Autor: Stephanie Jaeckel

Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Sommerloch?

Es passierte ohne Vorwarnung. Von einem Moment auf dem anderen stand ich wie außer mir und betrachtete mich so beim Samstagabend-in-der-Wohnung-sein. Wäsche ist aufgehängt, Blumen sind gegossen, Arbeit für heute erledigt, gut erledigt, ich könnte zufrieden sein, den Feierabend einläuten, aber jetzt stehe ich neben mir, und frage mich, was ich da eigentlich mache. Nein. […]

Gleichzeitig lieben

Mehrere Menschen im Herzen haben, hier begehren und dennoch dort treu bleiben – doch ja, ich glaube das geht. Zumindest kenne ich das. Ich habe es allerdings auch schon erlebt, wie eine große Verliebtheit von dem einen auf den anderen Tag erlosch und nicht nur nicht wieder zu beleben war, sondern sich in blankes Entsetzen […]

Sommerblumen

Jedes Jahr sehe ich andere. Das wird mir erst langsam klar, eigentlich erst, seit ich wieder mehr fotografiere. Wahrscheinlich stehen sie nicht jedes Jahr im gleichen Zyklus auf dem Feld. Mal ist das Wetter trockener oder feuchter, mal sind die Blumensamen anders geflogen oder Vögel haben hier oder da mehr weg gepickt. Wind wird eine […]

Wildnis

Heruntergekommene Viertel in Großstädten, Brachen, verlassene Gegenden faszinieren und beunruhigen mich. Denn sie sind unübersichtlich und gefährlich. Doch mit gerade der Ungewissheit öffnet sich auch eine Freiheit in diesen Gegenden. Ich bin hier eine andere als in der Innenstadt oder in einem Park. Meist beschleicht mich das Gefühl, so könnte es früher gewesen sein, als […]

Amselalarm

Im Hof war gestern und heute die Hölle los. Ein Eichelhäher hat das Nest eines Amselpaares aufgemischt, die Kleinen flogen ratlos in die Wohnung eines Nachbars und auf die Fensterbank eines anderen. Die Eltern schrien zwar den Eindringling weg, konnten aber ihre Kinder bei Anbruch der Nacht nicht wiederfinden. Heute hüpften sie den ganzen Tag […]