit

Im Büro ist eine neue Einrichtung fällig. Meine beiden Kolleginnen und ich, Nutzerinnen einer gemeinsamen „Koje“, müssen Tische besorgen. Und? Drei Frauen, drei Tische, drei Herangehensweisen. Soweit, so undramatisch. Was mir auffiel, dass mir ein Büro eher eine Art Transitraum ist. Ich komme dort mehrmals die Woche hin, um zu arbeiten. Während andere eher ein zu-Hause-Gefühl haben, das heißt, das Büro ist für sie eine Art ausgelagerter Wohnungsteil. Unterschied: Mir ist es eher egal, auf was für einem Tisch ich im Büro arbeite. Andere haben da höhere Ansprüche. Natürlich lässt sich das lösen. Wir sind von der ursprünglichen Idee abgekommen, ein Modell für uns alle zu besorgen. Statt dessen haben wir uns auf die nötigen Maße geeinigt. Mittlerweile steht mein Tisch, der auf dem Foto noch – zumindest das Untergestell – verpackt zu sehen ist. Morgen ist mein erster Tag mit/auf neuem Tisch. Ich bin gespannt.

Oh!

Frau Jaeckel war gestern Abend sehr müde. Da hatte sich das A erboten, als erster in der Reihe der Buchstaben mal was zu klunkern. Und dann krachte die Internetleitung zusammen… Dennoch, war so nett, wird heute nachgereicht, weil: Oh! Wer hätte das gedacht: Buchstaben sind gefräßig. Zumindest wenn sie als Graffitis auf den Wänden hocken. Schaut mal bei  Mallybeau Mauswohn vorbei! Viel Spass und einen guten Start in die Woche.

Muss Schreiben kreativ sein?

Ich schreibe jeden Tag. Meist für Geld. Da gilt es Termine einzuhalten, Perspektiven zu finden, Meinungen zu generieren und so nah wie eben möglich an der Wahrheit zu bleiben. Die meisten Texte, die so entstehen sind keine Literatur. Es sind Gebrauchstexte für Zeitungen, für wissenschaftliche Publikationen, für Audioguides oder andere Hörerlebnisse. Nicht zuletzt für die Klunker. Ich muss dafür eine Menge Ideen haben, aber noch mehr Hintergrundinformationen. Die Texte müssen verständlich sein. Subjektivität ist nicht gefragt. Originalität bitte nur in Maßen. Schließlich bilde ich Realitäten ab, manchmal auch Fiktionen in Form von Bildern oder rezensierten Büchern. Die Leser/innen sollen auf den ersten Happs verstehen. Wer einen Satz schreibt, der auch nur den Verdacht aufkommen lässt, erst beim zweiten Lesen verstanden zu werden, wird meist von der Redaktion gestrichen (und also schreibe ich ihn schon gar nicht – s. Termine). Kurz und gut: Ich grübele nicht am Schreibtisch. Ich spiele Puzzle. Und am Ende des Tages sind Texte fertig, die aus bereits Vorhandenem etwas Neues (was die Perspektive oder die Gewichtung angeht) machen. Oder es sind eben auch mal nur neue Texte.

Ich kenne keine Zustände dichter Kreativität oder authentischer Impulse. Ich kenne lediglich glückliche Momente im Schreiben selbst, im Vorwärtskommen, im Rhythmus, in der gelungenen Abfolge von Bildern, plötzlichen Schnitten, Wendungen, Pointen, passenden Vergleichen. Selbst wenn ich etwas beschreibe, was ich zum ersten Mal gesehen habe, ist es nichts Neues, sondern der Umgang mit Vorhandenem. Ja, natürlich. Ich bin keine Dichterin. Aber ich habe den Verdacht, dass die Unterscheidung nicht so grandios ist, wie angenommen. Ich habe vielmehr den Eindruck, dass das Schreib-Handwerk dasselbe ist. Die Auswahl der Texte, bzw. dessen, was ich oder jemand anderes schreibt, ist nachrangig, oder, um es platt zu sagen, egal.

