Autor: Stephanie Jaeckel

Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Wo ich in fünf Jahren bin?

Nein, es droht kein Bewerbungsgespräch. Die Frage kam mir beim Radfahren in der Abenddämmerung. Und ich konnte einmal mehr feststellen, dass ich keine Begabung für die Zukunft habe. Oder zumindest nicht für mich selbst. Ist das eine Scheu, darüber nachzudenken, was noch nicht ist. Als wenn man vor der Zeit schon mal nach seinen Geschenken […]

Chinaborsten

Da war ich doch einen Moment platt: „reine Chinaborsten“ – ? Klar, irgendwas muss vorne ja am Pinsel dran sein, aber was sind Chinaborsten? Chinaböller kenne ich. Aber Borsten wachsen nur am Vieh. Also Chinaviehborsten? Und warum rein? Weil noch keine Farbe dran klebt. Ja, was denn? Der freundliche Fachverkäufer? Dann doch lieber Google. Und […]

Wann hast du das letzte Mal getanzt?

Eine Frage, die mir heute beim Tanzen kam – und sich nicht etwa um abendliche Ausgehmanöver dreht, sondern um spontanes Tanzen zu spontan aufgelegter Musik, oder einer, die gerade von irgendwo daher kommt. Ich konnte sie nicht beantworten, meine Frage. Das heißt, es muss schon sehr lange her sein. Eigentlich tanze ich gerne. Aber das […]

Urlaub in Berlin

Was mit einer geschenkten Woche tun, wenn man während der Schulferien weder ins Ausland noch ins Umland will? Dableiben und querleben. So nennt zumindest meine schweizerische Freundin Gertrud die Tage, die man frei hat und während der man den Alltag kreuzt, indem man andere Wege geht oder Wege zu anderen Zeiten. Wo man vielleicht Stille […]

Sieben von Zehn

Alzheimerpatient/innen werden zur Zeit in Deutschland von ihren Angehörigen gepflegt. Das Zahlenverhältnis geht mir seit Stunden nicht mehr aus dem Kopf. Sieben von Zehn. Das heißt auf der einen Seite, dass die meisten Erkrankten so lange wie möglich in ihrer gewohnten Umgebung bleiben. Auf der anderen Seite aber zeichnet sich die stille Last ab, die […]

Der Schnörkel

Der könnte meinetwegen auch als „Wort des Tages“ fungieren. Aber ich bin mir nicht so sicher, ob ich diese Rubrik noch öffnen und damit dieses Fass noch aufmachen soll (aber schön, was bei Wildgans da alles so rausschwappt). Der Schnörkel war eine Art Hauptbeschäftigung in meiner Schulzeit. Kaum wurde es langweilig im Unterricht (und das […]

Würden Sie sich von einem Tierarzt behandeln lassen?

Für unsere Ur-ur-ur-Großeltern, die auf dem Land lebten, war das sicher keine Frage. Tierärzte halfen hier selbstverständlich bei Kindsgeburten und schienten Arme oder Beine oder schauten sich an, was sonst am Bauernkörper entzündet oder verletzt war. Noch Rudolf Virchow machte zwischen der Tier- und Menschenheilkunde keinen Unterschied: „Das Objekt ist verschieden, aber die Erfahrungen, die […]

Die Welt knipsen

Oder: Knipsen versus fotografieren: Wo ist da der Unterschied? Früher war die Sache einfach: Otto Normaline knipste und die Profis fotografierten. Bis die Technik sich so dem Menschen anverwandelte, dass eine Kamera mittlerweile das schnellere Auge ist und ritsch-ratsch ein ordentliches Bild liefert, das nachbearbeitet gute bis perfekte Aufnahmen ermöglicht. Aber es gibt immer noch […]

Sommerhalluzinationen

Juli = Wenn es heiß wird und die Kanten schmelzen. Rechts verläuft der Tempelhofer Ex-Flughafen, oder besser: er verpuzzelt sich in Hundertwassermanier verpuzzelt und hängt – architekturuntypisch – auch noch in der Luft. Daneben ein pulsierender Baum, Lichtstrudel, ein Aliengesicht ohne Körper, viele unbekannte Objekte. Und das alles morgens um zehn, ohne irgendwas im Tee […]