Brillenkrokodil?

Nö. Als ich in der Grundschule meine erste Brille bekam, war ich eine Brillenschlange. Allerdings nur selten. Ich mochte die Brille nicht und setzte sie kaum auf. Irgendwann war sie vergessen. Erst als ich als HiWi an der Bibliothekspforte die Professoren nicht mehr erkannte und ihren Ausweis sehen wollte – haha – ließ ich mir wieder eine machen. Seitdem trage ich unterwegs eine Brille. In geschlossenen Räumen (außer auf dem Fahrersitz im Auto) nehme ich sie schnell ab. Ich konnte mich nie wirklich daran gewöhnen.

Aber natürlich ändern sich die Zeiten. Oder ich verändere mich im Laufe der Zeit. Der Arzt sagt dazu: Ihre Sehfähigkeit nimmt ab. Und ich denke: Und wie! Klarer Fall für eine Gleitsichtbrille. Und für eine gewisse Traurigkeit. Denn ich merke, dass es mit einer Brille nicht getan ist. Oder anders formuliert: Augen altern anders, als Optiker Ersatz schaffen können. Ich werde auch mit einer perfekt angepassten Brille schlechter sehen als früher. Ein komisches Gefühl.

Voraussichtlich macht die Erinnerung einiges wett. Das Gehirn wird auch in Zukunft Lücken schließen und mich etwas sehen lassen, wo vielleicht etwas anderes ist. Möglicherweise wird das ein Zugewinn an fantastischen Missverständnissen. Aber eben auch der Anfang vom Abschied aus der Welt. Nein. Ich will nicht jammern. Wir haben heute so viele Möglichkeiten, unser Altern herauszuzögern oder abzufedern. Dennoch scheint es mir wichtig, solche Etappen wahrzunehmen. Ich fühle mich nicht alt. Aber ich altere immer mehr. Unwichtig? Keine Ahnung. Wahrscheinlich bleibt es die beste Strategie, mit jungem Herzen alt zu werden. Aber die Realität zu übersehen? Käme mir feige vor. Mal sehen. Erst mal ist eine neue Brille gefragt. Puh, ehrlich? Für mich fast so schlimm, wie zum Zahnarzt zu gehen.

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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