müsse seine Eltern enttäuschen. So oder ähnlich habe ich es in den letzten Tagen gleich mehrmals gelesen (wahrscheinlich war ich dusselig genug, drei oder viermal über denselben Artikel zu fallen). Habt Ihr diese Erfahrung gemacht – oder ist das eher ein Trost für Leute, die sich mit ihrer Familie schwer tun?
Schreckensträume
Das kenne ich schon. Wundere mich aber trotzdem: wenn es mir gut geht, stürze ich nachts in tiefste Schächte. Mir wird Leid zugefügt, ich werde gejagt und geschlagen. Viele Dinge passieren zum wiederholten Mal. Manchmal so schlimm, dass ich den ganzen Tag brauche, wieder auf die Beine zu kommen. Und mich wundere. Denn im Sonnenschein betrachtet ist alles gut.
Wohnen – Fortsetzung
Ja, das Thema lässt mich noch nicht los. Also, mal schauen, was Google so sagt: „Schöner Wohnen“ – hahaja. Hätte ich mir denken können. Aber dann kann ich doch noch staunen: Wohnen kommt aus dem Althochdeutschen, wo „wonên“ zufrieden sein bedeutet, bleiben, sein. Ansässig sein, am Ort sein, ja, eben: bleiben. Das heißt, es ist nicht nur die Hülle, die ich um mich lege, mein privatester Rückzugsort (den es früher so nicht gab, der also eine relativ neue, bürgerliche Idee ist), sondern auch die Tatsache der Sesshaftigkeit. Der Ort, von dem aus ich in die Welt gehe. Und an den ich zurückkehre.
Vielleicht frage ich mich deshalb, weil ich merke, dass ich kein besonders sesshafter Mensch bin (naja, so tief im Innern). Meine letzte Reise in den USA hat mir wieder gezeigt, wie gerne ich unterwegs bin. In Bewegung ist mir näher als sesshaft.
Gleichzeitig habe ich in den letzten Wochen gemerkt, dass meine Wohnung ein guter Ort für mich ist. Ich lebe gleich hinter einem kleinen Weinberg, am Fuß des Kreuzbergs, mitten in der Stadt und doch direkt im Grünen.
Weiter lese ich übrigens, dass es nicht in allen Sprachen ein eigenes Wort für „wohnen“ gibt, im Englischen heißt es schlicht und ergreifend „leben“. Und ich überlege, welchen Unterschied es macht, zu sagen, „ich lebe hier“ oder „ich wohne hier“ – da kommt eben doch „Schöner Wohnen“ wieder ins Spiel. Wieviel Elan möchte ich in eine schöne Wohnung investieren? Ist die Wohnung der Spiegel meiner Seele, und wenn ja – !? Geborgenheit spielt hier tatsächlich eine Rolle, Wohlfühlen, Zufriedenheit, zur Ruhe kommen.
Vielleicht ist die Wohnung auch ein Ort, an dem ich meine persönliche Idee von Schönheit oder Angemessenheit verwirklichen kann. Oder von Schönheit und Angemessenheit, weil mir Luxus (oder „Verschwendung“) im Zusammenhang mit dem eigenen Wohnen überflüssig erscheint. Die Frage, wenn ich etwas schöner machen will, lautet jedenfalls immer: „Brauche ich das wirklich?“ Und dann tendiere ich mal zu „ja“ und öfters noch zu „nein“. In so richtig schönen Wohnungen sehe ich jedoch, wie sensationell diese räumliche Schönheit auf mich wirkt. Es ist, als bekomme ich erst den nötigen Raum, um ich zu sein. Es ist dann so, als würde ich schöner und größer – ganz ohne mein Zutun. Also – …?
Füchse wohnen nur, wenn sie Kinder bekommen, wie viele andere wilde Tiere auch.
Wohnst Du schon?
Blöde Frage, oder? Aber doch. Ich stelle sie mir auf eine Art regelmäßig. Indem ich mich frage: Was bitte, heißt wohnen eigentlich?
Meistens reicht es ja, nachts oder außerhalb der Bürozeiten ein Dach über dem Kopf zu haben, ein Bett und einen Herd, das Bad nicht zu vergessen – und die Heizung.
Und dann überlege ich: Wäre das schon ein „zu Hause“? Oder brauche ich das überhaupt? Und wenn, wie sollte es aussehen?
Ich liebe schöne Häuser und tolle Wohnungen (wobei „toll“ alles Mögliche sein kann, von alt und schäbig und unaufgeräumt, bis minimalistisch, riesig oder einfach geschmackvoll). Gute Architektur begeistert mich, kluge oder auch witzige Inneneinrichtungen ebenfalls.
