Blinde Zeugen

Als Historikerin bin ich mit dem Phänomen häufig konfrontiert: Das der blinden Zeitgenossenschaft, das sich durch grandiose Fehleinschätzungen und – natürlich rückblickend gesehen – durch ebenso kuriose Weitsichtigkeit auf falschen Prämissen auszeichnet. Wenn ein neues Jahr beginnt und wie ein leeres Blatt vor mir liegt, denke ich an diese merkwürdige Verzerrung, die sich einschleicht, sobald wir mit Neuigkeiten konfrontiert sind. Und überlege einmal mehr, ob sich etwas dagegen tun lässt. Noch subjektiver schreiben, fällt mir spontan ein, aber ich bin keineswegs sicher, ob das irgendetwas ändert.

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

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