Nachbarn für alle!

Ein Gewinn des Corona-Lockdowns sind für mich meine Nachbarinnen und Nachbarn. Während ich sie meist nur kurz aus oder ins Haus eilen sehe, waren sie in den letzten Monaten auch schon mal im Hof: Homeoffice mit kurzen Kaffee- oder Zigarettenpausen, und wer da wie ich nicht nur Fenster zum Hof hat, sondern auch noch im ersten Stock, kann sich aufs Fensterbrett lehnen und einen kleinen Plausch beginnen. Wer hier alles wohnt! Hatte ich geahnt, dass eine Nachbarin aus der DDR ausgewiesen wurde, weil sie für Wolf Biermann unterschrieben hatte? Oder dass ein Nachbar ein Fernstudium in Psychologie begonnen hat. Oder wie die Tochter einer Nachbarin die Zeit bis zum Studienbeginn überbrückt (sie schafft es tatsächlich, Jobs zu bekommen, und sie lernt Niederländisch, weil sie ins Nachbarland gehen wird). Wow. Und dann haben wir einen noch relativen Neuzugang. Auch ihn sehe ich selten. Auf dem Foto ist es der junge Mann links. Einer der Gitarre spielt, und das bei schönem Wetter auch mal im Hof und dann: Wumms! WIE TOLL IST DAS DENN!? Klassische Gitarre, die, wie ich mich auf einmal erinnere, auch zu meiner Kindheit gehört, denn ich hatte tatsächlich (und lange fest vergessen) Gitarrenunterricht, na so was.

Er heißt Nicolas Haumann und spielt nicht nur selbst fantastisch, sondern hat mit einem Freund eine Plattform im Internet gegründet: Open Strings Berlin: Hier kann man für kurze (und lange) Pausen eintauchen, und Gitarrenmusik vom Feinsten hören – und für die Augen: in sensationell ausgewählten Ambiente sehen. Was für ein Vergnügen! Für mich sind die Stücke frisch wie ich sie nie und nimmer in Erinnerung hatte. Zeitlose Musik, und eine, die es sofort in mein Herz schafft. Ohne Kennerschaft, d.h. ohne zu wissen, wann, woher, von wem (auch wenn mich das natürlich interessiert und ich später alles nachschaue). Wer also einen langen Montag, eine lange Woche oder einen noch längeren Juni vor sich hat, kann ja mal vorbeischauen. Wer neugierig ist oder Gitarrenmusik sowieso und schon immer liebt, sowieso + viel Vergnügen!

http://openstringsberlin.com/

P.S. Das Foto ist von  Erik Anton Reinhardt

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 5

  1. Christian W. 8. Juni 2020

    das ist wirklich mächtig interessant, ich habe bei den Stringleuten noch ein bisschen herumgeklickt. So gerne ich auf dem Dorf lebe: Die engere Nachbarschaft in der City hätte *manchmal* auch ihre Reize.

    Gefällt 1 Person

    • Stephanie Jaeckel 9. Juni 2020

      Du sagst es – und bei mir ist es umgekehrt. Hier mitten in der Stadt wünsche ich mich oft genug aufs Land. Allerdings: Unser Hof ist wirklich Gold wert. Hin zu einem schönen Park gelegen, ist es abends ruhig und die Vögel geben Konzerte, wenn nicht Nico zur Gitarre greift…

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