Stille Lektüre

„Die Annäherung“, der neue Roman der österreichischen Schriftstellerin Anna Mitgutsch ist in diesem Frühjahr erschienen. Ein Buch, das mich nicht aus dem Lesesessel wirft, das ich jedoch beharrlich wieder zur Hand nehme. So viel ist darin geschrieben von Dingen, die ich bestens kenne, vielleicht könnte man sagen, es ist ein Buch für die midlife-people, die nicht mehr jung sind, deren Eltern betreut werden müssen, die Bekanntschaft mit dem oft ausländischen Pflegepersonal machen und die noch einmal einen neuen Bezug zu Vater und Mutter suchen. Die eigenen Lebensperspektiven laufen leer oder in unvermutete Richtungen, alte Wunden brechen wieder auf, das gelebte Leben frisst Hoffnungen und Utopien. Enkel halten die Phantomschmerzen ihrer Großeltern aus, Partnerschaften, Freundschaften, die Liebe zu den Kindern stehen urplötzlich zur Debatte, scheinbar aus keinem anderen Grund, als dem, dass Zeit vergeht.

Ich mag das Buch an dieser Stelle nicht besprechen, zumal ich es noch nicht zu Ende gelesen habe. Ich empfehle es für Menschen, die gerade mit ihren alten Eltern zu tun haben, denn es erzählt von beiden Seiten, in diesem Fall vom alten Vater und der fast schon alten Tochter. Nein, es ist kein Buch, das Mut macht. Es ist eher melancholisch. Aber es zeigt, wie viel wir voneinander immer und immer wieder missverstehen. Und vielleicht bringt es uns mit dieser Erkenntnis zu einem besseren und vor allem zu einem liebevolleren Blick auf unsere Nächsten.

 

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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