Was bleibt

Im August letzten Jahres ist ein Nachbar von mir gestorben. Noch jung, wohl mehr aus Versehen. Danach trafen sich Freunde von ihm alle paar Wochen, um seine Wohnung auszuräumen. Jedes Mal stand der Hof voll mit Kisten und Kartons, unendlich viel technischem Gerät, kaum auszumalen, was alles in eine Wohnung passt. Im fünften Stock. Im Grunde schien alles soweit ausgeräumt, aber heute war doch noch mal der Hof voller Sachen. Jetzt, am Abend, ist auch dieser Rest abtransportiert. Wir in Europa halten immer noch auf Besitz, und auf Dinge, die zu vererben sind. Alte Familien haben Gegenstände, die ihren Urahnen gehörten und halten sie in Ehren. Reichtum hat hier auch etwas mit weit zurückreichen zu tun. In anderen Ländern wird nicht viel über die Generationen vererbt. Eigentum gilt als Last, Reduktion ist eine Tugend. Vor allem in Erdbebengebieten, in Japan zum Beispiel. Nichts zu haben macht dort glücklich. Hier umweht dieser Kargheit immer noch der Geschmack von Armut. Vor ein paar Jahren hat es mich erschreckt, wie wenig ich hinterlassen würde. Heute – ich fange an, mich mit dem Gedanken anzufreunden.

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 4

    • Stephanie Jaeckel 2. März 2016

      Altersschwäche, nö, da würde ich nicht von Versehen sprechen. Bestimmte Krankheiten – da würde ich eher denken, dass es ein Versehen ist, wenn man nicht dran stirbt (wobei ich nie sagen würde, jemand wäre an seiner Krankheit schuld). Menschen sind aufs Sterben ausgerichtet. Ohne das?

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  1. mannigfaltiges 2. März 2016

    Ich versuche täglich Ballast abzuwerfen (Jeden Tag mindestens ein Teil verschenken, verkaufen oder verschrotten). Man merkt es erst mit zunehmenden Alter und eingeschränkter Beweglichkeit, wie schwer es einem fällt den ganzen „Mist“ aus/auf/umzuräumen (Umzug, Renovierungen etc.). Die erste Hälfte des eigenen Jahrhunderts habe ich gesammelt. Den zweiten Teil verbringe ich damit, das Zeug wieder loszuwerden. Auch eine Perspektive.

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