Autor: Stephanie Jaeckel

Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Himmelspanorama

Mit diesem dramatischen Farbenspiel (zig Vorhängen und Kulissenschiebern) hat sich der Tag heute in Berlin verabschiedet. Fast psychedelisch. Und ein gutes Bild für das, was seit einiger Zeit in meinen Träumen passiert. Wo ich nämlich die fantastischsten Landschaften, Himmel, Bauwerke sehe, wie in einem Märchen so schön, und fotografiere. Ich hatte das schon einmal hier […]

Was bleibt

Im August letzten Jahres ist ein Nachbar von mir gestorben. Noch jung, wohl mehr aus Versehen. Danach trafen sich Freunde von ihm alle paar Wochen, um seine Wohnung auszuräumen. Jedes Mal stand der Hof voll mit Kisten und Kartons, unendlich viel technischem Gerät, kaum auszumalen, was alles in eine Wohnung passt. Im fünften Stock. Im […]

Eins und Eins sind Eins

Das wird keine Rezension, nur ein kleiner Begeisterungsaufschrei. Denn das ist wirklich selten. Ein rosa-hellblaues Mädchen-Jugendbuch, das mich rundum froh macht. Doch ja. Ich wollte es erst gar nicht lesen, dann dachte ich AUWEIA. Ein Problembuch! Denn es geht nicht, wie ich erst vermutete, um Zwillinge. Nein. Es legt noch einen Zacken zu: Es geht […]

Den Blick heben

So sind Erwachsene. Habe ich jedenfalls gerade wieder in einem Kinderbuch gelesen: „Sophie auf den Dächern“ von Katherine Rundell: Wo sie nichts erwarten, schauen sie auch nicht hin. Auf Dächer zum Beispiel. Was soll da schon sein? Der Schornsteinfeger, wenn es hoch kommt. Oder ein paar Tauben. Für die Waisenkinder in der Geschichte von Rundell […]

Maß und Ziel

Ich kann es drehen und wenden wie ich will, Mode sind für mich zwei Paar Schuhe, mindestens. Aus dem lateinischen Wort „modus“ geformt, bedeutet Mode zunächst die Art und Weise, der Modus, wie etwa eine Musik gespielt werden soll, dann auch zeitgemäßer Geschmack, „la mode“ im Französischen. Damals wie heute sind Frisuren, Umgangsformen, Kunst und […]

Ob Marsmenschen lesen?

Bücher haben das menschliche Gehirn geformt. Wie die Computer, die jetzt an der Reihe sind. Ich habe mich gefragt, was Außerirdische denken würden, hätten sie ein Buch in der Hand und möglicherweise keine eigene Schrift. Obwohl ich mir das schwierig denke, wo sie doch UFOs bauen – aber vielleicht käme eine intelligente Spezies tatsächlich ohne […]

Just for one day

Nenn‘ mir Deine Vorbilder und ich sage Dir, wer Du bist. Auf größere Gruppen angewendet ist es die Frage nach den Helden, die meist schnell Auskunft gibt. Helden sind – versucht man ihre Rolle zu beschreiben – die besten Möglichkeiten eines Menschen, d.h. die besten Möglichkeiten, die sich eine Gruppe von Menschen zu einer bestimmten […]

Von wegen, angeboren…

Was uns Vergnügen bereitet, ist im weitesten Umfang erlernt. Oder von unserer direkten Umgebung abgeschaut. Eigener Geschmack ist also ein längerer Prozess, und er kann und wird sich möglicherweise noch wandeln, wenn wir ihm Gelegenheit durch neue Erfahrungen geben. Angeblich ist der eigene Geschmack ein menschliches Gut. Ich bin allerdings nicht so sicher, weil ich […]

Wie Geschichten auf unser Denken wirken

In der Forschung zum Erzählen gibt es gerade zwei Debatten. In der einen geht es um die Frage, wie erzählte Fiktion „wirkt“, in der anderen darum, ob unsere Welt möglicherweise zu komplex geworden ist (oder gerade wird), um noch von klassischen, mehr oder weniger stringent erzählten Geschichten gespiegelt und damit auch gedeutet zu werden. Die […]

Gemeinsame Wurzeln

Das ist jetzt kein ernst gemeintes Plädoyer. Mehr so eine Fußnote. Aber mich hat’s doch echt aus den Puschen gehauen, wie viele Redewendungen erstens schon ziemlich uralt sind und zweitens in England wie in Deutschland gebräuchlich sind. Beispiele gefällig? „Sich aus dem Staub machen“ – sagen die Leute schon seit 1609. Klar, Staub gab es […]