„Zu sein, zu leben, das ist genug“

Als im März klar wurde, dass für mich beruflich kein Stein auf dem anderen bleibt, habe ich mich entschieden, eines meiner Traum-Projekte an den Start zu bringen. Wenn schon nichts mehr geht, dann vielleicht das Unmögliche, dachte ich, oder vielleicht dachte ich auch gar nichts, aber ich schrieb ein Exposé und schickte es ab.

Noch ist nichts in völlig trockenen Tüchern, es muss noch Geld bewilligt werden und das bewilligte Geld auf die nötigen Arbeitsschritte verteilt werden, so dass jede/r genug verdient. Eine kniffelige Aufgabe. Aber es gibt schon eine Auftraggeberin, und so kann ich zumindest die ersten Schritte wagen:

Ein Buch in Leichter Sprache über Friedrich Hölderlin und – wichtiger – über einige seiner Gedichte. Für viele ist Leichte Sprache eher ein Witz. Denen rate ich, die gelegentlich auf zeit-online gestellten Beiträge aus Brand Eins in Leichter Sprache mal zu lesen. Ansonsten muss man es ja auch nicht wichtig finden. Für mich ist sie eine Offenbarung: Eine Sprache – die übrigens mehr noch als das Schreiben für Kinder – auf das Wesentliche zwingt.

Und also beschäftige ich mich mit Hölderlin, von dem übrigens das Zitat im heutigen Titel stammt. Was für ein passendes Vergnügen in Zeiten der Isolation: Ein Dichter, der 36 Jahre im Turm verbringt! Es wird ja zur Zeit viel darüber diskutiert, ob Rückzug und Alleinsein die Kreativität erhöht oder eher zur Verzweiflung zwingt. Das ist vermutlich wirklich Typ-Sache. Die Konzentration, das Öffnen von vorher gar nicht wahrgenommenen Räumen, das erlebe ich gerade und staune nicht schlecht.

Da dieses Jahr Hölderlin-Jubiläum ist, sind einige wirklich kluge und lesenswerte Bücher erschienen, darunter das von Christoph Quarch, in dem er Hölderlin aus seiner Dichtung heraus vorstellt und von dem ich den Titel geliehen habe:

Christoph Quarch, Zu sein, zu leben, das ist genug – Warum wir Hölderlin brauchen, Daun 2020.

Filed under: Allgemein

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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