Der Schnörkel

Der könnte meinetwegen auch als „Wort des Tages“ fungieren. Aber ich bin mir nicht so sicher, ob ich diese Rubrik noch öffnen und damit dieses Fass noch aufmachen soll (aber schön, was bei Wildgans da alles so rausschwappt). Der Schnörkel war eine Art Hauptbeschäftigung in meiner Schulzeit. Kaum wurde es langweilig im Unterricht (und das wurde es fast immer), holte ich Papier und Stift hervor, um unzählige Schnörkelfelder zu zeichnen.

Dem einen ist der Schnörkel Verzierung, dem anderen Verbrechen (so Adolf Loos, 1909). Dem schweizerischen Arzt Hans Martin Sutermeister schien es sogar, als könne das Betrachten von Ornamenten den Menschen erholen, ganz so wie rhythmische Musik. Dass hinter meinen geschlossenen Augen oft riesige Panoramen von Schnörkeln und abstraktem „Dekor“ wie in Kaleidoskopen schweben, spricht ja vielleicht dafür.

Wahrscheinlich gehört der Schnörkel zum Menschen wie das Haustier. Kaum wird sich eingerichtet, ist auch schon ein Schnörkel da. Oder wird wieder wegmontiert. Weil es Schnörkelbefürworter/innen und Schnörkelhasser/innen gibt. Bei mir gibt es so eine Art Schnörkel-Ebbe-und-Flut. Mal überwuchern Schnörkel in Form von kleinen netten Mitbringseln, Postkarten, getrockneten Blumen, Zeichnungen, Fotokopien meine Wohnung. Mal kriege ich einen regelrechten Schnörkelkoller und verbanne alles in die Schränke, Schubladen, und wen es hart trifft, in den Müll. Und den bringe ich jetzt raus. Sonst habe ich neben zu vielen Schnörkeln auch noch Fruchtfliegen im Haus.

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 5

  1. Ulli 22. Oktober 2018

    Ich finde mich in allem was du beschreibst wieder, ob in der Schule oder in meinem Zuhause …
    und doch geht mir die ganze Zeit das Wort „schnörkellos“ nicht aus dem Kopf, die Schnörekllosigkeit mag ich nämlich sehr in der Literatur und im gesprochenem Wort.
    herzlichst, Ulli

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