Im Schatten der Melancholie

kann man wahrscheinlich nur sitzen, wenn es draußen so strahlend sonnig ist wie heute. Kein Zahnweh, das stört, keine Sorgen, kein Terminengpass, kein Streit, kein – nein, weit und breit kein Ungemach. Dennoch fühle ich mich wie unter einer Wolke. Ich denke daran, dass es das Kind, das ich einmal war nicht mehr gibt, obwohl ich noch lebe. Und dass es im Grunde auch keinen Zutritt mehr gibt in die eigene Kinderwelt. Denn die Gedanken laufen anders, ich habe ein ganz anderes Vokabular, einen anderen Horizont und viel mehr Erfahrungen. Ich bin ungelenker geworden, habe meine Stofftiere verraten, gelernt, vernünftig zu sein, was ja oft auch ein Segen ist. Wieso wusste ich das nicht, dass es keinen Weg zurück gibt? – Und das jetzt nur, weil ich meine Mutter vermisse?

Filed under: Allgemein

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 4

  1. Mion 5. Mai 2016

    Liebe Stephanie!
    Das innere Kind stirbt nie. Es ist immer da. Ich kann es in deinen Worten flehen hören. Es fleht nach deiner Liebe indessen du es endlich in den Arm nimmst und erkennst. Es schreit: “Hör‘ auf, so schrecklich Erwachsen(Entwachsen) sein zu wollen!“
    Besinne dich deiner Wurzeln. Dort sitzt und wartet dein inneres Kind.

    Hab Mut es zu sehen.

    Mut es zu teilen, hattest du schon.

    Alles Liebe
    Mion

    Gefällt mir

    • Stephanie Jaeckel 6. Mai 2016

      Ich habe mich vielleicht ein bisschen missverständlich ausgedrückt. Dieser Text wie der gesamte Blog sind persönlich – und auch so zu verstehen – aber nicht privat. Es mag sein, dass mein inneres Kind schreit, doch darum geht es mir nicht, bzw. ich wünsche das nicht in einer anonymen Öffentlichkeit verhandelt. Es geht mir hier darum, dass die Kinder, die wir einmal waren, verschwunden sind. Das war mir ein so plötzlicher Gedanke, denn Kinder verwandeln sich ja bloß, sie werden Erwachsene. Sie sterben nicht, sind aber trotzdem weg. Mal von denen abgesehen, die immer wieder nachkommen. Und dass diese Verwandlung umumkehrbar ist in dem Sinn, in dem ich mich zwar erinnern kann, jedoch immer nur aus meiner Warte als Erwachsene. Dieses Gefühl, wie alles gleichzeitig auf mich eingestürmt ist, als Drei- oder Vierjährige kann ich nur noch vage rekonstruieren. Wenn ich mich an diese frühen Zeiten überhaupt noch erinnere.

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