Zeit für Visionen

Nein. Der Arzt hat zu. Ich pflege meine Visionen ganz ungehemmt zur Zeit. Wenn schon alles anders ist als sonst, warum sollte nicht Platz für Unvorstellbares sein?

Immer wieder ertappe ich mich dabei, mir eigene Wünsche nicht zuzugestehen. Dabei geht es nicht unbedingt darum, etwas zu haben, als vielmehr darum, etwas zu machen. Viele Dinge mache ich in meiner Freizeit. Für mich. Für die Schublade. Aber irgendwie läuft die Schublade gerade über. Aufräumen bedeutet oft genug ja auch umschichten. Wie wäre es also, dieses oder jenes mal aus der Schublade ans Licht zu bringen? Was kostet schon die Welt?

Dieses tolle Foto habe ich heute beim Spaziergang um den Block gesehen. Ach ja, was ich gerade in meiner Nachbarschaft so finde! Und ich hatte gedacht, eigentlich immer aufmerksam zu sein (hahahihi…)

Zustände wie im sizilianischen Dorf

auf der Berliner Kreuzbergstraße dösen die Hunde in der Sonne…

Tatsächlich ist es für mich immer wieder überraschend, wie anregend für mich neue Szenarien im augenblicklichen Alltag sind. Ich habe fast schon ein Überangebot an alternativen Gefühlen (oder Befindlichkeiten) für mein tägliches Dasein, eigentlich wohl das, was man sich unter einem „Urlaub zu Hause“ vorstellt, auch wenn von Urlaub nicht ganz so viel zu spüren ist – mein Schreibtisch ist picke-packe-voll (eben auch mit viel unerledigtem Zeug von ewig her).

Auf persönlicher Ebene tut sich auch mehr als sonst. Ich habe einen alten Ferienfilm ausgegraben, und komme einer Begebenheit auf die Spur (mein Vater war damals betrunken in einem riesigen kanadischen See schwimmen gegangen, und blieb für Stunden verschwunden), die ich mit ihm vielleicht noch mal besprechen- und damit für mich auflösen – kann (was für eine Panik, wenn jemand verschwand, über Jahre noch…). Außerdem spornen mich gelegentliche Gitarrenkonzerte in unserem Hof dazu an, meine fast schon vergessene Gitarre wieder hervorzuholen.

Der Hase macht sich aus dem Staub

Und zwar wörtlich. Denn der Kreis, aus dem wir Hasi gerade herausspringen sehen, ist nichts anderes als ein sensationeller Staubkringel, der sich mal bei mir zu Hause rund um ein Stuhlbein gebildet hat, und für seine Schönheit erst auf den Kopierer musste und später sogar einen Auftritt in den Klunkern hatte.

Ich hatte einen endlosen Alptraum, episch, und tatsächlich in Spielfilmlänge (knapp zwei Stunden, ich habe kurz vorher und nachher auf die Uhr geschaut). Man könnte jede einzelne Szene verfilmen. So viel Aufwand hat sich mein Unbewusstes gegeben: meine Hochachtung für den/die dortige/n Setdesigner/in! Leider bin ich vor dem Ende aufgewacht. Ein Happy End muss ich mir also gerade selbst basteln.

Das allerdings passt zu meiner augenblicklichen Situation. Beruflich steht gerade einiges Kopf und ich muss mich zumindest für den Arbeitsmarkt neu er finden. Nein, das wird keine ganz neue Fassung meiner selbst. Ich ändere meine Tätigkeiten nur ein wenig, um in neue Formate zu passen. Neue Auftraggeber/innen zu finden. Ich mache das seit jetzt zwei Monaten mit viel Elan. Schließlich habe ich auch etwas davon. Aber ich merke, wie viel Angst ich doch habe. Ich alter Hase.

Wir wissen es nicht

Den meisten von uns geht es gesundheitlich gut. Dennoch nagt diese neue Krankheit an fast allen. Sorgen um ältere oder geschwächte Freund/innen und Verwandte spielen eine Rolle. Sicher auch, dass die Ansteckung quasi unsichtbar verläuft. Der entscheidenden Punkt scheint jedoch zu sein, dass wir weiterhin sehr wenig wissen. Selbst Expert/innen können keine wirklichen Prognosen abgeben. Wir stehen nach wie vor am Anfang der Forschung. Die Erkenntnis lautet – bislang zumindest – auf allen Ebenen: Wir wissen es (noch) nicht.