Wenn ich dann meine Wohnung anschaue, schüttele ich manchmal den Kopf? Wirklich, denke ich, oder: Da geht doch mehr! Aber dann frage ich mich, wo das Limit ist. Wie wichtig ist es denn, „schön“ zu wohnen? Wie hoch kann ich meinen Anspruch schrauben, ohne – (ja, was eigentlich?)
Deshalb die Frage: was ist wohnen? Habt Ihr eine Antwort?
Autopilot
Kaum liegt wieder Arbeit auf meinem Schreibtisch, schalte ich um. Ohne es zu merken. Das Papier, was sich türmt, wird sofort zum Zentrum meines Lebens. Das hat natürlich gute Gründe. Aber hatte ich nicht gerade Zeit, den Wert der Langsamkeit neu zu schätzen? Ich versuche, zumindest morgens erst eine Weile auf der Bettkante zu sitzen, bevor ich losstürme. Und den ersten Kaffee am offenen Fenster zu trinken. Ohne dabei etwas zu erledigen.
Nachbarn für alle!
Ein Gewinn des Corona-Lockdowns sind für mich meine Nachbarinnen und Nachbarn. Während ich sie meist nur kurz aus oder ins Haus eilen sehe, waren sie in den letzten Monaten auch schon mal im Hof: Homeoffice mit kurzen Kaffee- oder Zigarettenpausen, und wer da wie ich nicht nur Fenster zum Hof hat, sondern auch noch im ersten Stock, kann sich aufs Fensterbrett lehnen und einen kleinen Plausch beginnen. Wer hier alles wohnt! Hatte ich geahnt, dass eine Nachbarin aus der DDR ausgewiesen wurde, weil sie für Wolf Biermann unterschrieben hatte? Oder dass ein Nachbar ein Fernstudium in Psychologie begonnen hat. Oder wie die Tochter einer Nachbarin die Zeit bis zum Studienbeginn überbrückt (sie schafft es tatsächlich, Jobs zu bekommen, und sie lernt Niederländisch, weil sie ins Nachbarland gehen wird). Wow. Und dann haben wir einen noch relativen Neuzugang. Auch ihn sehe ich selten. Auf dem Foto ist es der junge Mann links. Einer der Gitarre spielt, und das bei schönem Wetter auch mal im Hof und dann: Wumms! WIE TOLL IST DAS DENN!? Klassische Gitarre, die, wie ich mich auf einmal erinnere, auch zu meiner Kindheit gehört, denn ich hatte tatsächlich (und lange fest vergessen) Gitarrenunterricht, na so was.
Er heißt Nicolas Haumann und spielt nicht nur selbst fantastisch, sondern hat mit einem Freund eine Plattform im Internet gegründet: Open Strings Berlin: Hier kann man für kurze (und lange) Pausen eintauchen, und Gitarrenmusik vom Feinsten hören – und für die Augen: in sensationell ausgewählten Ambiente sehen. Was für ein Vergnügen! Für mich sind die Stücke frisch wie ich sie nie und nimmer in Erinnerung hatte. Zeitlose Musik, und eine, die es sofort in mein Herz schafft. Ohne Kennerschaft, d.h. ohne zu wissen, wann, woher, von wem (auch wenn mich das natürlich interessiert und ich später alles nachschaue). Wer also einen langen Montag, eine lange Woche oder einen noch längeren Juni vor sich hat, kann ja mal vorbeischauen. Wer neugierig ist oder Gitarrenmusik sowieso und schon immer liebt, sowieso + viel Vergnügen!
P.S. Das Foto ist von Erik Anton Reinhardt
Sorgen ziehen Sorgen nach
Keine Frage: Aktuell ist keine Zeit, mit leichtem Herzen durch die Welt zu laufen. Wer Pläne für dieses Jahr hatte, sieht sie wahrscheinlich durchkreuzt, wer neue Pläne macht, steht auf wackelndem Boden. Andererseits gibt es auch dies: wer sich – wie Gemeinden oder Museen – erst sorgte, dass keine Tourist/innen, Besucher/innen kommen, sieht sich jetzt mit einem Ansturm derselben konfrontiert und – ja, wer sich sorgt, sorgt sich halt.
Ansonsten ist Berlin in den Nebenstraßen nach wie vor ruhig und grün. Ich habe gestern einen Spaziergang von der Museumsinsel zurück nach Kreuzberg gemacht und die Stadt war so friedlich wie kaum sonst – allerdings mit der Einschränkung, dass meist nicht mal 20 Meter entfernt der olle Bär schon wieder tobte.
Awesome Blogger Award
Und gleich vorab: Die hinreißende Zeichnung stammt von Jette von Bodecker!
