Wohnen – Fortsetzung

Ja, das Thema lässt mich noch nicht los. Also, mal schauen, was Google so sagt: „Schöner Wohnen“ – hahaja. Hätte ich mir denken können. Aber dann kann ich doch noch staunen: Wohnen kommt aus dem Althochdeutschen, wo „wonên“ zufrieden sein bedeutet, bleiben, sein. Ansässig sein, am Ort sein, ja, eben: bleiben. Das heißt, es ist nicht nur die Hülle, die ich um mich lege, mein privatester Rückzugsort (den es früher so nicht gab, der also eine relativ neue, bürgerliche Idee ist), sondern auch die Tatsache der Sesshaftigkeit. Der Ort, von dem aus ich in die Welt gehe. Und an den ich zurückkehre.

Vielleicht frage ich mich deshalb, weil ich merke, dass ich kein besonders sesshafter Mensch bin (naja, so tief im Innern). Meine letzte Reise in den USA hat mir wieder gezeigt, wie gerne ich unterwegs bin. In Bewegung ist mir näher als sesshaft.

Gleichzeitig habe ich in den letzten Wochen gemerkt, dass meine Wohnung ein guter Ort für mich ist. Ich lebe gleich hinter einem kleinen Weinberg, am Fuß des Kreuzbergs, mitten in der Stadt und doch direkt im Grünen.

Weiter lese ich übrigens, dass es nicht in allen Sprachen ein eigenes Wort für „wohnen“ gibt, im Englischen heißt es schlicht und ergreifend „leben“. Und ich überlege, welchen Unterschied es macht, zu sagen, „ich lebe hier“ oder „ich wohne hier“ – da kommt eben doch „Schöner Wohnen“ wieder ins Spiel. Wieviel Elan möchte ich in eine schöne Wohnung investieren? Ist die Wohnung der Spiegel meiner Seele, und wenn ja – !? Geborgenheit spielt hier tatsächlich eine Rolle, Wohlfühlen, Zufriedenheit, zur Ruhe kommen.

Vielleicht ist die Wohnung auch ein Ort, an dem ich meine persönliche Idee von Schönheit oder Angemessenheit verwirklichen kann. Oder von Schönheit und Angemessenheit, weil mir Luxus (oder „Verschwendung“) im Zusammenhang mit dem eigenen Wohnen überflüssig erscheint. Die Frage, wenn ich etwas schöner machen will, lautet jedenfalls immer: „Brauche ich das wirklich?“ Und dann tendiere ich mal zu „ja“ und öfters noch zu „nein“. In so richtig schönen Wohnungen sehe ich jedoch, wie sensationell diese räumliche Schönheit auf mich wirkt. Es ist, als bekomme ich erst den nötigen Raum, um ich zu sein. Es ist dann so, als würde ich schöner und größer – ganz ohne mein Zutun. Also – …?

Füchse wohnen nur, wenn sie Kinder bekommen, wie viele andere wilde Tiere auch.

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 7

  1. mannigfaltiges 14. Juni 2020

    Wohnen ist für mich da, wo das Leben zu Ruhe kommt.
    Ein früherer Traum: Die Wohnung mitzunehmen, wie eine Schnecke (Boot, Wohnmobil) und dann immer unterwegs zu sein.
    Beim letzten Umzug bemerkte ich, wohnen ist sofort. Aber Leben, d.h. die Wohnung an das eigene Leben anzupassen, hat fast 2 Jahre gedauert. Dauert eigentlich immer noch.

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        • Stephanie Jaeckel 15. Juni 2020

          Ich habe gestern einen kleinen Film über Taliesin West gesehen, dem ehemaligen Haus von Frank Lloyd Wright in der Nähe von Phoenix. Heute ist es eine Architekturschule. Wenn die Student/innen ins 1. Semester kommen, müssen sie einige Monate in selbstgebauten Unterkünften rund um die Schule wohnen. Manche müssen neue bauen, manche können sich unter den schon vorhandenen eine aussuchen. Es geht darum, das ganz elementare Gefühl für Draußensein zu bekommen, für Wright eine grundsätzliche Erfahrung für Architekt/innen. Das geht mir nach. Ich bekomme den Eindruck, ich sollte öfters draußen sein. Als könnte ich was verpassen, wenn ich ohne diese Erfahrung sterbe. Ist gerade vielleicht aber bloß so ein Spleen…

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          • mannigfaltiges 16. Juni 2020

            Als Spleen würde ich es nicht bezeichnen. Durch den Garten bin ich jetzt oft draußen, was ich mir vor Jahren nicht zu träumen wagte. Während unserer Münchner Zeit war ich ein absoluter Stadtmensch geworden. Erst jetzt, mit zunehmenden Alter, genieße ich die Natur und das „Draußensein“ ohne Menschen um mich rum. Aber zum schlafen brauche ich ein ordentliches Bett. Zelten mochte ich auch als Jugendlicher überhaupt nicht. Auch vor Kathastrophenschutz-Einsätzen mit Zelt drückte ich mich.

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          • Stephanie Jaeckel 16. Juni 2020

            Ja, ging mir eigentlich auch immer so. Aber hm, tja, ich spüre mittlerweile, wie sehr mich Draußensein beruhigen kann. Nicht dass ich eine Naturromantikerin wäre: Natur ist weiß Gott kein Ponyhof. Aber kleine vorsichtige Versuche. Mal schauen…

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