Trotzdem

Was habe ich an dem Morgen gelacht! Die Nacht war unheimlich gewesen in einem abgelegenen Motel am Rand des Joshua-Tree-Nationalparks. Wüste, ein von Alkohol und Drogen vernebelter Motel-Besitzer, viel Dunkelheit und noch mehr Schatten. Man muss nicht an Gott glauben, um dieses farbenfrohe Haus mitten im Nichts als Erinnerung in grauen Tagen zu nutzen, trotzdem weiterzumachen. Vielleicht einfach als „Reminder“ dafür, wie widerständig Menschen sein können, wenn den Umgebung schroff ist und das Ziel weit und weiter entfernt.

Glamourös aufschlagen

Wenn schon ins Loch fallen, dann doch bitte im KaDeWe. So ging es mir heute. Das, was auf dem Foto wie finstere Nacht aussieht, war fünf Uhr nachmittags. Aber ich fühlte mich so allein auf der Welt, als sei es gerade morgens um Eins an einem Wochentag in einem kleinen Kaff am Ende der Welt. So geht es mir manchmal, wenn ich große Projekte gerade beendet habe. Ich schlage im Hier und Jetzt auf und weiß nicht, wohin mit mir. Vor allem nicht nach Hause, denn da wartet bloß Spül, Wäsche und ein unaufgeräumter Schreibtisch. Ich hab also erst mal einen Kaffee getrunken und dann Leuten beim Einkaufen zugeschaut, später noch ein paar Klamotten anprobiert, das ist nämlich fast so schön wie verkleiden. In der Austern-Abteilung gab es dann einen Höhepunkt besonderer Art: Die gelangweiltesten Gesichter des frühen Abends. Wow! Spätestens da musste ich lachen. Und bin gut gelaunt zu meinem Spülberg gefahren…

Spieglein, Spieglein an der Wand…

Wo ich schon dabei bin, in den Spiegel zu schauen + wer mich kennt (ich komme aus dem Rheinland): so viele Aspekte, die eigene Person zu zeigen – Bald ist wieder Karneval! Und einmal mehr werde ich in Berlin bleiben müssen, Mitfeiern wird also mal wieder aufs nächste Jahr verschoben. Und kaum etwas macht mir mehr Spaß, als mich zu verkleiden. Gut, dass es mir gestern wieder eingefallen ist…

Der Blinde Fleck

Man selbst sieht sich nicht. Denn der Spiegel ist nicht viel mehr als eine Art Selbstinszenierung, trotz aller scheinbaren Unbestechlichkeit. Vor dem Spiegel verhalten wir uns meist wie vor einem Publikum. Also Vorsicht!

Ich habe von Kind an einen gewissen Mut zur Hässlichkeit. Ich war nie ein artiges Mädchen (obwohl von einer an Dusseligkeit grenzenden Treuherzigkeit), hübsch hat mich wenig interessiert, als Frau blieb viel Sperriges. Ich mag nicht gerne gefallen.

Die Kehrseite: Ich werde als ruppig wahrgenommen. Unfreundlich. Schroff. Wenn ich im Stress bin, schaue ich finster. Wenn ich genervt bin – zum Glück sehe ich mich so nie im Spiegel (und wenn, muss ich eigentlich sofort lachen), gleiche ich wahrscheinlich schon einem veritablen Monster. Es gab Männer, die mir den bösen Blick nachsagten (mimimi…). Das hat mich irritiert, ich fühlte mich falsch gesehen, denn die dusselige Treuherzigkeit ist mir bis heute geblieben.

Dennoch verstehe ich langsam. Es ist ein Missverständnis. Aber nur ich kann daran etwas ändern. Auch wenn ich manchmal noch denke, die anderen – vor allem meine Freund/innen – müssten es doch besser wissen. Und wahrscheinlich ist es sogar einfach. Es geht nicht darum, meine finsteren Blicke zu „meistern“, sondern eher darum, mich zu entspannen. Von „Schuld“ also keine Rede, eher von loslassen. Wenn das mal keine gute Erkenntnis im frischen neuen Jahr ist…

Platt

An manchen Tagen reicht schon ein oberflächlicher Blick in die Zeitung, einem den Mut fürs Weitermachen zu rauben. Ein Kontinent in Flammen, ein amerikanischer Präsident, der kulturelles Welterbe auslöschen will, ein schwer verletzter Obdachloser in Berlin, der von Vollpfosten angezündet wurde. Und das ist nur die Spitze des Eisberges.

