Autor: Stephanie Jaeckel

Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Amselalarm

Im Hof war gestern und heute die Hölle los. Ein Eichelhäher hat das Nest eines Amselpaares aufgemischt, die Kleinen flogen ratlos in die Wohnung eines Nachbars und auf die Fensterbank eines anderen. Die Eltern schrien zwar den Eindringling weg, konnten aber ihre Kinder bei Anbruch der Nacht nicht wiederfinden. Heute hüpften sie den ganzen Tag […]

Früher oder später

Früher war alles besser. Aber dass die Leute früher noch nicht so helle waren, wie wir heute, weil ihnen die exakten Wissenschaften und das Superfood fehlten, lernen wir schon in der Schule. Tja, und was denn nun? Als Historikerin habe ich es häufig mit historischen – also längst gestorbenen – Personen und Persönlichkeiten zu tun. […]

Allein auf einer Insel

wäre ich heute mittag gerne gewesen, als ich eingeklemmt zwischen viel zu vielen Mitreisenden in einer defekten U-Bahn klemmte. Wie blitzschnell so ein Alltag aus dem Ruder gehen kann, dachte ich, und sofort danach, dass Alltag vielleicht auch eine komische Vorstellung ist, wahrscheinlich eine, die uns erst die Zivilisation beschert hat, und allein auf einer […]

Hamburg

Ich war nicht da. Ich habe die Berichterstattung nicht konsequent verfolgt. Wenn ich das Radio anschaltete: Krawalle, Polizei, Demonstranten, Schanzenviertel, Messehallen, Herr Putin, Frau Merkel, Trump, Elbphilharmie. Ich halte es für richtig, dass sich diese – und alle anderen – Politiker treffen. An einem Tisch. Was im Alltag gilt, gilt auch auf der großen Staatsbühne: […]

Stroh zu Gold

„Ach, wie gut, dass niemand weiß,…“ – von wegen! In Südafrika haben sie herausgefunden, dass Weizen Gold aus dem Boden zieht. Natürlich nicht aus jedem Boden. Dort, wo früher einmal nach Gold geschürft wurde, und wo die Böden durchpflügt und weitestgehend ausgeräumt sind, dort sind ja immer noch goldene Stäubchen und Körnchen zu finden. Menschen […]

Bewegung

Vielleicht ist das eine Erkenntnis, die man haben muss, wenn man mit Migräne geschlagen ist. Migräne gehört zu den statischsten Zuständen, die ich mir vorstellen kann. In der Migräne bin ich erstarrt. Zu einer formlosen schweren Masse. Kein Stein, der wäre zu kompakt, zu schön. In die Bewegungslosigkeit eingefesselt. Klingt bescheuert. Fühlt sich aber so […]

Brillenkrokodil?

Nö. Als ich in der Grundschule meine erste Brille bekam, war ich eine Brillenschlange. Allerdings nur selten. Ich mochte die Brille nicht und setzte sie kaum auf. Irgendwann war sie vergessen. Erst als ich als HiWi an der Bibliothekspforte die Professoren nicht mehr erkannte und ihren Ausweis sehen wollte – haha – ließ ich mir […]

Eleganz beginnt im Kopf

Eine Folge von Hochzeitsfeierlichkeiten kann sein, dass man noch einmal über die Kleiderfrage nachdenkt. Wie kommt es, so jedenfalls stellte sich mir – einmal mehr – die Frage, dass es Menschen gibt, die leichthändig und offensichtlich ohne Mühe elegant sind, während andere sich abmühen, und oft genug ohne Erfolg. Ich selbst kann mich schlecht einschätzen. […]

Zurück in die Spur finden

Natürlich ist es ein gutes Gefühl, vor dem Urlaub oder vor einer Reise den Schreibtisch leer geräumt zu haben. Der Nachteil: kaum ist man wieder zurück am Tisch, laufen neue Projekte an zur generellen Desorientierung (die mich zumindest nach einigen Tagen Abwesenheit schon befällt). Heute saß ich an meinem Platz, und hatte das Gefühl, auf […]