Autor: Stephanie Jaeckel

Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Am Himmel:

Wolken mit Regen. Am Mikrofon: Rodrigo Santa Maria mit Band. Noch Fragen? Morgen, Freitag, 12.08.16 ab ca. 21:00 in „Meneses Werkstatt“, Berlin-Kreuzberg, Schlesische Str. 20, 2. Hinterhof links. Viva!

Verloren

Ich habe schon eine ganze Fotoserie verlorener Stofftiere. Sie baumeln an Bäumen, liegen auf Simsen oder Mülltonnen, oder auf einem Sperrmüllberg und sehen tatsächlich ein bisschen tot oder halbtot aus, weil sie mir nichts, dir nichts aus ihrem Kuschelalltag rausgefallen sind. Sie leben ja nur durch die Ansprache. Ein Stofftier ohne Gegenüber ist nicht nur […]

Sonne aus der Vase

Und dann ganz schwarze Gedanken: Was sind Lebenslügen? Und sitze ich vielleicht selbst einer auf? Es geht dabei gar nicht darum, mit einem Abitur zu prahlen, das man nie gemacht hat oder mit einem gekauften Kuchen, den man als selbstgemacht deklariert (gar nicht so einfach). Lebenslügen schleichen sich ins tägliche Denken, Empfinden oder Beobachten ein […]

Gedanken beim Sackhüpfen

Ständig kommt ein neuer angewutscht, und wenn ich ihn packen und weiterdenken will, kommt schon der nächste. So wollte ich über den heutigen Welterschöpfungstag schreiben und daran erinnern, dass man alles sparen kann, Strom, Wasser, Essen, Papier, und, und, und, damit für die nächste Generation noch was übrig bleibt, bzw. nachwachsen kann. Dann las ich […]

Musik wie ein guter Espresso

Keine Lust, weil es draußen regnet? Seit gestern gibt es Sommer für die Ohren: Rodrigo Santa María und Band haben ihre dritte CD in Deutschland herausgebracht: Todo o nada. Stark, elegant, wild, zart, laut, mit Karacho und Zurückhaltung, Lieder und Instrumentalstücke in ziemlich großer Besetzung: Gitarre, Bass, Schlagzeug, Schlagwerk, Klavier, Trompete, Saxofon, Flöte, Oboe, Klarinette, […]

Warum Fotos glücklich machen,

können wir gerade bei „Zeit-online“ lesen. Zugegeben, dort ist von Urlaubsfotos die Rede, aber ich würde mal sagen, ob Urlaub oder Alltag, das Glück ist gleich groß. Gemeinhin gilt ja das Vorurteil, das knipsende Menschen oberflächlich sind und statt zu gucken oder mal fünf Minuten irgendwo zu sein, schnell ein Foto machen und wieder abdüsen. […]

Der Traum von einem leeren Zimmer

Jedes Mal, wenn Freunde oder Freundinnen umziehen, beschleicht mich eine leichte Wehmut. Noch einmal neu anfangen. In ein leeres Zimmer ziehen, die ersten Tage vielleicht nur auf einer Matratze zwischen unausgepackten Kisten leben, improvisieren, neue Ideen am laufenden Band entwickeln, wie das nun alles einzurichten wäre. Zufällig auf Dinge stoßen, etwas geschenkt bekommen, einen Lieblingssessel […]

Krähen

Nein, richtig warm ums Herz wird es mir nicht, wenn ich diese Vögel sehe. Aber ich habe die Segel gestrichen, was meine Aversionen angeht. Dafür gibt es hier in Berlin einfach zu viele. Und wenn man sie genauer anschaut, sind sie eigentlich ziemlich witzig. Heute zum Beispiel war enormer Wind auf den Start- und Landebahnen […]

Lernen?

Lao-tse schreibt, im Nicht-Tun liege die Kunst, weiter zu kommen. Er schreibt auch, dass wir besser nicht lernen. Das ist für uns heute schwer zu verstehen. Gerade Lernen und Wissen scheint nach wie vor der Schlüssel für eine bessere Welt und für eine gelungene berufliche Karriere zu sein. Der Staat investiert wieder in Schulen. Das […]

Don’t touch money

Bill Cunningham war in New York eine offizielle nationale Sehenswürdigkeit (seit 2009), in Frankreich wurde er mit dem Offiziersorden der Künste und der Literatur geehrt, zu Hause, im Gebäude der Carnegie Hall wohnte er in seinem Archiv. Letzten Monat ist er 87-jährig gestorben, bis zuletzt mit blauer Arbeiterjacke auf dem Fahrrad in Downtown Manhatten unterwegs, […]