Ich hatte davon in der Zeitung gelesen, dass sich – meist junge – Leute auf Plätze stellen oder an andere belebte Orte und den Vorbeieilenden eine Umarmung anbieten. Ich musste schmunzeln, fand es naiv, charmant und komisch zugleich: wer würde sich denn umarmen lassen? – andererseits… Das ist mindestens zwei Jahre her. Anfang letzter Woche kam ich sehr müde an einem großen Bahnhof an. Der Tag war lang gewesen und bevorstehende Bahnfahrten sind nicht unbedingt das, was mich in Begeisterung versetzt. Auf der hohen Treppe zu den Bahnsteigen drängten die Menschen nach oben, eine junge Frau stand in der Nähe eines der mittleren Gelände mit einem Schild in der Hand, von ihr könne man sich umarmen lassen. Ich war überrascht, nur ein paar Minuten vorher war ich an einem Straßenmusiker vorbei gekommen, den ich ebenfalls vor zwei, drei Jahren mal in Berlin gesehen hatte, jetzt also gleich noch eine gratis Straßenaktion, und hier wie da: kaum dass jemand groß Notiz davon nahm. Eigentlich wollte ich sie mir nur aus der Nähe anschauen, als ich hoch ging, doch dann entschied ich mich, die angebotene Umarmung zu probieren. Es war komisch, vertraut und fremd. Schließlich umarmen wir ja mittlerweile auch Freunde von Freunden oder andere Bekannte, die wir auf der Straße treffen. Ich wollte mich schnell wieder losmachen, aber sie hielt mich freundlich noch eine Weile und sagte mir ein paar nette Sachen. Ich war wirklich überrascht. Und noch mehr: Diese Umarmung tat gut. Ich schluckte mein Bedürfnis runter, ihr gleich auch freundliche Sachen zu sagen. Schließlich wollte sie mir etwas schenken. Ich habe mich bedankt. Und dachte, dass diese Umarmung der beste Abschluss meines Arbeitstages gewesen ist. Ach so, die Bahnfahrt war ausnahmsweise auch o.k.
Trotzdem.
Nein. Es gibt nichts zu feiern. Und vielen ist es mulmig. Dennoch: Anstoßen und weitermachen. Allen ein schönes Wochenende!
Sich wehren
Früher (und das ist noch gar nicht so lange her) dachte ich, wenn ich mich nur richtig verhalte, kann mir nichts passieren. Dem ist nicht so. Die allererste Konfrontation machte mich hilflos. Ich kam und kam nicht damit klar, dass sich jemand nicht nur nicht richtig verhielt, sondern offensichtlich mit völliger Absicht. Das war zuallererst eine unglaubliche Kränkung. In die ich mich tage- sogar wochenlang festbiss. Es müsse ja nur „die Wahrheit“ ans Licht kommen, damit ich zu meinem Recht käme. Überflüssig zu sagen, dass die Hasen so nicht laufen. Zum Glück schlug ich irgendwann einen Haken. Es ging nicht mehr ums Unrecht. Sondern um eine Art Hindernis, das ich aus dem Weg räumen musste. Ich machte erste Bekanntschaft mit Rechtsberatungen und Anwälten. Und lernte dort eine neue Art der Argumentation. So auch die Notwendigkeit, erst mal die Lage zu analysieren, um dann für den eigenen Fall zu argumentieren. Das nahm aus manchem Fall ganz schnell die Luft. Und es eröffnete zum Beispiel auch Einsicht ins Gegenüber. Es gab nämlich plötzlich die Möglichkeit eines Missverständnisses. Oder eines puren Interessenkonflikts, der aber eben oft genug verhandelbar ist. Nein. Natürlich bekommt man auf dieser Welt nicht immer Recht. Und oft sind Verhandlungen langwierig. Und unfair. Aber ich habe gelernt, dass ich mich wehren kann. Und das Recht nicht automatisch ist. Sondern auch von mir abhängt.
In Berlin rappt
witterungsbedingt der Eisbär. Ja, doch. Wir haben Winter. Und wieder einen kleinen Knut (solange er noch keinen eigenen Namen hat). Und Mode, die der Kälte trotzt. Viel gute Laune heute auf den Straßen. War richtig schön.
Ich sehe was, was Du – ?
