Autor: Stephanie Jaeckel

Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Sein und Schein

wer genauer hinschaut, sieht: die Übergänge sind fließend. Und längst nicht nur bei anderen. Fragt man sich nicht gelegentlich: Bin ich das wirklich (das muss ja nicht nur negativ gemeint sein)? Träumen oder wachen: und wer ist dann wo: mehr im Sein oder im Schein unterwegs. Bei dem Foto gefällt mir, dass, was da strucks […]

Der gelbe Mantel

Nein, keine Regenjacke. Ein Frühjahrsmantel. Knallgelb: zwischen Zitrone und Kanarienvogel. Was für ihn spricht: Ich kann ihn in die heimische Waschmaschine stecken. Und: er ist kurz, so dass ich mit ihm wohl auch Fahrrad fahren kann. Was dagegen spricht: alles andere. Und ich wollte wirklich so gar nicht in den Laden reingehen. Ich ahnte wohl […]

Vergessen und Verzeihen: Verzicht oder Gabe?

Svenja Flaßpöhler, Philosophin und freie Autorin, hat ein großes Thema vom eigenen Erleben her gepackt. Verzeihen ist keineswegs nur eine persönliche Angelegenheit. Verzeihen ist eine menschliche Fähigkeit, sie fußt in unseren Moralvorstellungen und bestimmt das politische Geschick von Gesellschaften. Verzeihen ist eine Grundkonstante des Lebens und der menschlichen Geschichte. Es gehört zu den schwierigsten Dingen, […]

Viele Bäume machen noch keinen Wald

und viele (gute) Ideen noch keinen Text, kein Musikstück und auch keine schön eingerichtete Wohnung. Dies ist ein ganz persönlicher Knoten im Taschentuch: Viel ist nicht alles – und oft nicht genug. Alles klar?

Rosen

waren die Lieblingsblumen meiner Oma. Bis zum Schluss humpelte sie auf ihr kleines Gartenstück im Innenhof einer großen Nachkriegssiedlung, um ihr Rosenspalier zu pflegen. Ich kann erst heute einschätzen, wie viel Arbeit das bedeutete. Und wenn ich überlege, kenne ich niemanden mehr, die oder der sich solch hochwachsende Rosenstöcke antut. Dabei sind Rosen schon toll, […]

Im Schatten der Melancholie

kann man wahrscheinlich nur sitzen, wenn es draußen so strahlend sonnig ist wie heute. Kein Zahnweh, das stört, keine Sorgen, kein Terminengpass, kein Streit, kein – nein, weit und breit kein Ungemach. Dennoch fühle ich mich wie unter einer Wolke. Ich denke daran, dass es das Kind, das ich einmal war nicht mehr gibt, obwohl […]

Das Leben im Griff haben

davon sprachen Erwachsene gerne, als ich Kind war. Doch während sie das gut und wünschenswert fanden, sah ich immer so ein armes Leben wie ein schlaffes Handtuch im Würgegriff eines (meist gesichtslosen) Menschen – klar, dass mir das Leben Leid tat. Heute verstehe ich zumindest den Wunsch nach dem festen Griff. Aber da bleibt mir […]

Gänseblümchenparade

Weil heute ein einfacher Dienstag war, dachte ich, muss ich mir mal was ausdenken. Also gab es am Mehringdamm kurzfristig eine Gänseblümchenparade, die waren spontan und flexibel und haben flugs mitgemacht, und danach musste ich noch durch zwei brennende Ringe springen: Alle Sprecher/innen für den Studio-Termin im Oktober benachrichtigen. Habe ich telefonisch gemacht und siehe […]

Verzeihen

Was für ein großes Thema. Und meine mal keiner, einmal verziehen sei alles schon wieder vergessen. Es gibt so eine Art Verzeihungs-Schluckauf, der mich gelegentlich befällt, wenn ich denke, dass alles „für die Katz“ war oder schlimmer noch, dass mein Verzeihen eh im Dunkeln bleibt, weil es die, die es betraf, gar nicht interessiert. Selbstmitleid, […]

Tag der Arbeit

Und schon durften alle Putzmittel auch mal duschen. Gebügelt und gewaschen, gekocht und gespült, geputzt, gegossen und geschrieben. Höhepunkt: Lesen in der Sonne. Nick Cave: The sick bag song. Zeit zum Träumen. Und. Doch, jaja, Popstars arbeiten auch. Ein Hoch auf den Ersten Mai. Und jetzt ist die Sonne dran.