Als ich mit dem Bloggen anfing, wurden gerade „Stöckchen“ geworfen. Jede/r der oder die eins bekam, gab ebenfalls fünf weiter, so dass Blogleser/innen von ihren Lieblingsblogger/innen Anregung bekamen, auch mal woanders zu stöbern. Eine tolle Idee, die natürlich auch Zeit kostet, und irgendwann möglicherweise auszuufern droht. Der Awesome Blogger Award funktioniert nach dem gleichen Prinzip, ich habe ihn von Juliane alias „Carlie“ https://waskannmanmachen.wordpress.com bekommen und freue mich. Einmal, weil ich so gerne Fragen beantworte (und auch stelle), zum anderen, weil ich gerne noch mal auf meine Blog-Weggefährt/innen hinweisen möchte, die mir im Laufe der Jahre ans Herz gewachsen sind. Natürlich sind es weit mehr als fünf.
Bevor ich sie nenne, noch einen herzlichen Gruß an „Carlie“: Ihr Blog ist sehr erfrischend, gerade auch sprachlich, was mir mehr als gut gefällt. Die Idee von der „Inneren Erwachsenen“ hat mich laut lachen lassen, Ihr Lieblingsgegenüber (stimmt das?) als „Du“ zu benennen, macht die Texte auf eine Art luftig, und damit größer, dass es ein bester Kniff ist, vielleicht auch für sich selbst Situationen mit dem/der Liebsten zu klären oder einfach mal zu beschreiben. Liebe „Carlie“, auch wenn Dich das möglicherweise überrascht, aber ich denke, Du bist schon längst „groß“, sogar „sehr groß“…
Über den Award:
Der Awsome Blogger Award ist „eine Auszeichnung für die absolut wundervollen Schriftsteller auf der ganzen Welt des Bloggens. Sie haben hinreißende und wunderschöne Blogs, sind bezaubernd und liebenswürdig und finden immer einen Weg, dem Leben ihrer Leser Glück und Lachen zu verleihen. Das ist es, was einen großartigen Blogger wirklich ausmacht.“
Dazu noch eine Anmerkung von Carlie, die ich so weitergebe: „Ich habe versucht herauszufinden, wer den Award ins Leben gerufen hat. Auf einem anderen Blog wurde ein*e Blogger*in (?) namens Dreaming of Guatemala als Urheber*in genannt – ich konnte aber kein Blog dazu finden. Weiß jemand was?“
Regeln, um Teil des „Awesome Blogger Award“ zu sein:
– Danke der Person, die Dich nominiert hat.
– Kennzeichne den Beitrag mit #awesomebloggeraward.
– Beantworte die Fragen, die Dir gestellt wurden.
– Nominiere mindestens 5 Blogger und informiere diese über ihre Nominierung.
– Gib ihnen 10 neue Fragen zur Beantwortung.
- In welchem Moment warst du zuletzt abartig stolz auf dich?
Ich bin katholisch erzogen, dass Stolz zu meiden ist wie der Teufel, ist mir in Fleisch und Blut übergegangen… – „abartig stolz“ gehört also nicht wirklich in mein Repertoire. Davon abgesehen bin ich natürlich auch immer wieder unangemessen stolz auf mich. Zum Beispiel, als ich mir einen Kalender mit Collagen gebastelt habe. Der Kalender hängt jetzt für alle Besucher/innen sichtbar in meinem Zimmer. Bemerkungen dazu gab es noch keine. Ich nehme also an, dass mein Stolz und die Qualität der Collagen nicht wirklich in Balance sind… – ach, und gerade neulich, als mir das Foto vom Fuchs gelungen ist. Nicht „abartig“, aber doch sehr stolz bin ich, dass ich eine Kündigung Anfang des Jahres mit viel mehr Auftraggebern auffangen konnte. Da spielte Glück eine große Rolle, aber auch meine Hartnäckigkeit, etwas Besseres zu finden.
- Was sind die schönsten Dinge, die dir jemals gesagt wurden?
Kommt noch.
- Was ist dein stärkstes Körperteil und warum?
Im wörtlichen Sinn stark ist an meinem Körper nix. Ich bin zäh und ausdauernd, aber nicht wirklich stark. Ich mag meine Hände besonders gerne, vielleicht, weil ich mit denen am meisten realisieren kann, (Füße dito, ich bin eine große Läuferin).
- Wenn du unter Wasser leben würdest, welche Temperatur hätte das Wasser?
Ach, das müsste warm sein. Ich friere ja selbst im Schwimmbad manchmal beim Schwimmen. Das heißt, ich wäre eher im lichten Teil der Unterwasserwelt unterwegs, da wo die Sonne noch Wärme abgibt. Weiter runter, in die geheimnisvollen Tiefen käme ich nie. Dafür hätte ich viel zu gucken, denn da, wo es warm ist, ist auch mehr los…
- Was für ein Gebäude wärst du, mit welcher Funktion und mit welchen Eigenschaften (groß, klein, einstöckig, turmhoch, prunkvoll, modern, schlicht, große Fenster, verwinkelt, weitläufig, unterirdisch, trutzig…)?
