Autor: Stephanie Jaeckel

Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Grenzen erkennen

Es ist ja nicht so, dass Grenzüberschreitungen immer gleich spürbar sind. Es gibt verschiedenste rote Linien, die für die verschiedensten Begegnungen gelten. Nicht mal bei ein und derselben Person sind die Limits stets an derselben Stelle. Auch deshalb ist die Debatte so schwierig. Und vor allem: Wo ein „no go“ ist, darf nicht diskutiert werden. […]

Unschärfe

Das ist ungefähr alles, was ich sehe, wenn ich versuche, in die Zukunft zu sehen. Meine fehlende Fähigkeit, die Zukunft zu antizipieren, hat schon sämtliche Coaching-Versuche geschreddert, mir eine steile Karriere vorzuzeichnen. Stell es Dir vor! Aber wie denn? Zum Glück musste ich keine entsprechende Frage beim Einstellungsgespräch beantworten. In fünf Jahren? Beim besten Willen […]

Frühling

Am Wannsee war heute Hochbetrieb. In alle Richtungen schwärmten die Berliner/innen und Gäste aus, die S-Bahnen waren voll, die Straßen, die Radfahrer waren mit geputzten Rädern unterwegs, die neuen Modefarben wurden auf den Bürgersteigen spazieren geführt, Eisbuden mit meterlangen Schlangen belagert, und es gab – natürlich – Pendelverkehr. Das Wetter hielt, was die Meteorologen versprochen […]

Risse im Alltag

Wir sollen uns nicht sicher fühlen. Terror taucht plötzlich auf. Ein Anschlag kann jede/n treffen, die oder der in der Stadt unterwegs ist. Bei den letzten Besorgungen, beim Kaffeetrinken, beim Bummel durch die Straßen. Wer Krieg im Herzen trägt, bleibt meist zu lange unerkannt. Und das ist der Unterschied: Kriege werden heute von einzelnen geführt. […]

Weiblichkeit

Mein Freund Tomas hat seinen runden Geburtstag im letzten Monat zum Anlass genommen, über sich als Mann – oder nein, eigentlich über die Utopie des Mann-Seins geschrieben. Das ist natürlich ein Text, der niemals fertig wird, trotzdem überlege ich seit Tagen, ob ich einen ähnlichen Versuch starten soll. Und schon prasseln Fragen. Woran will ich meine […]

Beginn

Manchmal gibt es Dinge, von denen man erst im Nachhinein weiß, in welchem Moment sie begonnen haben. Manchmal kann man gar nicht mehr genau sagen, wie genau oder wann es zu etwas kam. Manchmal jedoch weiß man in dem Moment selbst schon, dass etwas – sagen wir – „gezündet“ hat, dass aus diesem Moment, dieser […]

Zufallsbekanntschaft…

Beiläufig bin ich dort gelandet, wo für viele seiner Leser/innen – auch schon zu Lebzeiten – die Tür verschlossen blieb: Im Arbeitszimmer von Thomas Mann in seinem Haus in Kalifornien. Hier hat Mann (u.a.) den Doktor Faustus geschrieben, das Buch, das ich in der Schule lesen musste, und das ihn mir für immer verleidet hat. […]

Hüh oder hott?

Frau sein und alt werden. Das ist in etwa so wie die Quadratur des Kreises. Frauen sollen so lange wie möglich jung bleiben, obwohl sie wie alle anderen Lebewesen unweigerlich altern und wer sich mit letzterem abfindet, wird in der Öffentlichkeit – zumindest beschreiben das viele Frauen so – unsichtbar. Mir ist in letzter Zeit […]