Autor: Stephanie Jaeckel

Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Malerei als Liebesgabe/Rousseau, 3. Teil

Bis heute bleibt die Naivität das wichtigste Vorzeichen, unter dem Rousseaus Bilder gesehen und diskutiert werden. Es interessiert vor allem, ob ihm mehr gelang, als er selbst verstand, ob es bei den Betrachter/innen eines gewissen ästhetischen Genies bedarf, um seine Fähigkeiten zu schätzen. Ob er wusste, was er konnte oder ob wir ihm nachträglich etwas […]

Gute Reise

Heute Nacht ist meine Mutter gestorben. Friedlich, wie man mir sagte, im Schlaf. Kurios, dass sie mir noch eine Nachricht geschickt hat, so zumindest verstehe ich das, denn ich wurde wach, als sie starb – meine Manie, beim Aufwachen immer gleich auf die Uhr zu sehen, legt diese Zeitgleiche zumindest nah. Sie war eine so […]

Ab in den Urwald

Das gilt für müde Menschen, die nass genieselt abends von der Arbeit kommen ebenso wie für Ofenhocker, die für nichts in der Welt aus den eigenen vier Wänden spazieren wollen. Auch Rousseau war nie im Ausland gewesen, tat aber so, wenn er Urwaldbilder malte: es seien „Mitbringsel“ der einzigen großen Reise, die er je gemacht […]

Verwandlung

Ist es das, was uns umtreibt? Der Wunsch nach Verwandlung? Ein anderer, eine andere sein zu wollen? Oder ein kleines bisschen perfekter? Jünger? Dünner? Größer? Sprachbegabter? – Sich selbst vergessen und ein anderer sein. So beschreibt es Nick Cave. Die Natur verwandelt sich auch gerade. Sie ist kein Winter mehr. Sondern seit heute morgen: Frühling!!!

Warum haben wir so eine Angst davor,

Fehler zu machen? Und wer sind wir? Männer, Frauen, Deutsche, Europäer, Menschen? Mir kommt es fast so vor, als würde der Fehlerteufel immer größer an die Schul-, Büro- und Firmenwände gemalt. Was man alles falsch machen kann! Und was man alles unternimmt, damit einem bloß kein Fehler unterläuft! Wissen wir eigentlich noch, dass Fehler auch […]

Der schwebende Künstler

Weiter geht es mit meinem Helden Henri, den spät erst entdeckten Maler, der mir zumindest den Kopf verdreht hat und mich das Sehen – einmal mehr – lehrte. In der Kunstgeschichte galt er lange als umgekehrter Held, als Narr oder Clown, der mit der Fülle von Möglichkeiten jonglierte und alle zum Lachen brachte. Von heute […]

Magie des Augenblicks

Bevor ich mich weiter mit Henri Rousseau beschäftige, hier eine Ausstellungsankündigung. Ich bin diesbezüglich etwas müde geworden. Ausstellungen, vor allem solche, die als Highlight angekündigt werden, reizen mich immer weniger. In diesem Fall war ich am Rand mit der Vorbereitung beschäftigt und von Anfang an hingerissen. Zum einen, weil es sich um unglaublich gute – […]

Kunst – oder was?

Es gibt, wen vor Bildern der Zweifel plagt, eine – durchaus pragmatische – Definition: Was im Museum hängt, ist Kunst. Seit es Museen gibt, haben sich Besucher/innen bei so einer Äußerung an den Kopf gefasst. Sicher auch die Zeitgenosse/innen von Henri Rousseau, der dieses Dschungelbild gemalt hat. Für sie war dieser Père – Papa – Rousseau […]

Manchmal möchte ich nur hinter dem Mond sein

und ein wenig im Sternenstaub schaukeln, der Musik im Weltraum lauschen (Stereo ist da nix gegen), über die eigene Endlichkeit nachdenken. Doch das einzige mir bekannte Hinter-Den-Mond-Shuttle fährt nicht täglich – überhaupt nicht regelmäßig – und so verpasse ich oft den Absprung. Und vertue Zeit. Nein, manchmal ist es wichtig, auf der Erde herum zu wirbeln. […]

Überraschung tut Not

Die Wahlergebnisse waren vorauszusehen. Dass stabile Machtverhältnisse fürs Erste erledigt sind wohl auch. Dennoch überrascht? Dann nicht gleich den Kopf in den Sand stecken (1844). Überraschungen sind Interpretationssache. Wir können entscheiden, ob wir sie gut oder schlecht finden. Und was wäre schlecht an einer neuen politischen Kultur, in der in der Regierung mehr ausgehandelt werden […]