Wellen

Von Kind an liebe ich Wasser. Ein Meer ist für mich bis heute die Vorstellung großen Glücks. Der schönste Tag müsste – stünde er unter meiner Regie – am Meer spielen. Meine ersten Wellen schlugen also an den Strand. Schaukeln, eine Art Wellenreiten auf dem Trockenen, war meine Lieblingsbeschäftigung über Jahre. Später lernte ich Radiowellen kennen. Auch hier begeisterte mich dieses rasche, scheinbar mühelose Durchpflügen großer Räume. Summen. Geschwindigkeit. Bewegung. Die Vorstellung, dass Fische in einem welligen Ambiente leben, lässt bei mir immer wieder Neid aufkommen. Auch wenn wir am Land den Wind haben.

Es hat mich kaum überrascht, als ich davon hörte, dass es auch Wellen in unserem Gehirn gibt. Gibt es nicht längst den Begriff, „auf gleicher Wellenlänge sein“? Allerdings habe ich keine hieb- und stichfeste Ahnung, wie diese Wellen aussehen, woraus sie bestehen und von wo aus – wohin – sie sich in unseren Köpfen bewegen. „Slow waves“ – so heißen sie im Englischen und mein Fachvokabular ist nicht sicher genug, hier mit „langsamen Wellen“ zu übersetzen; nun jedenfalls tauchen diese Wellen auf, sobald jemand eingeschlafen ist. Wir schaukeln offensichtlich im Schlaf. Wenn ich das richtig verstanden habe, je nach Gehirnmasse mit mehr oder weniger Wellen. Garantiert. Immer. Sie isolieren unser Gehirn von der Außenwelt. Und bieten ihm ein lauschiges Plätzchen. Auch in einer Narkose.

Tief ist eine Assoziation, die ich sowohl bei den Ozeanen wie auch bei Träumen habe. Alpträume sind mit höchstem Seegang zu vergleichen. Eine Tauchfahrt stelle ich mir bewußtseinsverändernd vor, in dem Sinn, in dem ich im Meer weit weg bin von meiner Alltagsrealität, und alles noch einmal neu, anders wahrnehmen lerne. Ab April werde ich arbeitstechnisch in die Weltmeere abtauchen, um – wenn auch meistens nur vom Schreibtisch aus – die tiefsten Tiefen und die weitesten Weiten zu erforschen. Seit ich von den Wellen im Kopf weiß, fühle ich mich gerüstet.

 

Filed under: Allgemein

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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