Heute ist der 1. Todestag von David Bowie. Wenn ich eins im letzten Jahr begriffen habe: man kann die Menschen auch weiter lieben, wenn sie gestorben sind. Can you hear me…?
Anders, als man denkt…
ist wahrscheinlich öfters als man meint… Wer eine Arbeit ein letztes Mal in die Hand nimmt und abschließt, kennt wohl die ganze Bandbreite der Gefühle: Ist es das, was ich wollte? Ist es die beste aller Möglichkeiten? Gefällt es mir? Gibt es Fehler? Wenn ja, sind sie noch zu beheben oder kann ich damit leben? Habe ich alles ausgeschöpft, was mir zur Verfügung stand?
Bei jeder Produktion ist dieser letzte Moment ein anderer. Meine Erfahrung ist, dass ich ungefähr so ankomme, wie ich losgegangen bin. Allerdings gibt es immer glückliche und unglückliche Wendungen. Es können krasse Fehler unterlaufen, die einen Teil der Arbeit ruinieren. Oder die, ganz im Gegenteil, die Arbeit erst brillant machen, weil sie unerwartete Lösungen fordern. Diesmal war ich darauf vorbereitet, ganz große Schnitte und Änderungen vorzunehmen, und dann war es eigentlich nur an wenigen Stellen eine Art Feinjustierung. Natürlich bin ich verunsichert. Aber ich merke, auch wenn ich Januar-Kind und damit ein Steinbock bin, die Nummer mit dem Kopf durch die Wand ist nicht jedes Mal die richtige… Was soll ich sagen: Es ist fertig und es ist gut so.
Schäfchen zählen,
ist alles, was ich heute noch schaffe. Morgen geht es weiter mit den Klunkern. Allen einen guten Start in die neue Woche!
Das Wissen der Kranken
Die Vorlesungen, die Michel Foucault in seiner Zeit am Collège de France hielt, sind teilweise als Manuskripte, teilweise als Tonbandmitschnitte erhalten. Ich lese gerade diejenigen, die Foucault Anfang 1976 hielt. Er fängt sehr sympathisch damit an, den Sinn und Zweck der Vorlesung zu untersuchen. Er will mit seinen Veranstaltungen, so sagt er, weg vom Lehrbetrieb hin dazu, der Öffentlichkeit darüber Rechenschaft abzugeben, worüber er eigentlich forscht. Und das war ja bekanntlich eine ganze Menge. Er kommt dabei auf eine Beobachtung zu sprechen, die er die „Wiederkehr des unterworfenen Wissens“ nennt. Als „unterworfenes Wissen“ bezeichnet er alles, was von der Forschung, den Universitäten oder sonstigen wissenschaftlichen Institutionen abgelehnt wird: Wissen oder Erkenntnisse, „die als nicht-begriffliches Wissen, als unzureichend ausgearbeitetes Wissen abgewertet“ werden. So spricht er zum Beispiel vom anerkannten „Wissen der Ärzte“ und demgegenüber von dem als nicht qualifiziert abgetanen „Wissen der Kranken“. Ja, denke ich, was wäre das von ein enormer Schritt, wenn Ärtzt/innen und Patient/innen anfangen würden, miteinander Krankheiten zu erforschen!
Januar-Kinder
Ja, es ist etwas Besonderes, gleich zu Anfang des neuen Jahres ins Leben hinein zu spazieren. Aber es hat auch verdrießliches, wie schlechtes Wetter (und ich meine damit keineswegs Kälte sondern Regen), nach der Weihnacht und Silvester heruntergefahrene Feierlaune der Freund/innen oder die ganzen Rechnungen, die einem gleich in den ersten Neujahrswochen auf den Tisch flattern. Ich habe mich heute einmal in meinem neuen Taschen-Kalender umgesehen. Dort sind Schriftsteller/innen mit ihren Geburtstagen notiert und ich habe nicht schlecht gestaunt, in welcher Gesellschaft ich mich befinde. Jacob Grimm macht am 4. Januar den Anfang, der ja eigentlich mehr Sprach- und Literaturforscher war als Autor. Am 8. Januar folgt David Bowie. Nee, auch kein Autor, oder eben in ganz spezieller Hinsicht (s. Literaturnobelpreis 2016). Dann kommen Annette von Droste-Hülshoff (10.1.), Jack London (12.1.), James Joyce (13.1.) und Molière (15.1.). Und, ja, ich habe tatsächlich von allen schon etwas (oder etwas mehr) gelesen. Am 19.1. gesellen sich E.A. Poe und Hoffman v. Fallersleben hinzu, Lord Byron folgt am 22.1. ebenso August Strindberg. Stendhal kommt an einem 23. Januar zur Welt, E.T.A. Hoffman einen Tag später (aber 7 Jahre früher), Virginia Woolf feierte jahrelang am 25.1. Geburtstag, Achim von Arnim tat das Zeit seines Lebens am 26.1. Es folgen Lewis Carroll (27.1.), Tschechow, Puschkin, Seume (29.1.), mein heiß geliebter Adelbert von Chamisso (30.1.) und Marie Luise Kaschnitz am 31.1. Ach ja, Susan Sontag gehört auch zu den Januar-Kindern. Sie wurde an einem 16. Januar geboren.
Warum ist es
manchmal so enorm schwierig, herauszufinden, was man wirklich will?