Wer zuletzt lacht

Nein. Ich glaube nicht an ein ausgleichendes Schicksal. Man bekommt, was kommt, nicht, was „gerecht“ ist. Dennoch beobachte ich beim Älterwerden auch Dinge, die „gut“ ausgehen, oder zumindest wie eine Balance wirken, die eben erst später zum Tragen kommt: „Die Letzten werden die Ersten sein“, so wie es in der Bibel hoffnungsfroh (für erstere) geschrieben steht.

Die zum Beispiel, die wie, ich einen schwierigen Berufsstart hatten. Die freiberuflich von den untersten Ästen hinaufspringen mussten, ohne Beziehungen, ohne Hilfe und die meiste Zeit auch noch mit so schweren Selbstzweifeln im Nacken, dass die Sprünge schon im Ansatz regelrecht versackten. Ich bin weitergesprungen.

Das ist Jahre so gegangen. Und kaum saß ich auf einem festen Ast, brach der beim nächsten Sturm ab oder kam sonst irgendwie abhanden. So dass ich wieder unten landete. Auweia, jetzt bloß nicht das Taschentuch zücken! Das klingt traurig, aber ich hatte natürlich auch gute Zeiten – das Leben ist schließlich nicht nur Arbeit.

Das immer gleiche Von-unten-Hochhüpfen war für mich irgendwann wie ein lästiges Trainingsprogramm. Nicht mehr Strafe oder Zeichen für eigene Minderwertigkeit. Mittlerweile sehe ich, wie andere von wesentlich höheren Ästen fallen. Nicht aus eigenem Verschulden. Sondern weil auch weiter oben Äste abknicken. Ich hoffe nicht, dass Häme im Spiel ist, dennoch erleichtert es mich. Weil ich nicht mehr als die „lustige Kreative“, bewundert wie belächelt werde. Ich werde im Kreis der „Gewinner“ plötzlich Ernst genommen, weil ich Strategien kenne, mit Niederlagen umzugehen.

Und noch mal Nein. Das ist nicht das Ende vom Lied. Es kann auch für mich mit Niederlagen weitergehen. Scheitern und Erfolg sind lediglich die zwei Seiten einer Medaille. Wer scheitert, trägt eben auch den Erfolg in sich (und umgekehrt). Das ist meist nur eine Frage der Zeit, bzw. des Moments. Kein Urteil über die Person. Niemals.

Rummms…

Den Alltag an einem Freitag beginnen – eigentlich keine schlechte Idee. Eine Ein-Tag-Woche, das muss doch zu schaffen sein! In meiner Realität gab es jedoch gleich Kollateralschäden. So durfte ich heute Morgen einen Interviewpartner aus dem Bett klingeln. Auweia! Worst Case bei Hausbesuchen. Ging aber gut, ich hatte einen souveränen Gastgeber. Und sonst so? Grau in Berlin. Müde im Kopf. Zum Glück geht’s gleich ins Kino. Winterfreuden!

Herzlich Willkommen

Da ist es, ein nagelneues Jahr: 366 Tage, die – quasi in naher Zukunft – gelebt sein wollen, ein Blick ins neu verschneite Tal oder auf einen vom Meer blinkgeputzten Strand. Noch gibt es kaum Spuren, 11 einhalb Stunden, hoffentlich gute.

Und zack! Was die Vorsätze angeht… – 12 leere Kalenderblätter wollte ich mit Collagen füllen, zwei sind es gerade mal geworden. Aber für den Anfang reicht’s! Aufhängen kann ich den Kalender so ja allemal.

ACHTUNG: Ich habe im Januar-Bild Zeitungsausschnitte von Kunstwerken verwendet. Ich verstehe sie als Zitat in einer eigenen Arbeit. Sollte es dennoch datenschutzrechtliche Bedenken geben, lösche ich mein Foto unverzüglich.

Tschüss 2019

Schon wieder ein ganzes Jahr. Sommer und Winter, Neuanfänge, Abschiede, Überraschungen, Enttäuschungen, das volle Programm. Der Himmel ist heute, am letzten Tag, grau, aber sehr, sehr hell. Wenn das ein Zeichen ist, dann ein gutes. Ich habe mir einen Vorsatz für jeden kommenden Monat notiert, um immer wieder die Chance zu haben, wenigstens einen zu „erledigen“. Gleich putze ich noch die Wohnung und ja, ich freue mich auf das, was kommt. Und wenn Ihr noch einen all-inclusive-Vorsatz für das blitzneue Jahr sucht, schlage ich mal diesen vor:

„Vermeide unbedingt Ambitionen, konzentriere dich auf das, was zu tun ist.“ (Teil eines Ratschlags für japanische Bogenschützen)

Euch allen einen guten Start ins Neue Jahr!

P.S.: schönste Suchanfrage auf meinem Blog in diesem Jahr: „Freugemüse“