Autor: Stephanie Jaeckel

Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Nachtrag

Nur um nicht den Verdacht aufkommen zu lassen, ich fände Mülltonnen nur unter Sonnenlicht gut. Ob diese Tonne sich, um aufzufallen, eine Clownsnase aufgesetzt hat, weiß ich nicht. Auch nicht, ob sich mit einem Abguss ein guter Preis auf dem Kunstmarkt machen ließe… gefallen hat sie mir außerordentlich. Vielleicht auch, weil ich zum ersten Mal […]

Leuchttonne

Was so eine Sommersonne alles kann. Kurz mal die schnöden Dinge des Alltags – wer bitte schön lässt seine Blicke länger als nötig auf einer Plastikmülltonne ruhen? – mit Gold überziehen. Jaja, und plötzlich ist man doch sehr froh, dass die Tonnen hier und da stehen. Schön sieht sie aus, elegant mit ihren Kurven und […]

Rückwärts lesen.

Nesel sträwkcür? Nee, so war das nicht gemeint. Obwohl das ein frühes Hobby in meiner Alphabetisierungsphase war – und lustig. Aber wenn ich heute rückwärts lese, geht es eher darum, Autor/innen, die ich mit einem aktuellen Buch kennengelernt habe, zu ihren Anfängen zu folgen. Nicht unbedingt chronologisch. Schließlich nutze ich eine viel frequentierte Bibliothek (und […]

Wo ich in fünf Jahren bin?

Nein, es droht kein Bewerbungsgespräch. Die Frage kam mir beim Radfahren in der Abenddämmerung. Und ich konnte einmal mehr feststellen, dass ich keine Begabung für die Zukunft habe. Oder zumindest nicht für mich selbst. Ist das eine Scheu, darüber nachzudenken, was noch nicht ist. Als wenn man vor der Zeit schon mal nach seinen Geschenken […]

Chinaborsten

Da war ich doch einen Moment platt: „reine Chinaborsten“ – ? Klar, irgendwas muss vorne ja am Pinsel dran sein, aber was sind Chinaborsten? Chinaböller kenne ich. Aber Borsten wachsen nur am Vieh. Also Chinaviehborsten? Und warum rein? Weil noch keine Farbe dran klebt. Ja, was denn? Der freundliche Fachverkäufer? Dann doch lieber Google. Und […]

Wann hast du das letzte Mal getanzt?

Eine Frage, die mir heute beim Tanzen kam – und sich nicht etwa um abendliche Ausgehmanöver dreht, sondern um spontanes Tanzen zu spontan aufgelegter Musik, oder einer, die gerade von irgendwo daher kommt. Ich konnte sie nicht beantworten, meine Frage. Das heißt, es muss schon sehr lange her sein. Eigentlich tanze ich gerne. Aber das […]

Urlaub in Berlin

Was mit einer geschenkten Woche tun, wenn man während der Schulferien weder ins Ausland noch ins Umland will? Dableiben und querleben. So nennt zumindest meine schweizerische Freundin Gertrud die Tage, die man frei hat und während der man den Alltag kreuzt, indem man andere Wege geht oder Wege zu anderen Zeiten. Wo man vielleicht Stille […]

Sieben von Zehn

Alzheimerpatient/innen werden zur Zeit in Deutschland von ihren Angehörigen gepflegt. Das Zahlenverhältnis geht mir seit Stunden nicht mehr aus dem Kopf. Sieben von Zehn. Das heißt auf der einen Seite, dass die meisten Erkrankten so lange wie möglich in ihrer gewohnten Umgebung bleiben. Auf der anderen Seite aber zeichnet sich die stille Last ab, die […]

Der Schnörkel

Der könnte meinetwegen auch als „Wort des Tages“ fungieren. Aber ich bin mir nicht so sicher, ob ich diese Rubrik noch öffnen und damit dieses Fass noch aufmachen soll (aber schön, was bei Wildgans da alles so rausschwappt). Der Schnörkel war eine Art Hauptbeschäftigung in meiner Schulzeit. Kaum wurde es langweilig im Unterricht (und das […]