Armut

Natürlich will niemand frieren. Oder im Winter unter einer dünnen Schneedecke aufwachen – wie es in solchen Dachgeschossen auf dem Land durchaus üblich war. Andererseits: Wie viel Luxus brauchen wir? Wie weit sollten wir uns (meist, wie wir verstanden haben, auf Kosten anderer) auf der Welt ausbreiten? Nein, ich werde keinem anraten, ab Oktober einen dicken Pulli anzuziehen, statt zu heizen. Jede und jeder soll die eigene Zimmertemperatur selbst bestimmen können. Aber ich verstehe, dass ich hin und wieder den dicken Pulli tragen kann. Um Rücksicht zu nehmen.

Drei

sie ist natürlich, ungerade, und die erste Primzahl, die uns beim Zählen von der Eins an begegnet. Drei sind eine/r zuviel, heißt es im Pärchenuniversum, die dritte Lösung kann nach der erstbesten und der zweiten die beste sein. Tatsächlich denke ich gerade über die Drei nach. Als Schlüssel für viele Fragen. Oder zumindest als Weichenstellerin für eine erfolgversprechende Richtung. Entweder/Oder führen oft zu nichts. Man verbeißt sich bloß in eine Konfrontation. Wo die Drei ist, bekommt man wieder Bewegungsspielraum. Drei Menschen sind die kleinste Gruppe, in der bei einer Abstimmung eine absolute Mehrheit den Ausschlag für eine Entscheidung geben kann. Und, drei entscheiden sich schneller als zwei. Wenn das mal kein Argument ist…

Ein Engländer in New York

David Bowies Einschätzung seiner 2. Heimat aus dem Jahr 2002:

Aus einem Gespräch mit dem Dogma-Filmer Thomas Vinterberg (das gesamte Interview ist auf YouTube zu sehen und zu hören). Zum Weiterhören: David Bowie „I am afraid of America“. In New York, wo er bis zu seinem Tod lebte, fühlte Bowie sich sehr wohl. Es war die kosmopolitische Atmosphäre, die er dort über alles schätzte. Und die sich bis heute bewahrt hat.

Kreise ziehen

Oder wenn es „rund geht“. Dieses Jahr habe ich die Jahreszeiten viel deutlicher erlebt, als alle Jahre zuvor. Vielleicht ist es Einbildung, aber mir scheint, ich stehe dadurch mehr im Leben. Zeit ist vielleicht – so mein Verdacht – kein Strahl, ein in die Zukunft sausender Pfeil. Sondern eben: ein Zyklus. Es könnte ein Trost beim Altwerden sein, denn der Kreis schließt sich irgendwann. Etwas, was einem Zeitstrahl nie und nimmer gelingen kann. Ich setze ab jetzt auf eine neue Karte.

P.S.: In der Silvester-Nacht, als ich meinen Kalender für dieses Jahr gemacht habe, scheine ich schon so Ahnungen gehabt zu haben:

Demut

Natürlich schreibt er gut (er lässt sich Zeit), tatsächlich ist er (wenn man je überhaupt etwas ist) gar kein Schriftsteller, sondern Journalist, seit Jahren hat er „sein“ Thema (ich in der Welt), es gibt also Gründe (zumindest, wenn man welche sucht). Aber dass mich ein Buch so trifft, dass ich schon vor der Hälfte anfange, ganz langsam zu lesen, damit es nicht so schnell mit dem Lesen vorbei ist, geht mir selten so. Und dieses Jahr bislang nur mit diesem einen: Heimkehr, von Wolfgang Büscher.

Vielleicht liegt es daran, dass meine Lieblingserzählung die meines Vaters auf meine Frage war: Was würdest Du machen, wenn Du ganz alleine im Wald leben müsstest? Vielleicht daran, dass Wolfgang Büscher ungefähr in meinem Alter ist, und Dinge erlebt, die sich ähnlich, wenn natürlich anders, in meinem Leben so abspielen. Vielleicht aber auch daran, dass ich mein Leben lang männliche Biografien als Sehnsuchtswege für mein eigenes Fortkommen betrachtet habe, unbewusst natürlich, und mit vorhersehbaren Kollateralschäden (ich denke darüber gerade viel nach, nicht als „Fehlleitung“ oder Scheitern, sondern als eine bis hierher unbewusste Spur, die mich möglicherweise näher zu meinen Idealen und zu meinem Selbstverständnis bringt.