Ich wäre eine Haus am Meer. Oder genauer: ein Haus am Pazifik. Größe und Luxus sind eigentlich egal. Es müsste ein Haus sein mit großen Fenstern, am besten an einem Hügel gelegen, wo der Blick frei über den Ozean schweifen kann – und mit Garten. Meine Bewohner/innen müssten sich geborgen und ganz bei sich selbst fühlen, alle Besucher/innen willkommen und mit dem Gefühl, hier ganz ohne Wenn und Aber glücklich sein zu dürfen.
- Wenn noch nichts auf der Welt entdeckt worden wäre, was würdest du gerne entdecken – und wie?
Das große Alter der Erde. Wie Darwin: Durch Beobachten und scharfes Kombinieren.
- Was würde dein Teenager-Ich an deinem heutigen Ich bewundern – und umgekehrt?
Dass ich in Berlin ein gutes Leben führe – das hätte ich mir als Teenager nicht träumen lassen. Und dass ich mit Schreiben mein Geld verdiene. Umgekehrt? Dass ich die Schule so unbeschadet überstanden habe.
- Was ist dein liebster Gegenstand und warum?
Einen liebsten Gegenstand habe ich nicht, besonders lieb sind mir Erinnerungsstücke, die ich von Reisen mitbringe und ein Ölbild, das ich völlig überraschend von einem Freund geschenkt bekommen habe.
- Ein außerirdisches Wesen materialisiert sich in deinem Zimmer. Reagierst du mit einem Frontalangriff, einem Friedensgeschenk oder ganz anders?
Im Fall von Mister Spock reagiere ich mit hysterischer Begeisterung. Im Fall unbekannter Lebensformen sicher eher mit gebotener Vorsicht und großer Neugier: ich würde versuchen, mit dem Wesen Kontakt aufzunehmen. Unbedingt friedlich, auch wenn das mein Ende wäre. Ich wäre irre aufgeregt und auch ängstlich, würde die Begegnung aber auch als großes Erlebnis schätzen.
- Was löst dieses Bild in dir aus? https://artsandculture.google.com/asset/while-you-are-sleeping/-gG-5sCY0gbDZg
Im Moment träume ich viel und vor allem heftig. In der Figur sehe ich diesen Augenblick sich nach dem Hinlegen gleich schon wieder in eine Traumwelt aufzumachen. Schlafen als eine Tätigkeit, nicht so sehr als Pause, auch wenn wir meistens sehr erholt aus dem Schlaf zurückkehren. Die Skulptur löst also in mir das Gefühl aus, dass ich verstanden werde in meinen nächtlichen Exkursionen. Dass es mindestens einem Menschen genauso geht. Schön!
Die von mir Nominierten:
„Manni“, von https://mannigfaltiges.wordpress.com, der mir vor allem als „Knipser“, wie er sich selbst nennt, große Freude macht – In wirklicher Wahrheit heißt er übrigens Erich…
Maren von https://orteundmenschen.wordpress.com zeigt mir seit Jahren, wie groß die Welt ist, vor der eigenen Tür und gaaaanz weit weg…
https://hicemusic.wordpress.com ist für mich die tollste und vor allem abwechslungsreichste Musik-Plattform.
Auf https://karotinasblog.wordpress.com werde ich mit Einsichten aus dem Schrebergarten-Universum versorgt – gibt es bitte irgendwo ein Wurmloch?
Bei https://bloghuettenalm.wordpress.com von Mallibeau Mauswohn und dem schreibenden Kollektiv von der Alm kann ich einfach hemmungslos lachen: Wie schön!
Meine Fragen:
- Ein Leben ohne Blog: Vorstellbar? Beziehungsweise, was würde Dir fehlen?
- Wie unterscheidet sich Dein zu Hause von dem Deiner Freund/innen?
- Hast Du während des Lockdowns neue Seiten an Dir entdeckt?
- Was würdest Du sofort lernen, wenn Du genug Zeit oder Geld hättest?
- Welcher Mensch hat Dich am meisten geprägt – oder waren es mehrere?
- Was siehst Du als erstes, wenn Du zu Hause aus dem Fenster schaust?
- Hast Du oft Fernweh? Und wenn ja, wohin?
- Worauf freust Du Dich im Sommer?
- Wofür gibst Du gerne Geld aus?
- Hättest Du gerne (noch) ein Kunstwerk in Deiner Wohnung oder in Deinem Garten? Und wann ja, welches?
Die Nominierten werde ich im Laufe der nächsten Tage benachrichtigen – Jetzt muss ich nämlich schnell, schnell ins Büro. Keine/r muss antworten – aber natürlich wäre ich riesig gespannt…
I can’t breathe
Allen
ein frohes Pfingstfest.








