Autor: Stephanie Jaeckel

Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Geh, lass‘ einen Drachen steigen!

Wer das hört, nein – wer das von einer/m britischen Muttersprachler/in hört, sollte gewarnt sein: sie oder er wird zum Teufel geschickt, nicht bloß zum Spielen, denn es ist eine englische Redensart aus dem 19. Jahrhundert und keineswegs etwas zum wörtlich übersetzen. Geplagte Schüler/innen und Student/innen. Ich selbst habe ein Sprachstudium absolviert und weiß, wovon […]

Von Tieren und Menschen

Beim Lesen bin ich gleich über den ersten Übergang gestolpert: Den zum zweiten Kapitel. Denn wer im ersten „Vati“ genannt wird, ist keinesfalls der „Vater“ im zweiten. Eustachius ist vielmehr einmal Sohn und als solcher ein an den Baum gebundenes Kind und dann ein Greis von zweiundachtzigdreiviertel, der zwanghaft Bilderrahmen zurecht rückt und von „glücklichen […]

Sind Sie spießig?

Oder ist das überhaupt eine Frage, die Sie umtreibt? – Ich kann mich noch gut an mein ungeheures Staunen erinnern, als Berliner Freunde, die ich für unendlich unkonventionell und cool hielt, in einem Nebensatz die vage Befürchtung äußerten, irgendetwas (habe ich vergessen) an ihrer Lebensweise könne vielleicht als spießig angesehen werden. Ich war wirklich platt. […]

Wildes Huhn

So fühle ich mich mittlerweile, wie ein leistungswildes Huhn vor Ostern. Ich produziere und produziere und sitze auf einem Haufen Arbeit und verliere langsam den Überblick. Sieht alles gleich aus… Für wen war das noch mal? Wann bestellt? Wann zu liefern? Braucht es noch Farbe? Ist es eventuell schon abgelaufen? Hach, vielleicht doch lieber mal […]

Hörbar werden, unüberhörbar

Den Frauentag habe ich erst in Berlin kennen gelernt. Genau betrachtet waren es die Ost-Kolleg/innen, die mit Blumen kamen und den besonderen Tag hochhielten. Folklore, dachte ich erst. Je älter ich werde, desto klarer wird mir, wie wichtig ein solcher Tag immer noch ist. Denn Frauen sind nach wie vor weit von Gleichberechtigung, ja sogar […]

Das „Fräulein“ ist schon verschwunden,

bald wird es die Autoaufkleber erwischen. Vielleicht nicht schade um beide. Das Fräulein hat sich endgültig emanzipiert und die Autoaufkleber? Wenn ich ehrlich bin, fand ich sie immer ein bisschen blöd. Aber was sich da mittlerweile abzeichnet – so gar keine bunten Flecken mehr auf dem Eigenmobil, weil es eben chic sein soll. Nee, das […]

Wellen

Von Kind an liebe ich Wasser. Ein Meer ist für mich bis heute die Vorstellung großen Glücks. Der schönste Tag müsste – stünde er unter meiner Regie – am Meer spielen. Meine ersten Wellen schlugen also an den Strand. Schaukeln, eine Art Wellenreiten auf dem Trockenen, war meine Lieblingsbeschäftigung über Jahre. Später lernte ich Radiowellen […]

Ein Lob auf eine untergehende Spezies…

Der gute alte Bleistift. Mit ihm habe ich Schreiben gelernt. Aber vorher schon Universen ausgemalt. Auf Blöcken, die mein Vater aus der Firma mitbrachte. Merkwürdigste Formate, graues Papier mit weißen Linien. Kein Mensch hatte sowas. Nur wir. Was hätte ich um weißes Papier gegeben! Und heute gibt es graues Papier für unbezahlbar in Nobel-Papeterien. Hihi. […]

Vorrat, ausreichende Mittel

denkt möglicherweise keiner, wenn er sich eine Kopie macht. Ursprünglich ein lateinisches Wort, „copia“, malten und schrieben unsere Vorfahren ab, um ihre Bibliotheken zu füllen oder ihre Musterbücher. Dass wir heute bei der Kopie gleich an den dazugehörigen Apparat denken, pah! Und es hätten den Leuten, deren Kopien ich mir heute im Martin-Gropius-Bau angeschaut habe, […]

Ich esse was, was Du nicht isst.

Tatsächlich ist Essen ein Statement. Ein identitätsstiftendes Merkmal. Wobei man vielleicht mittlerweile vom Nicht-Essen sprechen sollte: Wer etwas ausdrücklich nicht isst, unterscheidet sich von anderen. Ein neuer Trend? Eben habe ich einen spannenden Beitrag im Deutschlandfunk gehört. Es ging um Gesundheit und Ernährung: Wie die beiden zusammenhängen, beziehungsweise, wie sehr die Zusammenhänge gesellschaftlich geprägt sind. […]