Tief tauchen

Aufmerksamkeit lohnt sich, so ist es zumindest heute auf „zeit-online“ zu lesen, denn wem beim Musikhören ein wohliger Schauer über Rücken, Arme oder Beine läuft, gehört zu den akustischen Tieftauchern, also zu den Menschen, die sich – wahrlich mit Haut und Haar – auf das Hören einlassen. Gänsehaut, die unsere Haut Wellen schlagen lässt, kennen wir eigentlich vom plötzlichen Temperaturwechsel. Ich kann ganze Arien davon singen, weil mich schon der kleinste Windhauch zum Frösteln bringt. Und nee, ich finde das nicht angenehm. Aber beim Musikhören ist es was anderes. Denn da kommt der Temperaturwechsel oder die Brise nicht von außen, sondern von innen, und durchläuft meinen Körper wie eine Welle. Was ich daran interessant finde? Nun, dass Aufmerksamkeit nötig ist – so legt es zumindest die Studie nah – um einen solchen Flash zu bekommen. Nicht chillen oder entspannen ist angesagt, sondern Konzentration auf die sich wandelnden Muster in der Musik, denn es sind wahrscheinlich die Überraschungen, die einen so anstoßen. Tief tauchen und dann richtig lauschen. Wahrscheinlich ist das das Rezept für einen Ganzkörperhörgenuss.

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Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 6

  1. tomas bächli 2. Januar 2017

    Schon seltsam: Musik machen ist so ein handwerklicher Vorgang (drum sind die Musiker auch so spießig ) aber was dabei rauskommt kann man eigentlich nicht verstehen. Eine Bagatelle von Beethoven kann man zwar vortrefflich analysieren, verstehen tu ich sie trotzdem nicht.

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    • Stephanie Jaeckel 3. Januar 2017

      GRRRRR. Wer mir Handwerker mit Spießern gleichsetzt, kommt in die Ecke! Zumthor ist einer der größten Architekten, zumindest nach meiner Vorstellung, und von der Ausbildung her? Ja, Handwerker: größtmögliche Präzision, die sich mit einer grandiosen Phantasie und dem Sinn für Machbares verbindet. Aber vielleicht hast Du das anders gemeint – ? Ansonsten, es geht mit nicht um verstehen, wahrscheinlich Dir auch nicht, sondern um erfassen. Oder wahrnehmen. Es ist ja tatsächlich so, wenn Musik nebenher läuft, das heißt, die arme läuft ja nicht nebenher, sondern ich als Hörerin konzentriere mich auf mindestens noch eine Sache, also dann verpasse ich natürlich eine Menge. Ausser, die Musik ist so schlicht, dass es nix zu verpassen gibt. Und so stand es (glaube ich) auch in dem Artikel, dass Gänsehautmomente bei „guter“ Musik (jaja, und da sind wir schon wieder da…) entstehen.

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    • tomas bächli 3. Januar 2017

      Sorry wegen den Spießern, war ja auch ein bisschen ironisch gemeint. Wichtig daran ist mir die Verwandlung : ein Mensch mit dem man sonst vielleicht gar nicht so viel zu sagen hat wird beim Spielen eines Instruments zu einem inspirienden Performer von grossen Kompositionen . Verstehen ist sicher das falsche Wort, das richtige zu finden fällt schwer : „Erfassen „von Musik scheint mir eigentümlich schwach „Eintauchen“viel schöner, aber nicht in jedem Fall angemessen.

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  2. tomas bächli 2. Januar 2017

    Und noch was : Musik hören ist ein radikal körperlicher Vorgang , wie wir ihn empfinden lässt sich aber nicht festlegen, darum gehen so viele Darstellungen der Sexualität in der Musik schief. Das Klavierstück „Erotik “ -von Edvard Grieg weckt in uns nur ein müdes Lächeln. Am Besten gehen noch die Darstellungen bizarrer Erotik wie z.B. die „Sex machine “ von James Brown “ oder der „Liebestod “ von Richard Wagner.

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    • Stephanie Jaeckel 3. Januar 2017

      Ich kenne das Stück von Grieg nicht. Vielleicht ist es einfach langweilig? Weil er es mit etwas so Persönlichem aufgeladen ist, was wir als Hörer/innen nicht nachvollziehen können. Oder weil es zu „platt“ daherkommt? Wenn wir das Stück für uns umtaufen, und denken, es heiße „kleiner Frosch im Wald“, oder gleich „ohne Titel“, vielleicht würde uns die Müdigkeit wieder verlassen? Oder wäre das bloß ein billiger Trick?

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