Autor: Stephanie Jaeckel

Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Sommer in Berlin

Luft, Luft, Luft wird Berlintouristen immer noch als Berliner Spezialität verkauft, Weiße, die wahlweise rot oder grün ist und natürlich: die Ampelmännchen. Prompt vergessen die Gäste ihren Koffer in der Stadt wo sie jahrzehntelang in den Ecken herumgeschubst werden, um dann sehnsuchtsvoll – ach ja. Aber wer kennt eigentlich die fantastischen Berliner Sonnenuntergänge? Riesige Panoramen […]

Dreh dich um!

Hätte ich am liebsten dem alten Herrn mit dem sehnsuchtsvoll blauen Blick zugerufen. Dreh dich um, und du wirst sehen, wie Du da raus kommst! Klar, so ganz ohne Körper wäre das immer noch schwierig – und wie man aus einer Glasvitrine ausbricht, weiß ich auch nicht. Aber der Rettungsplan an der Wand hat vielleicht […]

Ich weiß was das steht, aber ich sehe es nicht

Oder: trotz besseren Wissens lese ich ein übers andere Mal Mitte-Linsel. Obwohl mein Hirn dem fehlgeleiteten Blick jedes Mal geduldig aufs Neue erklärt, dass kein Ding auf der Welt so heißt. Er besteht drauf. Liegt ja vielleicht auch daran, dass ich nur Verkehrsinseln kenne. Mittelmeerinsel? Geschenkt! Aber sowas!? Um meinen Blick nicht auf ewig zu […]

Anleitung zum Gehen

Ich gehe gerne. Wäre Berlin nicht so groß, würde ich öfters irgendwo hingehen. So gehe ich höchstens nirgendwo hin, das heißt, vor allem nicht zu Terminen, außer sie liegen wirklich nur um die Ecke. Edo Popovics „Anleitung zum Gehen“ wäre da, so meine Hoffnung, ein Hinweis auf vielleicht neue Arten des Gehens oder auf alte, […]

Schau mich an

Karl Ove Knausgard hat in seinem aktuellen Artikel über Anders Breivik einen – wie mir scheint – lebenswichtigen Aspekt für Menschen in den Fokus gerückt: Das Wahrgenommenwerden. Man kann Kinder zur Verzweiflung bringen, wenn man sie zur Strafe wie Luft behandelt. Mobbing ist nicht umsonst so gefürchtet. Denn wenn ich nicht gesehen werde, verkümmere ich […]

Erwachsen werden

Meine Vorstellung vom Kindsein und vom Erwachsenwerden ist nach wie vor mehr die einer Entfaltung als die einer Verpuppung. Diese etwas herablassende Art, Generationen aus früheren Zeitaltern vorzuwerfen, sie hätten Kinder bloß als „kleine Erwachsene“ gesehen, ist mir deshalb wenig plausibel. Natürlich wachsen Kinder noch und verändern sich und reifen und was noch alles. Bei […]

Hoffnungsvorrat

las ich gestern auf den ersten Seiten von Terézia Moras Poetikvorlesung „Nicht sterben“. Hoffnungsvorrat sei nötig, sagt sie darin, um überhaupt mit dem Schreiben zu beginnen. Denn am Anfang ist so gut wie nichts klar, eher vage und schwer auszuhalten. Hoffnungsvorrat, schreibt sie weiter, habe sie möglicherweise bei Alexander Kluge gelesen, und ich denke, das […]

Parze sein

Nö. Das ist mal kein Ausbildungsberuf. Das ist eine Aufgabe. Für die man zumindest schreiben können, studiert haben und Geduld aufbringen muss. Die drei Parzen waren in griechischer Zeit die „Sekretärinnen“ Jupiters – natürlich ohne knappen Rock und Schreibmaschine. Sie schrieben das Schicksal fort und archivierten es auch. Mittlerweile gibt es hunderte mehr als drei […]