Ab in den Urwald

Das gilt für müde Menschen, die nass genieselt abends von der Arbeit kommen ebenso wie für Ofenhocker, die für nichts in der Welt aus den eigenen vier Wänden spazieren wollen. Auch Rousseau war nie im Ausland gewesen, tat aber so, wenn er Urwaldbilder malte: es seien „Mitbringsel“ der einzigen großen Reise, die er je gemacht habe, und die ihn angeblich nach Mexiko führte. Oft dagegen sah man ihn im Botanischen Garten von Paris, wo er zeichnete. Wilde Tiere kannte er aus populärwissenschaftlichen Büchern und Zeitschriften, einige Motive konnten tatsächlich später nachgewiesen werden.

Rousseau war ein großer Schwindler, was seine Freunde übrigens wussten, auch wenn ihm die meisten von ihnen die Mexiko-Geschichte abnahmen. Vor allem war er ein unterhaltsamer Schwindler – seine Schwindeleien waren ebenso fantastisch wie seine Bilder. Deshalb mochte ihm auch keiner Geltungssucht unterstellen. Er sei, so sagten sie, nicht ganz zu Hause in dieser Welt, ein bisschen verrückt, aber liebenswert.

Und so wurden seine Bilder und seine Person eins: Die fantastische Welt eines etwas vertrottelten kleinen großen Mannes. Selbst als er wegen Bankbetrügereien vor Gericht stand, zog diese Gleichsetzung. Dem Richter wurden Bilder von Rousseau gezeigt, um dessen naive Weltvergessenheit zu beweisen. Der Richter ließ sich überzeugen und sprach den leicht herunter gekommenen, älteren Mann frei. Rousseaus Komplize hingegen, mit dem er die Betrügereien begangen hatte, musste die gesamte Haftstrafe absitzen.

Ab morgen steigt eine riesige Rousseau-Ausstellung im Musée d’Orsay in Paris. Wer Zeit, Geld und Laune hat, sollte unbedingt hinfahren. Die Abbildung habe ich einmal mehr von Wiki genommen.

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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