Autor: Stephanie Jaeckel

Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Krähen

Nein, richtig warm ums Herz wird es mir nicht, wenn ich diese Vögel sehe. Aber ich habe die Segel gestrichen, was meine Aversionen angeht. Dafür gibt es hier in Berlin einfach zu viele. Und wenn man sie genauer anschaut, sind sie eigentlich ziemlich witzig. Heute zum Beispiel war enormer Wind auf den Start- und Landebahnen […]

Lernen?

Lao-tse schreibt, im Nicht-Tun liege die Kunst, weiter zu kommen. Er schreibt auch, dass wir besser nicht lernen. Das ist für uns heute schwer zu verstehen. Gerade Lernen und Wissen scheint nach wie vor der Schlüssel für eine bessere Welt und für eine gelungene berufliche Karriere zu sein. Der Staat investiert wieder in Schulen. Das […]

Don’t touch money

Bill Cunningham war in New York eine offizielle nationale Sehenswürdigkeit (seit 2009), in Frankreich wurde er mit dem Offiziersorden der Künste und der Literatur geehrt, zu Hause, im Gebäude der Carnegie Hall wohnte er in seinem Archiv. Letzten Monat ist er 87-jährig gestorben, bis zuletzt mit blauer Arbeiterjacke auf dem Fahrrad in Downtown Manhatten unterwegs, […]

Peinlich?

Heute mittag rief mich ein Freund im Büro an. Ich musste über die soziale Komponente von recycelter Kunststoffkunst schreiben, er war im Schwimmbad. Pfffff…. Als ich gerade wieder glaubte, zumindest eine halbe Formulierung an der Angel zu haben, rief er noch einmal an. Ob es etwas gebe, was mir zu kaufen peinlich wäre – !? […]

Tao-Tê-King

„Das heilige Buch vom Weg und von der Tugend“, wie die 81 chinesischen Sinnsprüche aus den ersten Jahrhunderten v.Chr. im Deutschen heißen, gehört zu den Schullektüren, die mich hoffnungslos überforderten. Vorgestern sah ich ein schmales Reclam-Bändchen in der Übersetzung von Günther Devon. Ich habe es gekauft und gelesen und war – um ehrlich zu sein […]

Rundgänge

Wer dort wieder ankommen will, von wo aus er oder sie losgegangen ist, muss rund gehen. Oder in einer Acht. Oder in Schleifen, Schlaufen, Kringeln. Nix zu machen. Der gerade Weg der Nase nach hat hier keine Chance. Als ich das Plakat sah, das übrigens für einen Rundgang durch die Sommerausstellung der Studierenden der UdK […]

Geheimnis

Gibt es überhaupt welche? Oder sind es eh nur Dinge, die uns nichts angehen? Geheim war ursprünglich etwas, was zum Heim, zum eigenen Haus gehörte, etwas Vertrauliches also oder Privates, worüber man nicht in der Öffentlichkeit sprach. Insofern würde es sich bei Geheimnissen tatsächlich um Dinge handeln, die wir an unseren Ohren vorbei rauschen lassen […]

Sommermelancholie

Eine Pause wünsche ich mir. Eine Pause vom Leben. Wie wenn man für eine Weile die Zeit anhalten könnte, und sich darin eine Nichtzeit auffalten, und die sich gut und lang anfühlen würde, in der nichts entschieden, nichts erledigt und nichts geschafft werden müsste. Ich würde so lange auf einem sonnigen Fenstersims oder an einem […]

Der Sonntagabend ist dem Montagmorgen die letzte Abfahrt

Wo doch der Sonntagabend oft mit goldenen Sonnenuntergängen schmeichelt, mit glücklichen Abendessen oder großen Ideen. Aber spätestens auf dem Weg ins Bett wird klar: morgen früh ist Montag. Nix zu machen. Und dann liegt tonnenschwer luftiges Gewicht auf der Brust, der Kaffee steht so weit wie die nächste Oase, die Pflichten rufen laut wie ein […]

Sommerferien

Die Schulkinder genießen die ersten freien Tage und mich befällt eine leichte Melancholie, wenn ich ihnen dabei zuschaue. Es ist eine Erinnerung an sehr ferne Zeiten, in denen ich sechs freie Wochen als ungeheuer viel Zeit und als großes Versprechen verstand. Zeiten, in denen meine Freude darüber wirklich ungetrübt war. Und ich erinnere mich an […]