Das Wort, das sich für mich aus dieser Lektüre herauskristallisiert, heißt „beiläufig“. Genau erklären kann ich das noch nicht. Aber es wäre eine positive Beschreibung dessen, wie Leben für mich in einer besten Form zu leben wäre.

Awesome Blogger-Award, 2. Teil: Meine Fragen

Zurück in Berlin habe ich wieder mehr Zeit im Internet, und damit auch auf meinem Blog, unterwegs zu sein. Ich habe mir 10 Fragen überlegt, die ich dieses Mal gerne in die Runde werfen möchte, ohne jemanden zu nominieren. Nicht, dass es mir an passenden Blogger/innen fehlen würde. Doch merke ich, dass die Fragen doch sehr persönlich sind. Da mag sicher nicht jede/r antworten, oder zumindest nicht auf jede Frage. Mich wiederum würden die Antworten interessieren.

Hier sind die Fragen, und eben: ich freue mich, wenn Ihr mir Antworten schickt. Gerne auch je eine – oder was oder wie auch immer. Das ist es für heute. Es folgt dann noch ein dritter Teil (da muss ich aber erst nochmal nachschauen, was das ist…)

  1. Welchen Stellenwert hat Nichtstun in Deinem Leben? 
  2. Bist Du schon mal eine Woche ganz alleine irgendwo gewesen – und wie war das?
  3. Ist Musik für Dich Ablenkung, Lebensgefühl oder eher eine Expedition ins Ungewisse?
  4. Wie ist das mit Menschen, die 30 Jahre jünger oder älter sind als Du: Meidest Du sie? Oder gehst Du eher auf sie zu?
  5. Ein eigenes Haus: Ist das für Dich ein wichtiger Teil des Lebens? 
  6. Was hat Dich in den letzten zwei, drei Wochen am meisten überrascht?
  7. Welches Möbel würdest Du Dir kaufen, wenn Du genug Geld und Platz hättest?
  8. Gibt es ein Kleidungsstück, das Dir gut an anderen gefällt, das Du Dich aber nicht zu tragen traust?
  9. Womit machst Du Dir Mut, wenn Du eine schwere Zeit durchstehen oder eine schwierige Aufgabe meistern musst?
  10. Weißt Du, wer Du bist?

Statt Radio

In einer Stunde geht mein Zug (bzw. der erste von insgesamt vier) zurück nach Berlin. Was soll ich sagen? Das Leben auf dem Land hat auch was, zumindest, wenn es, wie in den letzten Tagen, so großzügig sonnig ist. Heute regnet es hin und wieder. Und das reicht schon, sich (zumindest als Städterin) nicht mehr ganz so wohl zu fühlen. Und nach wie vor gilt: draußen gibt es keine Steckdosen…

Hundemüde

und dazu stereo. War ich gestern, als ich hier in Walldürn ankam. Nach Saarburg ist es die zweite Station einer kurzen Reise, die mich erst zu meinem Vater führte, der sehr entspannt, und immer noch mit 15 Gästen (nur drei Familienangehörigen) den 91sten Geburtstag feierte. Allein über das Bahnfahren könnte ich jetzt schon wieder einen Roman schreiben. Wer war zum Beispiel schon mal in einer Bahn-Toilette eingeschlossen – kurz vor dem nächsten Ausstieg? Da braucht man keinen Thriller… Ist aber bisher alles gut gegangen. Ich drücke mir selbst gerade die Daumen, dass es heute noch nicht regnet, weil ich ein Museumsdorf besichtigen werde. Bin gespannt und melancholisch zugleich. Ein Herbst auf dem Land – ich spüre mein eigenes Altwerden zumindest diese Woche ganz anders.