Wer zuletzt lacht

Nein. Ich glaube nicht an ein ausgleichendes Schicksal. Man bekommt, was kommt, nicht, was „gerecht“ ist. Dennoch beobachte ich beim Älterwerden auch Dinge, die „gut“ ausgehen, oder zumindest wie eine Balance wirken, die eben erst später zum Tragen kommt: „Die Letzten werden die Ersten sein“, so wie es in der Bibel hoffnungsfroh (für erstere) geschrieben steht.

Die zum Beispiel, die wie, ich einen schwierigen Berufsstart hatten. Die freiberuflich von den untersten Ästen hinaufspringen mussten, ohne Beziehungen, ohne Hilfe und die meiste Zeit auch noch mit so schweren Selbstzweifeln im Nacken, dass die Sprünge schon im Ansatz regelrecht versackten. Ich bin weitergesprungen.

Das ist Jahre so gegangen. Und kaum saß ich auf einem festen Ast, brach der beim nächsten Sturm ab oder kam sonst irgendwie abhanden. So dass ich wieder unten landete. Auweia, jetzt bloß nicht das Taschentuch zücken! Das klingt traurig, aber ich hatte natürlich auch gute Zeiten – das Leben ist schließlich nicht nur Arbeit.

Das immer gleiche Von-unten-Hochhüpfen war für mich irgendwann wie ein lästiges Trainingsprogramm. Nicht mehr Strafe oder Zeichen für eigene Minderwertigkeit. Mittlerweile sehe ich, wie andere von wesentlich höheren Ästen fallen. Nicht aus eigenem Verschulden. Sondern weil auch weiter oben Äste abknicken. Ich hoffe nicht, dass Häme im Spiel ist, dennoch erleichtert es mich. Weil ich nicht mehr als die „lustige Kreative“, bewundert wie belächelt werde. Ich werde im Kreis der „Gewinner“ plötzlich Ernst genommen, weil ich Strategien kenne, mit Niederlagen umzugehen.

Und noch mal Nein. Das ist nicht das Ende vom Lied. Es kann auch für mich mit Niederlagen weitergehen. Scheitern und Erfolg sind lediglich die zwei Seiten einer Medaille. Wer scheitert, trägt eben auch den Erfolg in sich (und umgekehrt). Das ist meist nur eine Frage der Zeit, bzw. des Moments. Kein Urteil über die Person. Niemals.

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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