So. Die Krone der Schöpfung hat also ein Problem und kann es nicht lösen. Anders als viele anderen ungelösten Probleme lässt sich dieses jedoch nicht so einfach unter den Teppich kehren. Das kränkt, jaja. Das macht schlechte Laune. Ich weiß nicht, wann ich wieder ins Büro, ins Theater, in die Sommerfrische, gar in den Urlaub kann. Flunsch. Übrigens auch interessant, dass wir fast alle dazu neigen, zu sehen, was wir gerade nicht können, statt alles zu genießen, was jetzt bestens geht… Wir haben ein Problem. Das heißt WIR haben ein Problem. Das ist wie mit der Politik. denn nur WIR können das lösen. Ich meine jetzt nicht, dass jede/r Home-Forschung anstellen soll. Sondern: jede/r kann seinen Teil zur Bewältigung der Folgen dieser Krankheit beitragen. Merkste was? Dann mal los!

Blog-Panne

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Just do it!

Ist meine „Übersetzung“ von Do it yourself. Gerade experimentiere ich mit Joghurt-Geschmacksrichtungen. Kaffee ist meine Favoritin, leider nur in der Schweiz und in Frankreich erhältlich, Deutschland – Fehlanzeige. Also probiere ich hin und wieder, und jetzt eben verstärkt an einer überzeugenden Eigenkreation. Mal schauen. Das aktuelle Ergebnis muss noch ziehen. Ich werde berichten…

Der eigentliche Knaller ist jedoch meine Caipirinha-Varriante. Viel Rum, viel Zitrus, noch mehr Zucker. Mit Schmand, damit das Ganze nicht zu wässrig wird. Hmmm….

Filmen ist das neue Video

Also, wer jetzt nicht reist, macht die Augen zu. Und träumt. Oder erinnert sich. Wie oft habe ich schon geseufzt und mich gefreut, dass ich letzten Herbst in den USA war. So schnell, das ist klar, komme ich da nicht mehr hin. Vielleicht werden auch deshalb gerade die Erinnerungen größer und größer, denn: Was für eine Reise!

Neben der Schönheit des Landes (ich bin von Küste zu Küste gereist), und den vielen sympathischen Menschen und diesem sensationellen Himmel gab es vor allem eine – und das war mehr als ernüchternd – enorme Armut zu sehen. Für Touristen wie mich manchmal malerisch, und sehr häufig Anlass für lustigste und kluge Improvisationen (was habe ich allein für Häuser gesehen, die ohne Architekten, aber mit viel Fantasie erweitert wurden), ist diese Armut die schmerzhafteste Erinnerung, die ich mitgebracht habe. Und die mir jetzt übrigens hilft, das Chaos in den USA angesichts der Pandemie zu verstehen (aber eben auch die große Hilfsbereitschaft dort von Künstler/innen oder Firmeninhaber/innen, enorme Geldsummen zu spenden).

Am Strand von Santa Monica gab es, und ich habe hier schon mal kurz drüber geschrieben, die (für mich) neue Gepflogenheit, sich nicht mehr nur per Video-Botschaft, sondern gleich vor professionellem Filmteam für Freunde und Verwandte aus den Ferien – zumindest vom Strand – zu melden. Da habe ich nicht schlecht gestaunt. Mit Obdachlosen links und rechts (die kann man natürlich mit Weichzeichner unscharf stellen) sitzen sie da, Pärchen gerne händchenhaltend, winken in die Kamera und erzählen. Ja, da will man natürlich gleich mal Gift und Galle spucken. Alleine, was das kostet! Aber die Wahrheit?

Weil jetzt viel per Videokonferenz gearbeitet wird, habe ich meine Liebe zur – ich sag‘ jetzt mal – „visuellen Aufzeichnung“ oder „visuellen Kommunikation“ entdeckt. Mit Hingabe konnte ich das tun, worüber sich in der Presse so lustig gemacht wurde, den Hintergrund für meine Bildschirmkamera inszeniert (uahhh, und was ich da für Ideen hatte – leider nicht genug Mut…) das Licht gut einstellen und was nicht alles. Doch was noch besser ist: Ich kann viel besser vor der Kamera quatschen als „in Echt“ – !? Weil ich mich besser konzentrieren kann. Weil ich einen festen Rahmen habe, der mich fokussiert. Ich dachte immer, dass ich so gar keine Rampensau bin. Und jetzt das. Zumal ich auch vor den auf nicht gerichteten Fotokameras immer (=immer) Reißaus nehme. Am liebsten hätte ich jetzt meinen eigenen YouTube-Kanal. Tja. Wenn ich nur wüsste, was ich da mal zu verklickern, oder besser, zu „verklunkern“ hätte. Aber vielleicht fällt mir ja noch was ein…

Was geht?

