geschmolzene Stunde

Wenn es heiß ist, höre ich Musik anders. So als schmelze die normale Distanz weg, die ich zu Tönen und Geräuschen halte. Heute zum Beispiel habe ich bei satten 38°C Papierrascheln gehört wie noch nie. Sicher auch, weil mehrere Personen in einer schönen Choreographie gleichzeitig raschelten. Und weil ich bei Hitze so lethargisch werde, war es gleich auch noch so, als schwebte ich in einer Papierwolke.

Bei der Aufführung meiner eigenen ersten Komposition änderte sich auch Gewohntes in Neues. Denn wo ich normalerweise nach zwei Minuten schon Angst bekomme, die Zuhörer/innen könnten sich langweilen und das Ende des Stücks herbeisehnen, legte sich wohlige Zeitlosigkeit über mich. Sogar angesichts zweier pöbelnder Gäste, die sich laut lachend auf die Schenkel klopften, wohl um zu demonstrieren, für wie bescheuert sie das Ganze hielten. Ich habe trotzdem alles gehört und anders als sonst (ein Hoch auf die Affenhitze!) jeden Ton am richtigen Platz gefunden. Wenn die Wetterfrösche nicht irren, soll es morgen noch einmal so heiß werden!

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Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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