Weiblichkeit

Mein Freund Tomas hat seinen runden Geburtstag im letzten Monat zum Anlass genommen, über sich als Mann – oder nein, eigentlich über die Utopie des Mann-Seins geschrieben. Das ist natürlich ein Text, der niemals fertig wird, trotzdem überlege ich seit Tagen, ob ich einen ähnlichen Versuch starten soll. Und schon prasseln Fragen. Woran will ich meine Überlegungen festmachen?

Soll ich dieser Sache nachgehen, dass ich mich oft gar nicht als Frau fühle, sondern als Mensch – und dass es Situationen sind, Momente, in denen ich vorrangig Frau bin? Könnte das schon ein Hinweis auf einen grandiosen Verdrängungsmechanismus sein? Oder geht das anderen Menschen auch so? Bin ich eigentlich in meinen Träumen eine Frau – ich meine, immer?

Wäre es eine Frage, welche Frauen mich in meiner Weiblichkeit geprägt haben und welche Männer? Was würde mich bei einem Fragebogen als Frau identifizieren? Könnte man einen solchen Fragebogen austüfteln, ich meine, wäre das sinnvoll? Ich weiß gar nicht – jetzt, wo ich so darüber nachdenke – was Freund/innen an mir weiblich finden. Oder ob es für sie so eine Kategorie bei mir gibt – ?

Eigentlich wäre die Gegenfrage – die ich hier schon einmal vor längerer Zeit gestellt habe – wie ich als Mann wäre. Oder: Würde ich meine Weiblichkeit besser sehen, wenn ich mich als Mann denke? Gäbe es zum Beispiel so etwas wie weibliche Farben, die ich als Mann nicht tragen würde? Hätte ich andere Interessen? Würde ich kochen? Oder Sport treiben. Hätte ich dieselben Freund/innen? Würde ich in einer anderen Stadt wohnen? Wäre ich verheiratet?

Ha, jetzt gerade musste ich wirklich laut lachen. Ich habe nämlich den Verdacht, dass ich meinen Liebsten als Mann nicht würde ausstehen können! Endlich ein Indiz, bei dem ich anfangen kann?

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 7

  1. blogspione 6. April 2018

    Spannendes Thema und ich sehe das mit etwas kritischen Augen. Wer bin ich? Entscheidend ist doch bei dieser Frage, mal abgesehen von den Hormonen und der sexuellen Orientierung, die Erziehung.

    Jede Gesellschaft hat ihre eigenen, fast unerschütterlichen Traditionen. Ein Baby in hellblau ist und bleibt ein JUNGE. Und viele finden es komisch, wenn ein Junge anfängt, mit Puppen zu spielen. Kinder werden von den Erwachsenen geprägt und richten ihr Verhalten und ihre Meinung danach aus.

    Und damit werden beide, Mann oder Frau, grundlegend verschieden „gemacht“. Und das immer und überall: im Leben und im Kopf, daheim und im Job. Frauen akzeptieren, dass sie die Hausarbeit und Kindererziehung zum größten Teil übernehmen. Und sie akzeptieren, dass sie immer noch weniger Lohn als ihre männlichen Kollegen erhalten.

    Man kann seines Frauseins oder Mannseins nicht entfliehen, denn die Gesellschaft teilt uns ein. Emanzipatorische Paradiesvögel, die das anders sehen, sind selten, werden belächelt oder schief angesehen.

    Sonniger Wochenendgruß nach Berlin. Katy

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    • Stephanie Jaeckel 14. April 2018

      Wenn ich mich erinnere, finde ich es erstaunlich, dass meine Eltern da enorm lax waren. Ich sah aus wie ein Junge mit kurzen Haaren und bekam auch immer Autos geschenkt und Lego, weil ich damit am liebsten spielte. Später war ich auf einem Mädchengymnasium. Was im ersten Moment als Gegenteil aussieht, stärkte tatsächlich eher meine „männlichen“ Seiten, denn Flirten, etc. fiel zumindest in der Schule weitgehend weg. Ich hatte weiter kurze Haare und trug nur Jeans (als Hose, nicht als Rock). Da allerdings begann zu Hause schon eine Erziehung hin zur Ehefrau (nicht zur Hausfrau, immerhin). Wogegen ich mich dann jedoch wo es ging gewehrt habe. Und das alles geschah in einem zutiefst traditionellen Milieu. Ich meine: immerhin – oder?

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