Autsch. Ich weiß. Es tut weh, aber es ist – zumindest aus meiner Sicht – die Wahrheit. Schreiben ist nicht besonders authentisch. Schreiben ist nicht innig. Nicht intim. Schreiben ist ein Jonglieren mit dem, was ist. Und, um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Ich bin auch. Journalist/innen, Sachbuchautor/innen, Studierende, wahrscheinlich auch alle Geisteswissenschaftler/innen schreiben so. Einfach weil das, was sie zu Papier bringen, mit dem, was es schon gibt, übereinstimmen muss. Egal, wie brillant eine Idee ist, sie muss sich anbinden lassen. Und das geht nur im genauen Nachbuchstabieren, was ist. Sonst haben wir es schon: das Plagiat.

Denn „unkreativ“ schreiben ist keineswegs bloß „copy and paste“. Die Kopie muss eingepasst werden. Jede/r Texter/in weiß, dass fast jeder bloß einkopierte Satz im strengen Lektorat auffliegt. Soweit es strenge Lektorate überhaupt noch gibt. Und wenn auch die Dichter/innen Bestehendes einbinden? Nun, irgendwie muss es doch einen Zugang zur Realität geben, wenn Texte nicht bloß reine Fantasien bleiben wollen. Was ist gegen ein Buch aus lauter Wetterberichten einzuwenden. Das Wetter jedenfalls kann nicht reden. Und wer Wetter mag, so wie ich, wird sich wahrscheinlich nie an solchen Berichten satt lesen können. Nein. Die Diskussion geht natürlich viel weiter. Aber mir scheint: 1. Kreativität wird heute überbewertet (und gleichzeitig miserabel bezahlt). 2. Schreiben ändert sich wie andere Kulturtechniken. Was soll daran schlimm sein. 3. Unkreatives Schreiben ist möglicherweise mehr Menschen zugänglich als kreatives. Ich meine: Willkommen im Club! Je mehr, desto bunter und desto besser.

 

 

 

 

 

Make the world a better place

Heute morgen habe ich gelesen, dass es in Australien ein Restaurant gibt, in dem Frauen für ihre Bestellungen 18% weniger zahlen als Männer. Weil sie im Schnitt in Australien 18% weniger verdienen als ihre Kollegen. Mir hat das gefallen. Weil es eine Ungleichheit sichtbar macht, von der hier alle so tun, als gäbe es sie nicht. Natürlich würde sie neue Ungleichheiten nach sich ziehen. Dennoch: Schon die Idee macht gute Laune. Und das Gefühl: irgendwas geht immer. Wir müssen weiter dran bleiben.

Blau

Blau ist die Sehnsuchtsfarbe schlechthin. Auf diesem Foto ist schön zu sehen, wie auch die Berge blau werden, wenn sie weit genug entfernt sind (und es geht noch viel blauer). Ich bin vor Sehnsucht ganz durchlässig. Ich wünschte, ich könnte leicht werden wie ein Geist und durch die Nachtluft den Flug noch einmal machen, der mich im Mai nach Kalifornien brachte. Und ich denke, dass ich lange kein Land so geliebt habe, und dass es natürlich komisch ist, ein Land zu lieben, aber dass es vor mir anderen Menschen auch schon so gegangen ist. – Den alten Nussbaum von meinem Opa habe ich auch geliebt. Er wurde im letzten Winter gefällt, weil er dummerweise im Neubaugebiet wurzelte. Ich war im Herbst das letzte Mal bei ihm. Er trug gerade Früchte. Und gestern habe ich es gesehen: Drei kleine Nussbäumchen lugen aus meinen Blumenkübeln im Hof hervor. Noch ein wenig versteckt von übergroßer Pfefferminze, von riesigen Geranien und anderen Wucherblumen, aber da. Der alte Nussbaum hat fürs Erste überlebt.