Ich sehe was, was Du – ?

Bildbeschreibungen. Wenn ich meinen Beruf in einem Wort erklären sollte. Eigentlich eher Übersetzen. Es sind ja nicht immer nur Bilder. Aber oft. Am Ende übersetze ich auch Bilder. Manchmal kommen mir Zweifel. Weil – wozu eigentlich übersetzen? Und: was sehe ich überhaupt. Und wie viel nicht. Nicht bloß, weil meine Augen schlechter werden. Oft lasse ich mich foppen. Falle auf billige Tricks rein. Bin ungeduldig. Mag einfach nicht, was ich sehe. Lasse mich ablenken. Statt zu empfangen (Hingabe – ja? ja.) Ab und zu gehe ich sogar vorbei. Genervt. Zu viel. Zu viel dasselbe (die Übereinkunft zumindest in Museen, ähnliches zusammen zu zeigen). Bilder sind eben auch Spiegel. Wie kann ich das kenntlich machen? Ich sehe was. Wollt Ihr das wirklich wissen?

Einsortiert unter: Allgemein

von

Wer die Welt erkennen will, muss ganz genau hinsehen. Schon als Kind habe ich mir häufig die Augen gerieben und - wenn es sein musste - noch einmal hingesehen. Mittlerweile arbeite ich als Journalistin und als Autorin. Auch hier ist das genaue Hinsehen, keineswegs das Schreiben, die, wenn man so will, Kerntätigkeit (auch nicht das Telefonieren, obwohl es oft genug so scheint). Doch während ich meinen Blick bei der Arbeit fokussiere und das Gesehene zu allen möglichen Richtungen hin ausleuchte, möchte ich in meinem Blog kurze Blicke wagen. Wer zurückschaut, ist herzlich willkommen.

Comments 8

    • Stephanie Jaeckel 19. Januar 2017

      Danke, Maren! Leider ist die Realität für viele meiner – nein fast der meisten – (kunsthistorischen) Bildbeschreibungen eine andere: Da kennt mich keiner. Meine Texte werden (oft wirklich hinreißend gesprochen) aus Kopfhörern direkt in die Gedanken der Hörer/innen eingespeist. D.h. ich verschwinde in diesem Prozess ganz. Nicht, dass ich das besonders schlimm finde. Aber es verändert natürlich etwas in der Kommunikation. Ich denke gerade viel über genau diese „Konstruktion“ – eine Art „Nachrichtenfiktion“ nach. Und die Fiktion objektiver Sachtexte. Manchmal denke ich, diese Art des Schreibens sei überholt. Aber von was???

      Gefällt mir

      • Maren Wulf 19. Januar 2017

        Ich bin mir nicht sicher, ob es darauf ankommt, ob dich einer kennt bzw. ob du hinter den Texten verschwindest, Stephanie, zumindest nicht, wenn es um Texte aus Kopfhörern geht (Audioguides, vermute ich?). Ich weiß natürlich nicht, wie deine Bildbetrachtungen sind, aber wenn sie irgendeine Ähnlichkeit mit deinen Klunkern des Alltags haben, würde ich sie deshalb gern lesen bzw. hören, weil sie selbst Gesehenes und Gedachtes transportieren, das mich zum genaueren Hinsehen anregt oder auch zum Nachdenken… – egal, ob ich deine Sichtweise teile oder nicht. Das macht für mich auch eine gute Führung durch eine Kunstausstellung aus.

        Gefällt 1 Person

        • Stephanie Jaeckel 19. Januar 2017

          In gewisser Weise haben die Texte (ja, Audioguides) natürlich etwas von den Klunkern. Aber es sind ja immer Auftragstexte. Insofern halte ich mich an Wünsche und Vorgaben. So dass meine eigenen Gedanken oft gar nicht auftauchen. Wie gesagt, ich finde das nicht schlimm. Auch nicht, dass ich als Person nicht sichtbar bin oder bekannt. Es ist diese merkwürdige Fiktion einer menschlichen Stimme aus dem Off, die spricht, wo aber kein Erwidern möglich ist. Klar, die Texte regen an, das Gesehene noch einmal mit dem Gehörten abzugleichen und möglicherweise noch andere Perspektiven zu finden. Ich stoße mich zur Zeit dran, weil ich die Grenzen so sehr spüre. Aber vielleicht sollte ich mich noch mal auf das Wesentliche dieser Vermittlung konzentrieren und von da aus eine neue Richtung einschlagen. Ja, es ist eben eine Anregung, danke Dir, mich daran erinnert zu haben!

          Gefällt mir

    • Stephanie Jaeckel 19. Januar 2017

      Ja, und wie ich gestern bei Ulrike Draesner las, den alten Frauen in Badezimmerspiegeln ist auch nicht zu trauen!!! Nein, im Ernst: Die alten Frauen scheinen mir das größere Problem. Ich kämpfe mit Verzerrungen in den Spiegeln (und vor allem im eigenen Kopf), während die Rechts-Links-Umstellung jahrelang im Unterricht trainiert wird (wir sprechen ja alle automatisch quasi „aus dem Bild heraus“) – ausserdem, wer weiß schon wirklich immer, wo rechts oder links ist 😉

      Gefällt 1 Person

  1. volkerwiesner 19. Januar 2017

    Dabei sind Beschreibungen doch voll im Trend – alles wird einfacher und bequemer angeboten, im Fernsehen gibt es 1000 Kanäle, keiner muss mehr selber denken. Was nicht schlimm ist ( nur wenns übertrieben wir: wir WOLLEN es bequem haben, ist ja auch erst mal nix verwerfliches dran ). Rezensionen sind letztens ja auch Beschreibungen, aber eben mit Interpretation. Vielleicht wäre das ja ne Idee, um als Person bekannt zu werden. Wie ist das noch mit dem YouTube-Millionär, der eigentlich „nur“ Computer- oder Konsolenspiele beschreibt ?

    Gefällt 2 Personen

    • Stephanie Jaeckel 20. Januar 2017

      Audioguides sind in einem guten Fall nicht bequem. Sie können Besucher/innen, die in der Regel für einen Museumsbesuch nicht optimal vorbereitet sind, in die Lage versetzen, mitzudenken. Sie können auf einem gemeinsamen Niveau einsteigen (wenn sie zu mehreren sind und sich gemeinsam mit einem Guide aufmachen), das eben höher ist, als bei einer unvorbereiteten Begegnung mit Kunst oder was auch immer. Interpretationen wären tatsächlich oft spannender. Weil sie ein guter Einstieg in eine Diskussion sind. Aber genau hier hakt es natürlich. Weil Audioguides teuer sind und über Jahre laufen sollen. Diskussionen sind eben eher kurzlebig, nicht vorherzusehen, etc. Und der Audioguide darf natürlich keine Fehler machen oder in falsche Richtungen weisen. – Es geht mir dabei nicht darum, bekannt zu werden. Sondern mit meinen Texten tatsächlich eine Art Gegenüber für die Hörer/innen zu sein.

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s