Rosen

waren die Lieblingsblumen meiner Oma. Bis zum Schluss humpelte sie auf ihr kleines Gartenstück im Innenhof einer großen Nachkriegssiedlung, um ihr Rosenspalier zu pflegen. Ich kann erst heute einschätzen, wie viel Arbeit das bedeutete. Und wenn ich überlege, kenne ich niemanden mehr, die oder der sich solch hochwachsende Rosenstöcke antut. Dabei sind Rosen schon toll, vor allem, wenn sie duften. Und die Vorstellung von einem Schloss, dass hinter Dornenhecken eingeschlafen ist, gefällt mir eigentlich auch.

Diese hier wachsen im Park von Sanssouci. Sie sehen wie eine kostbare und vor allem köstliche Nachspeise aus oder wie eine Kreuzung der beiden Rosenbüsche von Schneeweißchen und Rosenrot. Vielleicht waren die Rosen das Einzige, was sich meine Oma an arbeitstechnischem Luxus leistete. Sie war vierfache Mutter und musste den Krieg weitgehend ohne meinen Opa überstehen. Sie war als junge Frau und auch später wieder, als es im Wirtschaftswunderland stracks in den Wohlstand ging, stets berufstätig gewesen. Hausarbeit mochte sie nicht besonders, erledigte aber selbstverständlich ihre Pflichten. Als sie in Rente ging, hatte sie keine Hobbys. Sie freute sich über ihre Enkelkinder und darüber, nicht mehr in so einen engen Zeittakt eingespannt zu sein. Sie ging gerne wandern und in den Ferien wurde gereist. Am liebsten in die Berge. Kein Handschlag zu viel. Das war ihr schönstes Geschenk im Alter. Und die Rosen.

 

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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