Lernen?

Lao-tse schreibt, im Nicht-Tun liege die Kunst, weiter zu kommen. Er schreibt auch, dass wir besser nicht lernen. Das ist für uns heute schwer zu verstehen. Gerade Lernen und Wissen scheint nach wie vor der Schlüssel für eine bessere Welt und für eine gelungene berufliche Karriere zu sein. Der Staat investiert wieder in Schulen. Das sichere die Zukunft.

Wenn ich mich betrachte, kann ich nur staunen. Was habe ich nicht alles gelernt (und wie schade, wenn nachher alles im Sarg liegt)! Aber es gibt auch Dinge, an denen scheitere ich. Zahlen zum Beispiel, und Noten. Nix zu machen. Ich bin bei Handarbeiten ungemein begrenzt begabt, habe aber mit meinen beiden linken Händen leidlich alle möglichen Formen von Hausarbeit (bis hin zur Königsdisziplin des Backens) gelernt.

Dennoch denke ich, dass es Grenzen gibt. Und hier ist die Frage: Dranbleiben oder delegieren? Soll ich wirklich denken, dass ich alles kann, wenn ich mich nur richtig darum bemühe? Oder stehe ich mir damit im Weg und überschätze mich maßlos? O.K. – wenn’s ums Überleben geht, würde ich wohl alles tun. Und ich habe auch schon die Erfahrung gemacht, dass ich etwas schaffe, wenn ich nicht locker lasse. Aber ich weiß auch, dass Können mit Leichtigkeit einhergeht. Das ist eindeutig was anderes. Auch kommt mir der Verdacht, wenn jeder alles kann, muss niemand mehr etwas für einen anderen tun. Die große Autonomie ist das Ende von Teamwork. Oder? Pffff. Was für Fragen an einem Sonntagabend…

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 2

  1. tomas bächli 1. August 2016

    Huch Stephanie, das mit dem Noten lesen! Ich kann es ja auch nicht besonders gut, wenn ich prima Vista spiele,dann improvisiere ich weitgehend mit dem Resultat dass, wenn der Komponist was interessantes komponiert hat,ich dann etwas uninteressantes spiele. Kein Mensch muss müssen,aber Noten lesen ist nicht schwieriger als Schreibmaschine schreiben was mit allerdings immer noch schwer fällt….

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    • Stephanie Jaeckel 1. August 2016

      Prima Vista, ich glaub’s Dir! Aber Du erkennst aus diesen tausend Köpfchen, die da in den Notenlinien hängen wie zum Abflug bereite Schwalben, eine Musik, wenn Du in Ruhe drauf schaust. Das ist – ich schwöre – ungleich komplexer als Schreibmaschine schreiben: da bleiben schließlich die Tasten auf ihren Plätzen. Es würde wahrscheinlich Jahre dauern, bis ich das drauf habe. Eigentlich ist das ja auch egal. Es geht eher um die Organisation des eigenen Könnens: Lasse ich etwas aus, oder versuche ich alles? Wahrscheinlich ist es sogar Typ-Sache. Mir geht es darum, ob ich noch etwas hier und da in Angriff nehme, oder ob ich es getrost anderen überlassen soll.

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