Wenn ich ehrlich bin – seit zwei Jahren lese ich nicht mehr. Zumindest nicht mehr regelmäßig. Oder eher: nicht mehr regelmäßig in meiner Freizeit. Nach wie vor interessiere ich mich für Bücher. Ich kaufe sie sogar. Aber dann bleiben sie liegen. Ungelesen. Was ist passiert?
Zum einen werden meine Augen rasant schlechter. Ein bedrohlicher (und leider umumkehrbarer) Prozess. Ich bin Kunsthistorikerin und gerate regelmäßig in Panik. Kunst kann man selten hören… Verständlich, dass ich abends, nach dem Ende der Schreibtischarbeit selten zum Buch greife. Es ist schlicht zu anstrengend.
Aber es interessiert mich auch nicht mehr so viel. Eindeutig mehr Sachbücher liegen neben meinem Bett, ich kaufe kaum noch Romane. Manchmal denke ich, je älter ich werde, desto mehr fasziniert mich mein eigenes Leben. Die Tage und Nächte werden beim Älterwerden kurz und kürzer, und ich habe Mühe, alles reinzupacken, was ich mir vorgenommen habe. Außerdem schaue ich eindeutig lieber Filme als früher. Und mehr Zeit gibt es leider nirgendwo.
Lasse ich mich nicht mehr genug auf andere Weltsichten ein? Werde ich bequem? Faul sogar? Ist es einfach eine Phase? Sollte ich auf Hörbücher umsteigen? Immerhin habe ich auf der Rückfahrt aus Köln ein Buch in einem Rutsch in der Bahn gelesen. Geht also noch. War aber nicht so toll. Ich gucke meist lieber aus dem Fenster, mache Fotos oder höre, wie sich in meinem Kopf Stille ausbreitet. Wie geht es Euch?