Weltweit nutzen viele die Auszeit, um mal wieder in die Küche zu gehen. Wo sonst schnell Stullen geschmiert oder Nudeln gekocht werden, herrscht geschäftiges Treiben. Es gibt Leute, die zum ersten Mal seit Jahren wieder selbst kochen. Das heißt, jeden Tag kochen. Weil endlich Zeit ist. Und die schöne Überraschung, dass das auch gut schmeckt. Und dass der Abwasch das wert ist…

Ich habe gestern von einem Mann in den USA gehört, der gerade die Gelegenheit nutzt, für sich und seine Frau zu kochen. Gewöhnlich gehen sie abends – beide sind berufstätig – im Restaurant essen. Oder sie bestellen sich was. Der Mann dachte, ich koche jetzt mal für meine Frau. Ich möchte ihr eine Freude machen. Der Mann kann nicht wirklich kochen. Also suchte er sich einfache Rezepte: Tomatensoße mit Basilikum für auf die Nudeln zum Beispiel.

Und auch er erlebte eine Überraschung. Man könnte es (vielleicht etwas übertrieben) so formulieren: Kochen macht uns fit fürs Leben… Denn, er begriff schon bei einfachen Rezepten, zum Beispiel dass es sich nicht lohnt, Zeit zu sparen. Alles in einen Topf zu werfen und zusammenzurühren reicht nicht. Ich musste meine Ungeduld zügeln, sagt er. Und: Ich merkte überhaupt erst, wie ungeduldig ich bin. Er verstand natürlich auch sehr schnell, dass die Auswahl der Zutaten eine wichtige Rolle spielt. Er bekam ein Auge für reife Früchte, er fing an, an den Dingen zu schnuppern, kurz, ihm tat sich eine neue Welt auf. Natürlich geht das nicht jeden Tag. Aber der Zuwachs an Wissen, an Kenntnis, doch, ich denke, das kann einen auch in einem ganz normalen Alltag gelegentlich glücklich machen. Zu wissen, dass es andere Aufgaben gibt, als die, die auf dem Schreibtisch oder wo auch immer bei der Arbeit liegen.

Um sich herum schleichen

Wie die Katze um den Brei. Viele Menschen in meinem Alter kennen sich. Das kann ich von mir nicht behaupten. Mein Innenleben ist kein aufgeräumter lichtdurchfluteter Office. Nein, sicher auch keine zugerümpelte Abstellkammer. Aber eine gelegentlich unübersichtliche Raumfolge. Wie in einem Barockschloss öffnen sich hier und da Tapetentüren und neue Räume kommen zum Vorschein. Nicht immer eine schlechte Überraschung.

Wenn ich, wie gerade, an meinen Arbeitstisch gefesselt bin, und die Aufgaben darauf einen ziemlichen Stapel bilden, entdecke ich an mir eine Katzenmentalität. Es gibt plötzlich den Moment, an dem ich um den Tisch nur noch herumschleiche. Gut. Ich habe keine Lust. Kein großes Ding. Aber dann merke ich, dass es wohl irgendeine Aufgabe zu erledigen gibt, die mir unangenehm ist. Und die verhindert, dass ich überhaupt noch etwas hinkriege. Es beginnt das Schleichen um den Brei. Wo bitte ist diese Aufgabe. Was ist es? Was ich weiß: Es muss nicht unbedingt eine Arbeits-Aufgabe sein. Es kann durchaus etwas Privates sein. Ein Versprechen, das ich noch nicht eingelöst habe. Eine Geburtstagskarte, die ich nicht geschrieben habe. Oder natürlich die Steuer. Oder eine Recherche, die ich aufschiebe. Oder Bücher, deren Rückgabetermin schon abgelaufen ist. Oder die ungeputzten Schuhe. Oder ich warte auf etwas, ohne es zu wissen. Die letzten drei Tage bin ich geschlichen. Heute ist wieder freie Sicht. Ich bin zum Sprung bereit.