Autor: Stephanie Jaeckel

Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Der Schnörkel

Der könnte meinetwegen auch als „Wort des Tages“ fungieren. Aber ich bin mir nicht so sicher, ob ich diese Rubrik noch öffnen und damit dieses Fass noch aufmachen soll (aber schön, was bei Wildgans da alles so rausschwappt). Der Schnörkel war eine Art Hauptbeschäftigung in meiner Schulzeit. Kaum wurde es langweilig im Unterricht (und das […]

Würden Sie sich von einem Tierarzt behandeln lassen?

Für unsere Ur-ur-ur-Großeltern, die auf dem Land lebten, war das sicher keine Frage. Tierärzte halfen hier selbstverständlich bei Kindsgeburten und schienten Arme oder Beine oder schauten sich an, was sonst am Bauernkörper entzündet oder verletzt war. Noch Rudolf Virchow machte zwischen der Tier- und Menschenheilkunde keinen Unterschied: „Das Objekt ist verschieden, aber die Erfahrungen, die […]

Die Welt knipsen

Oder: Knipsen versus fotografieren: Wo ist da der Unterschied? Früher war die Sache einfach: Otto Normaline knipste und die Profis fotografierten. Bis die Technik sich so dem Menschen anverwandelte, dass eine Kamera mittlerweile das schnellere Auge ist und ritsch-ratsch ein ordentliches Bild liefert, das nachbearbeitet gute bis perfekte Aufnahmen ermöglicht. Aber es gibt immer noch […]

Sommerhalluzinationen

Juli = Wenn es heiß wird und die Kanten schmelzen. Rechts verläuft der Tempelhofer Ex-Flughafen, oder besser: er verpuzzelt sich in Hundertwassermanier verpuzzelt und hängt – architekturuntypisch – auch noch in der Luft. Daneben ein pulsierender Baum, Lichtstrudel, ein Aliengesicht ohne Körper, viele unbekannte Objekte. Und das alles morgens um zehn, ohne irgendwas im Tee […]

Sommer in Berlin

Luft, Luft, Luft wird Berlintouristen immer noch als Berliner Spezialität verkauft, Weiße, die wahlweise rot oder grün ist und natürlich: die Ampelmännchen. Prompt vergessen die Gäste ihren Koffer in der Stadt wo sie jahrzehntelang in den Ecken herumgeschubst werden, um dann sehnsuchtsvoll – ach ja. Aber wer kennt eigentlich die fantastischen Berliner Sonnenuntergänge? Riesige Panoramen […]

Dreh dich um!

Hätte ich am liebsten dem alten Herrn mit dem sehnsuchtsvoll blauen Blick zugerufen. Dreh dich um, und du wirst sehen, wie Du da raus kommst! Klar, so ganz ohne Körper wäre das immer noch schwierig – und wie man aus einer Glasvitrine ausbricht, weiß ich auch nicht. Aber der Rettungsplan an der Wand hat vielleicht […]

Ich weiß was das steht, aber ich sehe es nicht

Oder: trotz besseren Wissens lese ich ein übers andere Mal Mitte-Linsel. Obwohl mein Hirn dem fehlgeleiteten Blick jedes Mal geduldig aufs Neue erklärt, dass kein Ding auf der Welt so heißt. Er besteht drauf. Liegt ja vielleicht auch daran, dass ich nur Verkehrsinseln kenne. Mittelmeerinsel? Geschenkt! Aber sowas!? Um meinen Blick nicht auf ewig zu […]

Anleitung zum Gehen

Ich gehe gerne. Wäre Berlin nicht so groß, würde ich öfters irgendwo hingehen. So gehe ich höchstens nirgendwo hin, das heißt, vor allem nicht zu Terminen, außer sie liegen wirklich nur um die Ecke. Edo Popovics „Anleitung zum Gehen“ wäre da, so meine Hoffnung, ein Hinweis auf vielleicht neue Arten des Gehens oder auf alte, […]

Schau mich an

Karl Ove Knausgard hat in seinem aktuellen Artikel über Anders Breivik einen – wie mir scheint – lebenswichtigen Aspekt für Menschen in den Fokus gerückt: Das Wahrgenommenwerden. Man kann Kinder zur Verzweiflung bringen, wenn man sie zur Strafe wie Luft behandelt. Mobbing ist nicht umsonst so gefürchtet. Denn wenn ich nicht gesehen werde, verkümmere ich […]