Eleganz beginnt im Kopf

Eine Folge von Hochzeitsfeierlichkeiten kann sein, dass man noch einmal über die Kleiderfrage nachdenkt. Wie kommt es, so jedenfalls stellte sich mir – einmal mehr – die Frage, dass es Menschen gibt, die leichthändig und offensichtlich ohne Mühe elegant sind, während andere sich abmühen, und oft genug ohne Erfolg. Ich selbst kann mich schlecht einschätzen. Ich bin mit dem Alter entspannter geworden. Ich will nicht unbedingt gefallen, denke jedoch über die Angemessenheit meiner Garderobe nach. Meine Kleidung soll schön sein, mich aber nicht verkleiden. Sie soll getragen aussehen (nicht abgewetzt), nicht gebügelt oder gerade aus der Einkaufstüte geholt.

Vielleicht – und das beziehe ich nicht auf mich, sondern überlege ins freie Feld hinein – vielleicht braucht man ein eher kleines Ego, um elegant zu sein. Oder zumindest eine gewisse Nachlässigkeit, was das eigene Aussehen oder den Gang vor den Spiegel angeht. Präzision wäre möglicherweise eine weitere Zutat (und kein Gegensatz zur Nachlässigkeit, eher ein – wie soll ich sagen? – anderes Feld). Vielleicht ist Eleganz weder besonders feminin, noch maskulin. Sondern dazwischen. Mir zumindest scheinen Rüschen nichts, aber auch gar nichts von Eleganz oder Chic zu haben.

Aber ist es überhaupt wichtig, elegant zu sein? Ich weiß es nicht. Mag sein, dass es reicht, in bequemer Kleidung durchs Leben zu kommen. Dennoch hege ich Zweifel. Weil das eigene Aussehen doch über den Alltag hinausgeht. Oder, weil ich – trotz aller Mühen – auch eine andere bin. Weil Eleganz vielleicht ein Abglanz von Freiheit ist. Oder zumindest eine Erinnerung daran.

Einsortiert unter: Allgemein

von

Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 7

    • Stephanie Jaeckel 5. Juli 2017

      Eleganz ist sehr individuell. Die lässt sich nicht über einen Kamm scheren. Eleganz geht auch ohne Kleidung, in Bewegung, Geste, Sprache, etc. Rüschen sind ja nicht an sich Mist. Vielleicht lassen sie sich in eine elegantes Outfit, oder besser: in eine elegante „tenure“ (was etwas anderes ist als bloß Haltung) einbinden. Kitsch ist eindeutig nicht elegant. Aber eben: Die Mischung macht’s. 😉

      Gefällt 2 Personen

  1. Elisabeth Lindau 26. Juli 2017

    Interessant, dass es hier eine so große Resonanz gab. Ist ein anregendes Thema …
    Mich hat ja zunächst der Text im Foto verwirrt. Ob ich meinen Verstand mal wieder neu einkleiden sollte ? Oder warm anziehen? Aha – kleide dich so, wie es deiner Einstellung enspricht (wie knapp manches auf Englisch gesagt werden kann!). Das ist gut und hat für mich tatsächlich viel mit „Haltung“ zu tun. Weniger mit einem „kleinen“ Ego als mit einem, das mit sich selbst einverstanden ist. Wirkliche Eleganz strahlt auch viel Selbstverständlichkeit aus und ist nicht bemüht. Unabhängigkeit und doch auch Sorgfalt, Bewusstheit und Rücksichtnahme auf den Kontext.
    Ja, diese Sachen sollte mein Verstand sich auch mal „anziehen“.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s