Bildbeschreibungen. Wenn ich meinen Beruf in einem Wort erklären sollte. Eigentlich eher Übersetzen. Es sind ja nicht immer nur Bilder. Aber oft. Am Ende übersetze ich auch Bilder. Manchmal kommen mir Zweifel. Weil – wozu eigentlich übersetzen? Und: was sehe ich überhaupt. Und wie viel nicht. Nicht bloß, weil meine Augen schlechter werden. Oft lasse ich mich foppen. Falle auf billige Tricks rein. Bin ungeduldig. Mag einfach nicht, was ich sehe. Lasse mich ablenken. Statt zu empfangen (Hingabe – ja? ja.) Ab und zu gehe ich sogar vorbei. Genervt. Zu viel. Zu viel dasselbe (die Übereinkunft zumindest in Museen, ähnliches zusammen zu zeigen). Bilder sind eben auch Spiegel. Wie kann ich das kenntlich machen? Ich sehe was. Wollt Ihr das wirklich wissen?
Da lacht der Mops!
Die Klunker machen zwei Tage Pause. Euch allen einen guten Start in die neue Woche. Und tut viel von dem, was Ihr wollt. Wenn nicht Ihr, wer sonst?
Gemeinheit?
Selbst der (kleine) Wahrig gibt sich wortkarg. Gemeinde, Gemeinplatz, Gemeinschaft und Gemeinsprache. Von Gemeinheit keine Rede. Auch sonst ist das nicht grade ein Thema. Obwohl man ja immer wieder mit großen und kleinen Gemeinheiten konfrontiert wird. Eine amerikanische Forscherin will entdeckt haben, dass Frauen auf Männerfang gemein sind, um potentielle Konkurrentinnen auszuschalten. Frauen gehen schließlich nicht mit Keulen aufeinander los. Nein? Und was ist mit Männern, die gemein zu Frauen sind? Oder umgekehrt?
Gemein ist, so denke ich jedenfalls, meist absichtlich. Deshalb ist es vielleicht als erstes schon mal gut, sich gar nicht zu regen. Wenn eine Gemeinheit ignoriert wird, mag die Gegenseite zumindest stutzig werden. Aber Gemeinheiten sind ja in der Regel wirklich gemein, das heißt, sie können einen ganz schönen Schaden anrichten. Da gilt es dann, Alternativen zu finden, Ausgänge, die man bis dahin nicht gesehen hat. Wie sagte Captain Kirk einst so schön: Ich wünsche eine dritte Antwort! Und da bin ich mir sicher: Die gibt es immer.
Einsam
Manchmal überkommen mich Momente der Einsamkeit. Wie heute Abend, als ich an dieser Bushaltestelle vorbei kam, und den abgeschmückten Tannenbaum dort stehen sah. Vielleicht ist es so einem Baum ja egal. Aber ich habe mich irgendwie geschämt. Bäume für ein paar Tage ins Zimmer zu stellen, um sie dann lieblos zu entsorgen. Januare können ganz schön trostlos anfangen…
Lieblingsdinge
Ich kann aufräumen, so viel ich will. Es gibt einfach Dinge, die ich behalte, auch wenn sie eigentlich nur rumstehen. – Das Foto mag in die falsche Richtung weisen. Doch so ein praktischer alter Nussknacker ist für mich tatsächlich ein „Staubfänger“, denn ich bin allergisch gegen Nüsse.
Ich habe noch mein allererstes Kuscheltier. Ich habe Steine von allen möglichen Stränden, Bergen und (ähäm, ja) Fensterbänken. Ein silberner Serviettenhalter ist immerhin Sammelstelle für noch gültige Konzertkarten, es gibt Vasen, Glückschweine und eine Schublade, in der noch mehr Krimskrams darauf wartet, wieder ins Regal gestellt zu werden.
Sentimentalitäten? Oder sind solche, an sich unbedeutenden Dinge am Ende doch so etwas wie Erinnerungsspeicher oder Angelpunkte in eine Realität, die sich von mir aus gesehen ja immer nur verändert?
Edelstein
Nein. Kiesel gehörten nie zu den Preziosen. Sie sind die Masse der Steine, das Fuß- oder wohl eher das Rollvolk. Dennoch: als Kind habe ich sie mehr als alle anderen geliebt. Und dieser ist – mit Verlaub: perfekt. Von ihm aus, so stelle ich mir gerade vor, könnte ein ganzer Roman seinen Lauf nehmen…








