Rundgänge

Wer dort wieder ankommen will, von wo aus er oder sie losgegangen ist, muss rund gehen. Oder in einer Acht. Oder in Schleifen, Schlaufen, Kringeln. Nix zu machen. Der gerade Weg der Nase nach hat hier keine Chance.

Als ich das Plakat sah, das übrigens für einen Rundgang durch die Sommerausstellung der Studierenden der UdK in Berlin geladen hat (ist leider schon vorbei), fiel mir auf, dass ich an meinem Schreibtisch ja mindestens einen Rundgang pro Monat produziere, denn ich schreibe Audioguides für Museen. Ich weiß noch, dass ich damals, als ich gerade mit dieser Arbeit anfing, nicht übel Lust hatte, das Publikum auf Abwege zu schicken. Ich fand es deprimierend, dass ich einen Trampelpfad vorgeben würde, auf dem dann alle Besucherinnen und Besucher die Objekte einer Ausstellung ablaufen würde. Nein. Ich habe mich nie getraut. Das höchste der Gefühle in Bezug auf Rebellion war, als ich in einer Kinderführung bei einem Exponat mehr Infos reingegeben habe als in die gleiche Station für Erwachsene. Perfide sagte der Sprecher am Ende des Tracks, die Kinder sollten doch mal ihre Eltern fragen. Haha. Ich hab‘ mir jedenfalls gewünscht, dass die Eltern platt sein würden.

Mittlerweile ist die Gerätetechnik ausgefeilter und es geht immer weniger um Rundgänge, als um Infos an bestimmten Stellen. Das gefällt mir besser. Obwohl es natürlich dabei bleibt, dass die Hörer/innen erst im Laufe der Begehung mehr erfahren und so Schritt für Schritt in das Thema eingeführt werden. Schade ist bei dieser Arbeit eigentlich auch, dass die Audioguides immer schon fertig sein müssen, wenn es losgeht. Wie viel spannender wären die Texte, wenn man mit Besucher/innen sprechen könnte, ihre Fragen oder Interessen aufnehmen oder ihre Fantasien weiter spinnen könnte. Vielleicht ist das aber einfach ein anderes Produkt. Ein Hörspiel nach der Ausstellung. Das man sich später runterladen kann, um sich an einen schönen Nachmittag im Museum zu erinnern.

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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