Reisen gegen die Alltagsroutine – ?
Ich habe nie wirklich verstanden, was Menschen in den Urlaub treibt. Wahrscheinlich ist es Abenteuerlust gepaart mit einem schlechten Gedächtnis (das einen doch früh genug an die Unpässlichkeiten von langen Fahrten, harten Betten, grauenhaften Insekten oder ungenießbarer Speisen erinnern müsste)… Vielleicht ist es auch der Wunsch, den Planeten, den wir bewohnen, etwas besser kennenzulernen.
Nein, es ist kein Geheimnis, ich bin ein Reisemuffel. Dennoch werde ich dieses Jahr gleich zwei Mal auf Reisen gehen. Unternehmungen, die ich so lange aufgeschoben habe, bis sie sich fast in die Quere gekommen sind. Und ich bemerke zuallererst, dass schon das Vorhaben die Routine aus dem Takt bringt, denn wo hier und da noch Zeitreserven sind, wenn ich heute nicht und morgen auch nicht, muss ich jetzt vom Reisedatum her zurück denken, um nicht kurz vor Abflug in Stress zu geraten. Außerdem spüre ich seit kurzem doch ein leichtes Kribbeln bei dem Gedanken, an einem (hoffentlich schönen) Tag im Mai nicht gleich mit dem ersten Kaffee an den Schreibtisch zu tappen, sondern zum Flughafen (Tegel!) zu fahren, um von dort aus den Atlantik zu überqueren.
Tatsächlich sind es noch fünf Monate hin, und ich kleiner Reiseangsthase fange schon an, meinen Koffer im Geist zu packen und was weiß ich. Mal sehen. Ein Ausflug scheint also wirklich so einiges auf den Kopf zu stellen. Auch mein Selbstbild bewegt sich. Denn es ist ja nicht bloß eine Frage des passenden Outfits, ob ich mich für bequeme Hosen, einen leuchtenden Rock, für Regenmantel oder/und Sonnenbrille entscheide. Es ist die Frage, als wer ich in die Fremde aufbreche. Und es ist noch eine ganz andere, als wer ich zurückkehre. Doch, Fernweh ist mir seit ich Kind bin ein Begriff. Reisen passte bislang nicht so recht zu mir. Nun, wir werden ja sehen – und, nichts überstürzen…
Überstürze nichts!
Na toll! Glückskekse haben ja so den Hang zum Rätselhaften. Nichts überstürzen? Ja wie denn? Hat denn dieser Neujahrskeks mal in meinen Terminkalender geschaut? Mich wie ein alter Lastkahn mal am Kanalrand parken und von den anderen Schiffchen überholen lassen – ??? Nee, halt, von Pause ist ja (leider) nicht die Rede. Eher von Eile mit Weile. „Wer es eilig hat“, sagen die Chinesen, „sollte einen Umweg machen.“ Also nicht die kürzeste Lösung suchen, sondern in eine andere Richtung gehen? Eigentlich ein guter Rat, wenn man kurz davor ist, ein Projekt abzuschließen. Das Ende ist schon abzusehen. Aber, überstürze nichts! Du kannst schließlich auch erst am letzten Tag fertig werden…
Tief tauchen
Aufmerksamkeit lohnt sich, so ist es zumindest heute auf „zeit-online“ zu lesen, denn wem beim Musikhören ein wohliger Schauer über Rücken, Arme oder Beine läuft, gehört zu den akustischen Tieftauchern, also zu den Menschen, die sich – wahrlich mit Haut und Haar – auf das Hören einlassen. Gänsehaut, die unsere Haut Wellen schlagen lässt, kennen wir eigentlich vom plötzlichen Temperaturwechsel. Ich kann ganze Arien davon singen, weil mich schon der kleinste Windhauch zum Frösteln bringt. Und nee, ich finde das nicht angenehm. Aber beim Musikhören ist es was anderes. Denn da kommt der Temperaturwechsel oder die Brise nicht von außen, sondern von innen, und durchläuft meinen Körper wie eine Welle. Was ich daran interessant finde? Nun, dass Aufmerksamkeit nötig ist – so legt es zumindest die Studie nah – um einen solchen Flash zu bekommen. Nicht chillen oder entspannen ist angesagt, sondern Konzentration auf die sich wandelnden Muster in der Musik, denn es sind wahrscheinlich die Überraschungen, die einen so anstoßen. Tief tauchen und dann richtig lauschen. Wahrscheinlich ist das das Rezept für einen Ganzkörperhörgenuss.
Blinde Zeugen
Als Historikerin bin ich mit dem Phänomen häufig konfrontiert: Das der blinden Zeitgenossenschaft, das sich durch grandiose Fehleinschätzungen und – natürlich rückblickend gesehen – durch ebenso kuriose Weitsichtigkeit auf falschen Prämissen auszeichnet. Wenn ein neues Jahr beginnt und wie ein leeres Blatt vor mir liegt, denke ich an diese merkwürdige Verzerrung, die sich einschleicht, sobald wir mit Neuigkeiten konfrontiert sind. Und überlege einmal mehr, ob sich etwas dagegen tun lässt. Noch subjektiver schreiben, fällt mir spontan ein, aber ich bin keineswegs sicher, ob das irgendetwas ändert.









