Autor: Stephanie Jaeckel

Wer die Welt erkennen will, sollte genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingeschaut. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit. Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Abitreffen

Wenn ich in meine Schulzeit zurückschaue, sehe ich nur noch sehr vage Umrisse. Blasse Gesichter – häufig schon ohne Namen, kalt gewordene Gefühle (doch, manchmal noch sehr heißer Zorn), sehr viel Enge. Nach dem Abitur war mir alles grau. Der Start ins Leben hatte begonnen – so jedenfalls meine Eltern – und ich wusste nicht […]

Zu Gast sein

Egal, was wir machen. Wir sind auch nur zu Gast. Das mag einem bei „lebenslänglich“ vielleicht etwas merkwürdig vorkommen. Ist denn diese Welt nicht unser zu Hause? Doch wenn wir über uns hinausschauen, und begreifen, dass wir in einer Reihe stehen mit denen, die vor uns schon hier waren, wird vielleicht deutlich, dass selbst ein […]

Selbstverständlichkeiten

Vielleicht ist es so, dass einem beim älter – oder warum auch nicht gleich – alt werden die Selbstverständlichkeiten weg bröckeln. Einerseits will ich denken: endlich! Ist doch blöd, dauernd im Käfig irgendwelcher aufgeschnappter oder selbstgebastelter Regeln zu laufen – möglichst immer noch schön mit einem Sicherheitsabstand zu den Gitterstäben. Andererseits. Und zum Beispiel. Wie […]

Unbezahlbar

Manchmal ist es das Kaputte und Improvisierte, was den größten Zauber auslöst. Warum bloß sind wir meist auf Perfektion aus?

Auf dem Friedhof

Vor Trauer kaum Luft bekommen. Blumen gießen, Gräser zupfen, Blätter sammeln. Feuerkäfer beim Herumlaufen beobachten: Sind die jetzt schädlich. Und wenn, für wen? Kein Wort für Emanuel. Obwohl ich nur an ihn denke. Wo ist er, wenn ich ihn um Verzeihung bitte, weil ich auf sein Grab trete. Gäbe es etwas, worüber er sich mehr […]

Entscheidung

Je älter ich werde, desto unsicherer bin ich. Ist Glück wirklich wünschenswert? Und steht man in seinem Leben ganz so wie der antike Held Herkules eines Tages (oder gleich öfters) am Scheideweg und muss sich für eine Richtung entscheiden. Sagen wir, Glück oder Wahrheit. Party oder Tugend. Überfluss oder Kargheit – ? Glück wird mir […]

Mit der Hand schreiben – und ein Plädoyer fürs Tippen

Als Kind war für mich die Sache noch klar: Schreiben bedeutete einen Stift halten und über Papier führen. Tippen war etwas anderes. Ein Beruf für Frauen – oder hießen die nicht Tippsen? Steno war natürlich wieder was anderes, und ich dafür voller Bewunderung (übrigens bis heute). Steno ging auch nur mit Stift und Papier. Heute […]