Autor: Stephanie Jaeckel

Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Hoffnung statt Angst

Was mir imponiert hat bei dem gestrigen Anschlag in München: Wie schnell alle reagiert haben. Dass die Polizei sofort getwittert hat und so eine große Zahl an Menschen erreichen konnte, dass die Münchner/innen solidarisch waren und ebenfalls sofort fremden Menschen in ihren Wohnungen oder wo auch immer Zuflucht angeboten haben. Statt in Angst zu erstarren, […]

Zum in die Wand meißeln

Ich hab’s mir ausgedruckt, dieses fantastische Zitat, jedoch zu notieren vergessen, wo es zu lesen war. Ein Artikel in „Zeit-online“, vorgestern vielleicht. Es ist eine Bestätigung von meiner eigenen Erfahrung, die ich gegen das immer wieder sich aufbäumende Schlechte Gewissen verteidige: >Wenn ihr zu hart arbeitet, werdet ihr immer in dieselbe Richtung gehen<, sagte der […]

Echte Äpfel

vom echten Apfelbaum im Schrebergarten duften. Die zwei kleinen Früchtchen reichen schon, um meine – zugegeben auch kleine – Küche olfaktorisch zu veredeln (jawoll). Und am Freitag gibt es ein Körbchen voll für Kuchen und Kompott. Echte Äpfel reichen an manchen Tagen wirklich schon zum ganz großen Glück.

Stille Lektüre

„Die Annäherung“, der neue Roman der österreichischen Schriftstellerin Anna Mitgutsch ist in diesem Frühjahr erschienen. Ein Buch, das mich nicht aus dem Lesesessel wirft, das ich jedoch beharrlich wieder zur Hand nehme. So viel ist darin geschrieben von Dingen, die ich bestens kenne, vielleicht könnte man sagen, es ist ein Buch für die midlife-people, die […]

Lebenszeit

In letzter Zeit höre ich dieses Wort häufiger von Menschen, die eine beachtliche Karriere geschafft haben und plötzlich – scheinbar ohne Grund – das Handtuch schmeißen. „Lebenszeit“ heißt es dann oft, sei wichtiger als Geld oder berufliches Fortkommen. An Sonntagabenden wie diesem spüre ich gelegentlich die Weite der Lebenszeit, wenn es mir gelingt, aus allen […]

Noch so ein grauer Tag,

an dem ich nicht weiß, welche Gefühle ich eigentlich habe. Mein Mitgefühl für die Menschen in der Türkei, Ratlosigkeit, Wut über die willkürliche Politik, Fragen, wo es hingeht, was man sich wünschen soll und wo die Hoffnung herkommen könnte. Dieser Sommer ist kein unbeschwerter.

Freiheit ist nicht verhandelbar

Es mag ein idiotischer Zufall gewesen sein. Ein Mann mit blinder Zerstörungswut, ein Feiertag als gute Gelegenheit, das heißt, kein Terroranschlag. Trotzdem ist der Massenmord in Nizza gestern Abend ein terroristischer Akt. Wo ein einzelner die Menschen aus purer Wut terrorisiert, tötet, den Überlebenden die Angst in den Knochen stecken lässt, die Angehörigen mit Trauer […]

Die Erfindung der Natur

Lange war Natur einfach nur. Als sich die Menschen anschickten, sie genauer zu betrachten und zu verstehen, war sie schon auf dem Rückzug. Bereits im 17. Jahrhundert hatte man verschiedene Tierarten ausgerottet und wusste es auch. Doch erst Alexander von Humboldt, jener „letzte Universalgelehrte“ Europas, als der er in den Jahrzehnten nach seinem Tod auch […]