Autor: Stephanie Jaeckel

Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

U wie Umweg

„Umweg bezeichnet eine Abweichung vom kürzesten Weg bei der der Grund für die Abweichung nicht ausschließlich privat ist. Dies kann beispielsweise die Mitnahme eines Kollegen sein.“ – So ist es im Arbeitsrecht notiert, ich nehme nicht dauernd Kollegen mit, wenn ich mich auf Umwegen befinde, aber – ich weiß nicht so recht. Wozu Umwege? Spaziergänge, […]

Migräne (III)

Starke Schmerzen sind auch deshalb so unerträglich, weil sie alle Sinneseindrücke und damit jedes Verbundensein mit der Außenwelt kappen. Der Schmerz scheint sich wie ein schwerer Stein auf einen zu rollen, jede Flucht ist undenkbar. Seit ich fünf bin, habe ich Migräne. Und bis heute sind diese Schmerzen für mich eine Herausforderung. Wenn ich Glück […]

Zusammenkommen!

„Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort. Da kam plötzlich vom Himmel ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm dahinfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren…“ Mal davon abgesehen, dass die Bibel – hier ein Text aus der Apostelgeschichte – mit den besten ersten Sätzen aufwarten kann, eigentlich egal, […]

Verwackelt

Passiert zum Beispiel, wenn ich zu ehrgeizig bin. Oder wenn ich halbherzig etwas fertig mache, von dem ich schon ahne, dass es nicht so brillant wird, wie ich dachte. Oder wenn plötzlich das Klo fehlt, wie heute und gleich noch das Wasser dazu. War ein nahezu komplett verwackelter Tag. Aber jetzt ist Feierabend. Und morgen […]

Miteinander reden

Nein, nicht verrückt machen lassen von SMS oder E-Mails. Anrufen, reden. Das ist meine Erfahrung und heute einmal mehr, denn in der Schrift, vor allem in schnell geschriebener steckt Missverständnis. So bekam ich eben eine Mail mit einer Absage. Es sei zu wenig Zeit aus den und den veränderten Gründen und so fort. Ja, toll. […]

Das Leben genießen

Jedes Jahr, wenn das Wetter sich dem Sommer zuneigt, fällt es mir wieder ein: Ich kann mein Leben ja auch genießen – ? – ! Ja. Wenn es draussen warm genug ist, ohne Mantel und ohne Söckchen rumzulaufen, wenn der Himmel sein schönstes Blau trägt und die Blumen sich gegenseitig im Aufblühen überholen, geht mir […]

Sein und Schein

wer genauer hinschaut, sieht: die Übergänge sind fließend. Und längst nicht nur bei anderen. Fragt man sich nicht gelegentlich: Bin ich das wirklich (das muss ja nicht nur negativ gemeint sein)? Träumen oder wachen: und wer ist dann wo: mehr im Sein oder im Schein unterwegs. Bei dem Foto gefällt mir, dass, was da strucks […]

Der gelbe Mantel

Nein, keine Regenjacke. Ein Frühjahrsmantel. Knallgelb: zwischen Zitrone und Kanarienvogel. Was für ihn spricht: Ich kann ihn in die heimische Waschmaschine stecken. Und: er ist kurz, so dass ich mit ihm wohl auch Fahrrad fahren kann. Was dagegen spricht: alles andere. Und ich wollte wirklich so gar nicht in den Laden reingehen. Ich ahnte wohl […]

Vergessen und Verzeihen: Verzicht oder Gabe?

Svenja Flaßpöhler, Philosophin und freie Autorin, hat ein großes Thema vom eigenen Erleben her gepackt. Verzeihen ist keineswegs nur eine persönliche Angelegenheit. Verzeihen ist eine menschliche Fähigkeit, sie fußt in unseren Moralvorstellungen und bestimmt das politische Geschick von Gesellschaften. Verzeihen ist eine Grundkonstante des Lebens und der menschlichen Geschichte. Es gehört zu den schwierigsten Dingen, […]