Sammeln?

Ein weites Feld. Und eine Trennlinie. Denn niemand sammelt nur „ein bisschen“. Hier gilt: Entweder – Oder. Deshalb wird – wenn auch spaßeshalber – von einem „Sammler-Gen“ gesprochen, dem ein ebenso augenzwinkerndes „Wegwerf-Gen“ gegenübergestellt wird.

Manch‘ heimliche/r Sammler/in mag von vornherein von der Erkenntnis abgeschreckt worden sein, nicht genug Platz zu haben. Denn wer anhäuft, muss Raum zu genüge haben. Oder zumindest Speicherplatz: Digitale Sammlungen nehmen sprunghaft zu. Musik, Filme, ja, auch die eigenen Fotos – zum Beispiel.

Sammeln hat aber nicht nur etwas mit Lagern zu tun, sondern auch mit Zeigen. Und ist damit eine durchaus kommunikative Tätigkeit. Jedes Stück hat seine Geschichte, die erzählt werden möchte: Sei es die Erwerbs-Geschichte, die eng mit dem Besitzer oder der Besitzerin verknüpft ist, oder die eigene Geschichte in der Welt: Was bin ich eigentlich? Wozu wurde ich hergestellt, wann, wo? Braucht es mich noch? – und vieles mehr.

Ich bin das, was es eigentlich nicht gibt: Eine Gelegenheits-Sammlerin. Hin und wieder picke ich einen Gegenstand, um ihn in meine Wohnung zu integrieren. Erinnerung spielt hier eine große Rolle. „Souvenirs“ wäre wohl die passende Bezeichnung für meine Mitbringsel. Vollständigkeit strebe ich nicht an. Zumal ich weiß, dass keine Sammlung je fertig wird – zumindest wenn es sich um nicht-kommerzielle Sammlungen handelt. Zahlreiche „Zwei-Stück-Sammlungen“ in meinem Besitz zeugen davon. Und Ihr so? Sammelt jemand? Oder versucht jemand seit Jahren, von der „Sammel-Wut“ loszukommen?

Mehr Licht

wirklich?

Im Winter ist mir das künstliche Licht –

Ich nutze es ununterbrochen. Selbst jetzt am Morgen, wo ein heller Himmel leuchtet, sind fast alle Lichtquellen in meinem Arbeitsraum an.

Bei Nachtflügen sind die erleuchteten Städte für mich ein Extra.

Und erst die Lichter einer kleinen Ortschaft, oder auch nur die eines einzigen Hauses, wenn ich im Dunkeln unterwegs bin – was selten passiert, meist auf Reisen.

Licht ist mir Trost, Antrieb, gute Laune.

Dennoch spüre ich, dass wir langsam übertreiben.

Uns die Dunkelheit ausleuchten.

Und sie dann vergessen.

Kann nicht gut gehen. Oder?

Rufe nicht

Lege den Finger auf den Mund.

Rufe nicht.

Bleibe stehen am Wegrand.

Vielleicht solltest du dich hinlegen

in den Staub.

Dann siehst du in den Himmel

und bist eins mit der Straße,

und wer sich umdreht nach dir

kann gehen als lasse er niemand zurück.

Es geht sich leichter fort,

wenn du liegst als wenn du stehst,

wenn du schweigst als wenn du rufst.

Sieh die Wolken ziehn.

Sei bescheiden, halte nichts fest.

Sie lösen sich auf.

Auch du bist sehr leicht.

Auch du wirst nicht dauern.

Es lohnt sich nicht Angst zu haben

vor Verlassenheit,

wenn schon der Wind steigt

der die Wolke verweht.

Das Gedicht stammt von Hilde Domin. Ich habe es heute morgen noch vor der Dämmerung gelesen. Weil die Angst mich nicht schlafen lässt und ich mich nirgends festhalten kann in meinem Leben. Aber wo haftet schon Staub an. Was hilft, bleibt der Blick in den Himmel.

Fertig!

Ich habe gerade mein Hölderlin-Buch abgeschlossen. Morgen liegt schon der nächste Auftrag auf dem Schreibtisch. Aber hurra! Ich feiere trotzdem.

Nur einen Steinwurf entfernt

von meiner Kreuzberger Wohnung liegt dieser Garten. Hätte ich nur das Foto gesehen, ohne zu wissen, von wo es stammt, hätte ich vielleicht auf die Schweiz getippt. Auf jeden Fall auf eine ländliche Gegend mit viel frischer Luft und einem weiten Blick ins Land.

Manchmal ist es auch schön, sich zu täuschen. Und: Es lebe der tägliche Spaziergang: denn nur er erlaubt Momente, die man nicht im Leben für möglich gehalten hätte. Allen einen schönen 1. Advent!

Wie hältst Du es mit der Moral?

Großes Wort, die Moral, kommt mir im Alltag gar nicht so häufig unter. Das heißt, ich denke nicht unter dieser Überschrift. Dennoch höre ich in letzter Zeit gelegentlich, ich sei moralisch. Oder kategorisch. Es gebe doch mehr Grau als Schwarz und Weiß. Oder man müsse jedem Einzelnen doch alle Freiheiten offen halten.

Ups. Ja. Mit einer Moral-Keule rumrennen, und anderen sagen, wo es bitteschön lang geht, nee, bloß nicht! Andererseits, haha, wer Star Trek liebt, ist wahrscheinlich unrettbar moralisch, möglicherweise bis hin zur dämlich hollywood-weichgespülten Übertreibung. Aber es gibt für mich Dinge, die ich nicht richtig finde: Wie formulieren, ohne gleich als Moral-Apostelin da zu stehen? Und konsequentes Handeln finde ich wichtiger, je älter ich werde. Weil ich wissen möchte, was ich tue, und warum. Das muss ich ja nicht laut vor mir her tragen. Andererseits, wenn ich gefragt werde – ?

Wo fängt meine Verantwortung an?

Gerade wenn Dinge schief laufen. Gerade wenn mehr Unübersichtlichkeit da ist als gewöhnlich. Gerade wenn alles anders ist als sonst. Ist dieses Anders-Als-Sonst nicht auch eine Möglichkeit, aus dem Hamsterrad auszusteigen – selbst wenn dieses „anders“ erst mal ungemütlich aussieht? Alle scheinen gerade gebannt auf Weihnachten zu schauen. Was macht Ihr?