Neuanfang

Damals war die Gitarre für mich ein Kompromiss. Denn eigentlich wollte ich Klavier lernen. Dann war lange gar nichts. Ich hatte sogar zugestimmt, als mein Vater das Instrument verschenken wollte. Zum Glück hat das nicht geklappt. Denn als ich die Gitarre gestern zum ersten Mal seit Jahren wieder ausgepackt habe, war ich doch erstaunt, wie gut sie klingt. Viel Geld hatten meine Eltern nie, aber das scheint ein ganz gutes Instrument zu sein. Jetzt habe ich also wieder eine Gitarre und werde damit zum Unterricht gehen. Ich freue mich schon.

Sommer

ich hatte das gar nicht so im Blick, aber dieses Wochenende zum Sommerbeginn war perfekt für einen Kurzurlaub mit Freundinnen. Wie schön es draußen gerade ist, kann ich kaum beschreiben (und fast nicht glauben: es scheint mir der schönste Frühling und Sommerbeginn seit langer Zeit). Und die kürzeste Nacht auf einer lauschigen Terrasse zu verbringen, auf einem Hügel mit sensationellen Blick ins Land und Wald rundherum war auf eine Art unspektakulär und gleichzeitig wirklich wie ein Traum. Wie so oft merke ich erst hier, wie dringend ich eine kleine Auszeit gebraucht habe. Jetzt bin ich heilfroh. Und müde.

Das gibt es also auch!

So denke ich oft, wenn ich mal aus Berlin weg bin, und abends im Dorf sitze oder in einer Kleinstadt. Heute kommt: Wie schön! dazu. Die Sonne scheint, die Bienen brausen, in den Bäumen erzählen sich die Vögel was. Sonst ist wirklich nix zu hören. Kein Auto, kein Flugzeug, keine telefonierenden Passanten. Und die Katze macht es mir vor: Ausstrecken und genießen. Was für schöne Aussichten für ein langes Wochenende!

Wer frei sein will,

müsse seine Eltern enttäuschen. So oder ähnlich habe ich es in den letzten Tagen gleich mehrmals gelesen (wahrscheinlich war ich dusselig genug, drei oder viermal über denselben Artikel zu fallen). Habt Ihr diese Erfahrung gemacht – oder ist das eher ein Trost für Leute, die sich mit ihrer Familie schwer tun?

Schreckensträume

Das kenne ich schon. Wundere mich aber trotzdem: wenn es mir gut geht, stürze ich nachts in tiefste Schächte. Mir wird Leid zugefügt, ich werde gejagt und geschlagen. Viele Dinge passieren zum wiederholten Mal. Manchmal so schlimm, dass ich den ganzen Tag brauche, wieder auf die Beine zu kommen. Und mich wundere. Denn im Sonnenschein betrachtet ist alles gut.

Wohnen – Fortsetzung

Ja, das Thema lässt mich noch nicht los. Also, mal schauen, was Google so sagt: „Schöner Wohnen“ – hahaja. Hätte ich mir denken können. Aber dann kann ich doch noch staunen: Wohnen kommt aus dem Althochdeutschen, wo „wonên“ zufrieden sein bedeutet, bleiben, sein. Ansässig sein, am Ort sein, ja, eben: bleiben. Das heißt, es ist nicht nur die Hülle, die ich um mich lege, mein privatester Rückzugsort (den es früher so nicht gab, der also eine relativ neue, bürgerliche Idee ist), sondern auch die Tatsache der Sesshaftigkeit. Der Ort, von dem aus ich in die Welt gehe. Und an den ich zurückkehre.

Vielleicht frage ich mich deshalb, weil ich merke, dass ich kein besonders sesshafter Mensch bin (naja, so tief im Innern). Meine letzte Reise in den USA hat mir wieder gezeigt, wie gerne ich unterwegs bin. In Bewegung ist mir näher als sesshaft.

Gleichzeitig habe ich in den letzten Wochen gemerkt, dass meine Wohnung ein guter Ort für mich ist. Ich lebe gleich hinter einem kleinen Weinberg, am Fuß des Kreuzbergs, mitten in der Stadt und doch direkt im Grünen.

Weiter lese ich übrigens, dass es nicht in allen Sprachen ein eigenes Wort für „wohnen“ gibt, im Englischen heißt es schlicht und ergreifend „leben“. Und ich überlege, welchen Unterschied es macht, zu sagen, „ich lebe hier“ oder „ich wohne hier“ – da kommt eben doch „Schöner Wohnen“ wieder ins Spiel. Wieviel Elan möchte ich in eine schöne Wohnung investieren? Ist die Wohnung der Spiegel meiner Seele, und wenn ja – !? Geborgenheit spielt hier tatsächlich eine Rolle, Wohlfühlen, Zufriedenheit, zur Ruhe kommen.

Vielleicht ist die Wohnung auch ein Ort, an dem ich meine persönliche Idee von Schönheit oder Angemessenheit verwirklichen kann. Oder von Schönheit und Angemessenheit, weil mir Luxus (oder „Verschwendung“) im Zusammenhang mit dem eigenen Wohnen überflüssig erscheint. Die Frage, wenn ich etwas schöner machen will, lautet jedenfalls immer: „Brauche ich das wirklich?“ Und dann tendiere ich mal zu „ja“ und öfters noch zu „nein“. In so richtig schönen Wohnungen sehe ich jedoch, wie sensationell diese räumliche Schönheit auf mich wirkt. Es ist, als bekomme ich erst den nötigen Raum, um ich zu sein. Es ist dann so, als würde ich schöner und größer – ganz ohne mein Zutun. Also – …?

Füchse wohnen nur, wenn sie Kinder bekommen, wie viele andere wilde Tiere auch.

Wohnst Du schon?

Blöde Frage, oder? Aber doch. Ich stelle sie mir auf eine Art regelmäßig. Indem ich mich frage: Was bitte, heißt wohnen eigentlich?

Meistens reicht es ja, nachts oder außerhalb der Bürozeiten ein Dach über dem Kopf zu haben, ein Bett und einen Herd, das Bad nicht zu vergessen – und die Heizung.

Und dann überlege ich: Wäre das schon ein „zu Hause“? Oder brauche ich das überhaupt? Und wenn, wie sollte es aussehen?

Ich liebe schöne Häuser und tolle Wohnungen (wobei „toll“ alles Mögliche sein kann, von alt und schäbig und unaufgeräumt, bis minimalistisch, riesig oder einfach geschmackvoll). Gute Architektur begeistert mich, kluge oder auch witzige Inneneinrichtungen ebenfalls.

Wenn ich dann meine Wohnung anschaue, schüttele ich manchmal den Kopf? Wirklich, denke ich, oder: Da geht doch mehr! Aber dann frage ich mich, wo das Limit ist. Wie wichtig ist es denn, „schön“ zu wohnen? Wie hoch kann ich meinen Anspruch schrauben, ohne – (ja, was eigentlich?)

Deshalb die Frage: was ist wohnen? Habt Ihr eine Antwort?

Autopilot

Kaum liegt wieder Arbeit auf meinem Schreibtisch, schalte ich um. Ohne es zu merken. Das Papier, was sich türmt, wird sofort zum Zentrum meines Lebens. Das hat natürlich gute Gründe. Aber hatte ich nicht gerade Zeit, den Wert der Langsamkeit neu zu schätzen? Ich versuche, zumindest morgens erst eine Weile auf der Bettkante zu sitzen, bevor ich losstürme. Und den ersten Kaffee am offenen Fenster zu trinken. Ohne dabei etwas zu erledigen.